Horqueta: Die Lebensgeschichte eines hilfsbereiten Mädchens: Sie kam als Frühgeburt zur Welt, und die EPP nahm ihr den Papa, als sie erst 4 Monate alt war. Heute engagiert sie sich ehrenamtlich und träumt davon, die Uniform der Nationalpolizei zu tragen.
Das Leben von Divina Marian Ayelén Casco Rodríguez gehört zu den Geschichten, die das Herz berühren und zeigen: Wenn man ein riesiges Herz besitzt, kann kein Schicksalsschlag dieses Lächeln auslöschen.
An diesem Samstag feiert die Jugendliche in Horqueta (Departement Concepción) ihren 15. Geburtstag. Doch weit entfernt davon, sich Luxus zu wünschen, ist es ihr größtes Anliegen, das Andenken ihres Vaters zu ehren und ihrer Gemeinschaft weiterhin zu helfen.
Ayelén ist vom ersten Tag an eine echte Kämpferin. Sie wurde im achten Schwangerschaftsmonat mit weniger als zwei Kilo im Krankenhaus von Itauguá geboren. Ihre Mutter, Romina Rodríguez, musste damals dorthin eilends verlegt werden, weil es in ihrer eigenen Region keine Brutkästen gab. Das kleine Mädchen kämpfte fast zwei Monate lang auf der Intensivstation um ihr Leben.
Ein schrecklicher Schlag
Der schwerste Schlag traf die Familie im September 2011, als Ayelén erst 4 Monate alt war. Ihr Vater, der Unteroffizier Vicente Casco, wurde von Mitgliedern der kriminellen Gruppierung „Ejército del Pueblo Paraguayo“ (EPP) bei einem Überfall auf die 10. Unterpolizeistation von Capitán Giménez feige ermordet.
Der Polizist starb, während er seinen Posten verteidigte und bis zum letzten Atemzug Verstärkung anforderte.
Von diesem Moment an musste Doña Romina die Familie allein durchbringen. „Es war schwer. Ich hatte keine feste Arbeit und da sie eine Frühgeburt war, musste ich jede Woche mit ihr zur Kontrolle nach Itauguá fahren“, erzählte sie.
Hilfsbereit von der Seele auf
Ayelén besucht die 9. Klasse an der staatlichen Schule der Stadt, wo sie nicht nur hervorragende Noten hat, sondern auch die Haupt-Chirolera (Anführerin der Majoretten/Trommlerinnen) ist.
In den Ferien sammelt die Jugendliche gebrauchte Rucksäcke, wäscht und repariert sie, um sie an bedürftige Kinder (mitã’i) zu spenden, wie sie es bereits für die San-Sebastián-Schule getan hat.
Zudem kauft und spendet sie mit ihren eigenen Händen und den Einnahmen aus ihren kleinen Geschäften (sie verkauft Haarschleifen, Armbänder, verzierte Trinkhalme und handgemachte Kerzen) Taufbecken für die Kapellen in Horqueta.
Vor Kurzem hat die junge Frau zudem ihre Ausbildung zur professionellen Visagistin abgeschlossen und lernt nun das Wimpernverlängern, um auf ehrliche Weise ihr eigenes Geld zu verdienen.
Ihr großer Traum: Die Uniform des Papas tragen
Obwohl sie keine Erinnerungen an ihren Vater hat, weil sie beim seinem Tod noch so klein war, besucht Ayelén sein Grab in Capitán Giménez. Sie hat sich fest vorgenommen, seinen Namen zu ehren, indem sie ebenfalls Polizistin wird, um die Uniform unter dem Motto der paraguayischen Polizei zu verteidigen: „Siegen oder sterben!“ (¡Vencer o morir!).
„Wir haben schon viel geweint, weil sie oft sagt, dass ihr Vater ihr einen Traumgeburtstag ausgerichtet hätte, wenn er noch leben würde. Ich werde das Fest nun im Rahmen meiner Möglichkeiten organisieren, aber es wird sehr schön werden. Wir feiern ein Volksfest, zu dem wir alle einladen, die diesen Moment mit uns teilen möchten“, sagte die Mutter.
Wochenblatt / Extra















