Grünes Glas aus Wasserkraft: Paraguay setzt weltweit neue Maßstäbe

Villa Hayes: Ein paraguayisches Unternehmen baut derzeit das nach eigenen Angaben nachhaltigste Glaswerk der Welt. Die Anlage soll vollständig mit erneuerbarer Wasserkraft betrieben werden und voraussichtlich Mitte 2026 die Produktion aufnehmen.

Parglass S.A. errichtet das Werk in Villa Hayes, einer Stadt am Ufer des Paraguay-Flusses, etwa 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Asunción. Das 85-Millionen-US-Dollar-Projekt führt eine Technologie ein, für die es in der industriellen Glasherstellung weltweit bisher kein Vorbild gibt.

Ein Markt mit Wachstumspotenzial

Derzeit gibt es in Paraguay nur einen einzigen inländischen Hersteller von Glasflaschen, was viele Unternehmen bei ihrem Verpackungsbedarf stark von Importen abhängig macht. Sergio Cibils Baumann, Direktor von Parglass, erklärt, dass das Unternehmen dies ändern wolle, indem es den Zugang zu Glasbehältern für Produzenten aller Größenordnungen – von großen Lebensmittel- und Getränkekonzernen bis hin zu kleinen handwerklichen Erzeugern – verbessert. Viele Kleinbetriebe, wie etwa Marmeladenhersteller, verwenden derzeit gebrauchte Gläser wieder, da neues Glas aus heimischer Produktion entweder nicht verfügbar oder unerschwinglich ist.

Das Projekt wurde gemeinsam von Parglass und Pavisa entwickelt, einem mexikanischen Familienunternehmen mit über 70 Jahren Erfahrung. Parglass gehört zur Grupo Bogarín, einer paraguayischen Holding, zu der auch ein Zementhersteller sowie Vertretungen für Hyundai und Maserati gehören.

Der Schmelzofen als technologisches Herzstück

Der Ofen der Anlage wird täglich 150 Tonnen Glas produzieren und – im Gegensatz zu herkömmlichen, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Modellen – vollständig elektrisch laufen. In Paraguay wird nahezu der gesamte Strom durch Wasserkraftwerke erzeugt, darunter Itaipú, eines der größten Kraftwerke der Welt an der Grenze zu Brasilien.

Baumann beschreibt es als das weltweit erste Projekt, das einen Glasschmelzofen dieser Art zu 100 % mit elektrischer Energie aus Wasserkraft betreibt. Dies ermögliche es dem Unternehmen, Behälter mit einem minimalen CO₂-Fußabdruck anzubieten. Das paraguayische Ministerium für Industrie und Handel (MIC) bezeichnet den Ofen als den ersten seiner Art in der gesamten Branche.

Diese Technologie bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Laut Baumann ist eine stabile Stromversorgung entscheidend, wobei er anmerkte, dass Paraguay bisher nur begrenzte Erfahrung mit elektrischen Glasschmelzöfen habe. Das Unternehmen hat ein spezialisiertes technisches Team zusammengestellt, das seit Projektbeginn geschult wird.

Exportambitionen noch vor Produktionsstart

Obwohl die Produktion noch nicht angelaufen ist, zeigt Parglass bereits eine kommerzielle Präsenz in Ecuador, Chile, Uruguay und der Dominikanischen Republik. Das Unternehmen plant, zwischen 40 und 50 % der Produktion auf dem Inlandsmarkt abzusetzen. Der Rest ist für den Export bestimmt, primär für Premium-Segmente, in denen Verpackungsdesign und Differenzierung entscheidende Kauffaktoren sind.

Laut Cristian Pemjean haben sich Glasbehälter zu Marketinginstrumenten entwickelt, wobei Marken zunehmend nach personalisierten Lösungen suchen. Das Werk wird integriertes Formendesign, Lackierung und Siebdruckverfahren anbieten, was einen hohen Grad an individueller Gestaltung ermöglicht.

Arbeitsplätze und Recycling

Der stellvertretende Industrieminister Javier Viveros hob bei einem Besuch der Baustelle das Potenzial des Projekts hervor, die industrielle Lieferkette Paraguays zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und Innovationen in der Fertigung zu fördern. Derzeit sind rund 300 Arbeiter vor Ort beschäftigt. Nach der Inbetriebnahme wird das Werk 170 direkte Arbeitsplätze bieten und etwa 1.000 indirekte Stellen in den Bereichen Logistik und Dienstleistungen generieren.

Zudem trägt die Fabrik zur Reaktivierung der Glas-Recyclingkette in Paraguay bei. Parglass schätzt, dass zwischen 20.000 und 25.000 Familien in Paraguay einen Teil ihres Einkommens durch Recycling verdienen. Das Unternehmen arbeitet mit der Kammer für nachhaltige Industrie und dem Ministerium zusammen, um den Sektor zu formalisieren und den Zugang zu Ausrüstung und Ressourcen zu verbessern.

Zeitplan und Kapazität

Das Ministerium schätzt, dass das Werk eine monatliche Produktionskapazität von sechs bis sieben Millionen Glaseinheiten haben wird. Während das Ministerium den Betriebsstart für Juli 2026 prognostiziert, nannte das Unternehmen gelegentlich den August. Beide Seiten rechnen mit der zweiten Jahreshälfte 2026, und die Bauarbeiten verlaufen nach Angaben aller Beteiligten planmäßig. Die Fabrik soll dazu beitragen, Paraguays Abhängigkeit von importierten Glasbehältern zu verringern und die Handelsbilanz des Landes zu stärken.

Wochenblatt / Asunción Times

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