Asunción: Während die Weltwirtschaft über längere Lebensarbeitszeiten debattiert, formiert sich auf der Plaza de Armas in der Hauptstadt von Paraguay ein Protest, der wie aus der Zeit gefallen wirkt. Angehörige von Militär und Polizei gehen auf die Straße, um ein System zu verteidigen, das es ihnen ermöglicht, bereits mit 45 Jahren die Uniform gegen das Rentnerdasein einzutauschen.
Der Kern des Konflikts: Dienstjahre gegen Lebensalter
Die aktuelle Regelung ist denkbar großzügig: Wer mit 20 Jahren seinen Dienst antritt, kann nach 25 Dienstjahren in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Mit 45 Jahren – einem Alter, in dem Fachkräfte in der Privatwirtschaft oft auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit stehen – verabschieden sich paraguayische Ordnungshüter bereits ins Privatleben.
Carlos Silvero, Präsident des Verbandes der pensionierten Unteroffiziere, betont zwar, dass man in diesem Fall nicht das volle Gehalt beziehe, doch die Kritik der Regierung sitzt tiefer: Der Fiskalfonds (Caja Fiscal) blutet aus. Das aktuelle System ist mathematisch kaum noch zu halten.
Die Reform: Ein harter Aufschlag der Realität
Der neue Gesetzentwurf, der bereits die Abgeordnetenkammer passiert hat, sieht radikale Änderungen vor:
-Mindestalter 57 Jahre: Schluss mit der Pensionierung Mitte 40.
-Beitragszeit: Mindestens 25 Jahre aktive Einzahlungen.
-Rentenniveau: Berechnet auf dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, gedeckelt bei maximal 85 %.
Die Exekutive argumentiert mit der Nachhaltigkeit. Das wachsende Defizit im Staatshaushalt wird zu einer Zeitbombe, die ohne diese Reform hochzugehen droht. Doch für die Uniformierten ist dies kein notwendiges Übel, sondern ein Angriff auf „etablierte Rechte“.
Ein unbezahlbarer Anachronismus?
Der Protest wirft eine unangenehme Frage auf: Kann sich ein Land wie Paraguay ein Rentensystem leisten, bei dem Beamte potenziell länger Pension beziehen, als sie aktiv Dienst geleistet haben?
Die “friedliche Demonstration“ vor dem Kongress ist mehr als nur ein Streit um Zahlen. Es ist ein Kräftemessen zwischen einer Berufsgruppe mit starker Lobby und einer Regierung, die versucht, den drohenden Bankrott des Rentensystems abzuwenden. Während die Polizei 99 % Zustimmung für den Protest vermeldet, fragt sich der Steuerzahler, wer die Zeche für die restlichen 12 Jahre Differenz zwischen 45 und 57 zahlt.
Wochenblatt / Beitragsbild Archiv / X















