Doppelmord an Siegsdorfern: Prozess gegen verbliebene Deutsche startet Jahre nach Tod von Mitverdächtigem

Asunción: Der bekannte deutsche Mammut-Forscher Bernard von Bredow (62) – der als Teenager in Siegsdorf ein weltberühmtes Mammut-Skelett entdeckt und später das Museum Mammutheum gegründet hatte – lebte seit 2016 in der Künstlerstadt Areguá in Paraguay.

Am 22. Oktober 2021 wurden er und seine 14-jährige Tochter Loreena in ihrem Haus brutal ermordet aufgefunden. Die Ermittler standen vor einem Bild des Grauens: Bernard von Bredow war vor seinem Tod massiv gefoltert worden (er wies Schusswunden an den Beinen und schwere Misshandlungsspuren auf). Seine Tochter wurde in einer Badewanne mit einem Schuss in den Hinterkopf exekutiert.

Das Tatmotiv: Die Stradivari-Geigen

Schnell gerieten Personen aus dem engsten Bekanntenkreis des Forschers in den Fokus der paraguayischen Nationalpolizei. Von Bredow besaß vier wertvolle historische Violinen, bei denen es sich mutmaßlich um echte Stradivari-Geigen handelte. Da er diese in Paraguay verkaufen oder schätzen lassen wollte, hatte er Bekannte eingeweiht.

Die Täter hatten es auf die Instrumente und vor allem auf die dazugehörigen Echtheitszertifikate abgesehen, ohne die die Geigen auf dem internationalen Schwarzmarkt wertlos sind. Um den Aufbewahrungsort der Zertifikate zu erpressen, wurde von Bredow stundenlang gefoltert.

Die Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft in Paraguay erhob nach langen Ermittlungen Anklage gegen mehrere deutsche Staatsbürger, darunter:

Yves S.: Ein enger Bekannter und Nachbar von Bredows, der nach der Tat die Geigen offiziell bei sich “sichergestellt“ und der Polizei übergeben hatte – angeblich, um sie vor Dieben zu schützen. Die Ermittler sahen darin jedoch ein Ablenkungsmanöver.

Jimmy G.: Ein weiterer Deutscher aus dem Umfeld, dem eine direkte Beteiligung an der Tatplanung und -ausführung vorgeworfen wird.

Ein dritter Verdächtiger, Volker G., verstarb während der Untersuchungshaft in einem paraguayischen Gefängnis unter ungeklärten Umständen. Die Angeklagten beteuerten stets ihre Unschuld und schoben die Schuld unbekannten, einheimischen Einbrecherbanden zu. Die Spurenlage und widersprüchliche Aussagen führten jedoch zur finalen Anklageerhebung und der Eröffnung des Hauptverfahrens.

Vom Kriminalfall zum Buchstoff

Die Grausamkeit der Tat und die skurrilen Hintergründe rund um die wertvollen Instrumente erzeugten nicht nur in den Medien ein gewaltiges Echo. Der brutale Doppelmord diente dem bekannten deutschen Krimi-Autor Bernhard Jaumann als direkte Inspiration für seinen im Herbst 2024 erschienenen Roman “Der Mammut-Forscher“. Darin verarbeitet er die realen Ereignisse und leuchtet die psychologischen Abgründe sowie die Dynamiken innerhalb der deutschen Auswanderer-Community in Paraguay literarisch aus.

Der Mammut-Prozess vor paraguayischer Justiz

Vier Jahre nach der grausamen Tat in Areguá biegt der Fall nun auf die juristische Zielgerade ein. Die paraguayische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen abgeschlossen und die Anklage gegen die beiden verbliebenen deutschen Hauptverdächtigen, Yves S. und Jimmy G., formell erhoben. Den Beschuldigten drohen wegen des dringenden Verdachts auf gemeinschaftlichen Foltermord und schweren Raub Höchststrafen nach paraguayischem Recht. Im Chiemgau – der Heimat der Opfer – wird der bevorstehende Prozessauftakt mit immenser Spannung und der Hoffnung auf späte Gerechtigkeit verfolgt.

Wochenblatt / Beitragsbild Archiv

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