Nach Jagd auf die Banco Atlas fordert Staatsanwaltschaft nun auch Auskünfte über Treunhandkonten bei der Banco Continental

Asunción: Nachdem jahrelang die Leiter der Banco Atlas (Zuccolillo) für Konten von illegalen Geldern des verstorbenen ehemaligen Sportfunktionärs Nicolás Leoz verantwortlich gemacht wurden, obwohl alle wußten, dass insgesamt fünf Banken solche Konten hatten, gerät nun auch die Banco Continental ins Visier.

Die Staatsanwaltschaft forderte die Banco Continental gestern dringend auf, Verträge und Unterlagen zu dem millionenschweren Finanzkonstrukt des verstorbenen ehemaligen Sportfunktionärs Nicolás Leoz bei diesem Kreditinstitut vorzulegen. Obwohl Berichte der Seprelad die Staatsanwaltschaft bereits 2019 auf diese Transaktionen aufmerksam gemacht hatten, hat die Conmebol – unter dem Vorsitz von Alejandro Domínguez – ein unerklärliches und vielsagendes Schweigen über die Rolle dieses Finanzunternehmens bewahrt und ihre Angriffe auf eine einzige Bank konzentriert.

Der Antrag der Staatsanwaltschaft erfolgt im Rahmen des Verfahrens, das wegen mutmaßlicher Geldwäsche ermittelt. Dem Dokument zufolge fordert die Staatsanwaltschaft von der Banco Continental Berichte über Verträge und Hintergründe an, wie etwa die Herkunft der Gelder aus bestehenden oder bei dieser Bank registrierten Treuhandkonten des verstorbenen Nicolás Leoz, ehemaliger Präsident der Conmebol, der in den als FIFA-Gate bekannten Korruptionsfall verwickelt war.

Die Anfrage umfasst auch Transaktionen und das genehmigte Transaktionslimit (LOA) des verstorbenen Leoz sowie die Kontobewegungen seiner Kinder: Nora Cecilia Leoz Plate de Cardozo, María Celeste Leoz Plate de Ribeiro, Josué Nicolás Leoz Pérez, Mateo Nicolás Leoz Pérez und seiner Witwe, María Clemencia Pérez de Leoz. In der Aufforderung wird eine Frist von fünf Werktagen für die Antwort genannt.

Berichte der Seprelad ignoriert

Die Conmebol – unter dem Vorsitz von Alejandro Domínguez – hat in ihren Anzeigen bislang lediglich die Banco Atlas erwähnt, obwohl sie genau um die Existenz weiterer Treuhandfonds von Nicolás Leoz mit weitaus höheren Beträgen und mit Geldern, die nach dem Ausbruch des FIFA-Gate-Skandals aus dem Ausland zurückgeführt wurden, wusste. Dies geschah vermutlich mit der Absicht, sie vor einer Beschlagnahmung durch die US-Justiz zu schützen, wie aus Berichten hervorgeht, die von der Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche (Seprelad) erstellt und bereits 2019 an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurden.

Drei dieser Treuhandfonds wurden am 29. Januar 2016 bei der Banco Continental eingerichtet, die sie am 5. April desselben Jahres der Seprelad mit einem Gesamtbetrag von 27.554.184 Dollar meldete, ebenfalls zugunsten seiner direkten Familienangehörigen als eine Art Erbverteilung. Der erste zugunsten seiner Ehefrau María Clemencia über 5.510.836 US-Dollar; der zweite zugunsten seiner Töchter Nora Cecilia und María Celeste über 8.817.338 US-Dollar; und der dritte erneut zugunsten seiner Ehefrau und seiner Söhne Josué und Mateo über 13.226.008 US-Dollar.

Diese drei Treuhandfonds enthalten ebenfalls die Ausnahmeklausel, die den autonomen Vermögensbestand verpflichtet, die Gerichtskosten des Treugebers zu übernehmen, was dessen Schutz vor gerichtlichen Ansprüchen auf diese Vermögenswerte zu Lebzeiten von Leoz verhinderte.

Der Unterschied zu den beiden Atlas-Treuhandfonds besteht darin, dass diese nicht mit internationalen Überweisungen eingerichtet wurden. Bei anderen Banken, die nicht von der Conmebol angezeigt wurden, wurden die Treuhandfonds hingegen mit Geldern aus einer Offshore-Gesellschaft gegründet, die die Leoz am 3. Oktober 2013 in Nassau auf den Bahamas unter dem Namen Canelazo Limited eröffnet hatten. Der Name der Firma bezieht sich auf ein Rennpferd von María Clemencia und auf ein traditionelles Getränk ihres Landes, Kolumbien, und könnte mögliche Verbindungen zu den Unterschlagungen der Leoz bei der Conmebol haben.

Zwischen August und Oktober 2015 zahlte Nicolás Leoz bei der Banco Continental 27.366.819 US-Dollar ein, die von einer Offshore-Gesellschaft stammten, die er zusammen mit seiner Frau auf den Bahamas unterhielt.

Der FIFA-Gate-Skandal kam am 27. Mai 2015 ans Licht. Zwischen August und Oktober desselben Jahres zahlte Nicolás Leoz 27.366.819 Dollar auf sein Sparkonto 01-27-0024982 bei der Banco Continental ein, überwiesen von Canelazo Limited nach der Auflösung – wie die Bank erklärte – eines Treuhandkontos bei der Citibank auf den Bahamas.

Die Gelder wurden über die Citibank in New York und Wells Fargo Advisors, eine Filiale der gleichnamigen Bank mit Hauptsitz in San Francisco, überwiesen. Mit diesem Geld wurden die Treuhandkonten in Paraguay eingerichtet.

Es soll zudem mindestens zwei weitere Verträge ähnlicher Art auf dem lokalen Markt geben, zu deren Beträgen und Banken bislang noch keine weiteren Informationen vorliegen.

Wochenblatt / Abc Color

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