Asunción: Mein Wort, in zwei Minuten, spricht von der permanenten Trauer, die Paraguay durch die schiere Menge an Toten bei vermeintlichen Verkehrsunfällen herrscht. In Wahrheit sind diese das Produkt einer Wildwest-Mentalität, in der wir uns bewegen, von Straflosigkeit, mangelnden Kontrollen und fehlender Härte.
Es ist ein völlig aus den Fugen geratener Verkehr, zu dem auch die prekären Straßenverhältnisse des Landes, die Probleme mit einem sicheren öffentlichen Nahverkehr und der Mangel an einer minimalen, grundlegenden Verkehrserziehung beitragen. Führerscheine werden ohne jegliche Kontrolle ausgestellt, und die Gemeinden sind so verzweifelt darauf aus, Geld einzunehmen, dass sie so gut wie gar nichts kontrollieren. Dieses explosive Gesamtpaket fordert in Paraguay fast vier Todesopfer pro Tag.
Jetzt traf es einen jungen Unternehmer, der in der Gemeinschaft sehr beliebt war, zudem ein aktives Mitglied der Schönstatt-Bewegung und der Partei Patria Querida: Kelo Kriskovich, ein ehemaliger Schüler des Colegio Cristo Rey. Die Erschütterung in etlichen Gruppen war riesig, denn es handelt sich um einen vorbildlichen Mann, der einfach nur versuchte, eine Straße zu überqueren – die Avenida Mariscal López. Wir reden hier nicht einmal von einem abgelegenen Ort des Landes, an dem es keine Beschilderung oder keine geeigneten Fahrbahnen gibt; direkt dort, im nervlichen Zentrum des asuncenischen Verkehrs, stirbt ein guter Mensch, weil eine Motorrad das rote Ampelsignal missachtet.
Jeden Tag erleben wir das. Jeden Tag sehen wir, wie hunderte Kinder ohne jegliche Sicherheit auf Motorrädern zu ihren Schulen transportiert werden, obwohl es ein Gesetz gibt, das diese Art des Transports verbietet. Jeden Tag sehen wir, wie rote Ampeln überfahren werden, ohne dass jemand einschreitet. Jeden Tag sehen wir das Parken in zweiter und dritter Reihe vor den elitärsten Schulen der Stadt. Jeden Tag sehen wir, wie sich das Gesetz des Stärkeren durchsetzt, um sich Platz auf den Straßen zu erkämpfen und als Erster voranzukommen – wie bei einer “Pole-Position“ beim Umschalten der Ampel. Mit diesem Wahnsinn bringen wir uns selbst um. Es ist eine nationale Epidemie, und dennoch glauben wir, es handele sich bloß um ein isoliertes, unglückliches Ereignis.
Wochenblatt / Megacadena / Mario Ferreiro















