Asunción: Paraguay positioniert sich weiterhin als eines der Länder mit der geringsten Steuerbelastung in der Region. Seine steuerlichen Vorteile sind ein wichtiger Anziehungspunkt für ausländisches Kapital, zudem bietet das Land relativ niedrige Produktions- und Investitionskosten.
Die Ökonomen Sergio Sapena und Hugo Royg stimmten jedoch darin überein, dass steuerliche und energetische Vorteile allein nicht mehr ausreichen, um Investitionen anzuziehen. Sie warnten, dass das Land vor Problemen stehe, die hauptsächlich mit der Qualität der öffentlichen Dienstleistungen, der Infrastruktur, der Bürokratie, der Qualität der öffentlichen Ausgaben und der Rechtssicherheit zusammenhängen.
Beide Spezialisten betonten, dass Paraguay im Vergleich zu den Nachbarländern wichtige Vorteile behält, mit mehr steuerlichen Anreizen wie dem Maquila-Gesetz und Freizonen. Sie unterstrichen jedoch, dass Investoren heute Faktoren wie institutionelle Qualität und das allgemeine Funktionieren des Staates weitaus höher priorisieren.
Infrastruktur und Dienstleistungen als größte Schwachstelle
Sapena bezeichnete die geringe Qualität der öffentlichen Dienstleistungen und der Infrastruktur sogar als die Hauptschwachstelle des Landes. Er nannte Probleme in den Bereichen Kommunikation, Stromversorgung, öffentlicher Nahverkehr, Gesundheit, Wohnungsbau, Sicherheit und Bildung – Sektoren, die seiner Meinung nach im Vergleich zum Rest Lateinamerikas einen erheblichen Rückstand aufweisen.
„Niedrige Steuersätze sind unzureichend und stehen an dritter Stelle der Wichtigkeit. An erster Stelle steht die Verfügbarkeit von Infrastruktur, Kommunikation, Strom, öffentlichem Nahverkehr, Gesundheit, Sicherheit, Wohnraum und Bildung – Bereiche, in denen wir in Lateinamerika die Letzten sind. An zweiter Stelle folgt die Rechtssicherheit (…) und erst an dritter Stelle die Steuersätze“, erklärte er.
Dennoch plädierte Sapena dafür, die niedrige Steuerquote beizubehalten. Er war der Ansicht, dass Paraguay die Steuern nicht erhöhen, sondern seine Verschuldungskapazität ausweiten müsse, um öffentliche Bauprojekte umzusetzen. Demnach könnte das Land das Haushaltsdefizit vorübergehend erhöhen, um über mehrere Jahre hinweg in Gesundheit, Bildung, Wohnungsbau, Verkehr und Infrastruktur zu investieren.
Er wies auch darauf hin, dass die Verfahren zur Erlangung von Steuervergünstigungen und Sonderregelungen in Paraguay meist 3 bis 6 Monate dauern, während es in anderen Ländern der Region nur 1 bis 3 Monate sind.
„Diese Vorteile, die Paraguay Investoren bietet, sind bürokratischer und langsamer (…) allerdings gibt es im Gegenzug nach der Investition eine geringe oder fast gar keine Kontrolle, im Gegensatz zu anderen Ländern der Region, wo strenge und stärkere Kontrollen stattfinden. Das heißt, Investoren haben in Paraguay größere Freiheit von staatlicher Kontrolle“, fügte er hinzu.
Kosten-Nutzen-Verhältnis und institutionelle Qualität
Hugo Royg wies seinerseits darauf hin, dass ein Investor in erster Linie das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen analysiert, bevor er sich für ein Land entscheidet; niedrigere Kosten allein genügten daher nicht. Er fügte hinzu, dass ausländisches Kapital nicht nur darauf schaut, wie viel die Produktion in Paraguay kostet, sondern auch, was es im Gegenzug an Institutionalität und operativen Bedingungen erhält.
„Die Investoren werden sich sagen: ‚Wenn ich in dieses Land gehe, habe ich billige Energie, billige Arbeitskräfte und eine niedrige Steuerlast. Aber was bekomme ich im Gegenzug?‘ Es reicht also nicht aus. Und was verlangen sie im Gegenzug? Sie verlangen Rechtssicherheit, institutionelle Qualität, logistische Erleichterungen, Konnektivität, weniger Bürokratie, Arbeitskräfte und sind bereit, im Verhältnis zu ihrer Produktivität zu zahlen“, sagte er.
Royg stimmte zu, dass die Infrastruktur eine der wichtigsten ungelösten Herausforderungen für das Land darstellt, und warnte, dass Paraguay sogar seine geografischen Vorteile verspielen könnte, wenn es seine logistischen Verbindungen nicht verbessert. „Man muss die Infrastruktur instand halten, man muss die Kapazitäten ausbauen“, unterstrich er.
Paraguay besitze zwar strategische Vorteile durch seine regionale Lage, die Wasserstraße (Hidrovía) und die Nähe zu wichtigen Märkten, aber diese Bedingungen müssten von öffentlichen Investitionen begleitet werden.
Warnung vor makroökonomischem Abbau
In Bezug auf die makroökonomische Situation stellte Royg fest, dass es Paraguay über Jahre hinweg gelungen sei, eine gewisse fiskalische und monetäre Stabilität aufzubauen. Er warnte jedoch, dass es heute Anzeichen einer Verschlechterung gebe, die bei Investoren Unsicherheit hervorrufen.
„Die Haushaltslage befindet sich auf Messers Schneide, sie ist verschlechtert und nicht transparent. Die Inflation wird zwar durch den Wechselkurs kontrolliert, aber nicht durch strukturelle Maßnahmen“, kritisierte der Ökonom.
Schließlich warnte er, dass Paraguay Gefahr laufe, lediglich zu einem „Billig-Ziel“ für opportunistische, kurzfristige Investitionen zu werden, wenn es seine institutionelle Qualität und sein Humankapital nicht verbessert.
Wochenblatt / Última Hora















