Washington D.C.: Die Vereinigten Staaten und Paraguay haben ihre Partnerschaft durch die Unterzeichnung eines Abkommens im Bereich der zivilen Kernenergie vertieft. Es ermöglicht Paraguay, eine Bestandsaufnahme seiner Uran- und Seltenerdvorkommen durchzuführen. Zugleich ebnet es den Weg für den möglichen Einsatz kleiner Kernreaktoren zur Ergänzung der Stromversorgung, die bislang ausschließlich auf Wasserkraft basiert.
Abkommen in Washington unterzeichnet
Das Abkommen wurde am Dienstag in Washington vom paraguayischen Außenminister Rubén Ramírez und dem US-Außenminister Marco Rubio unterzeichnet. Es soll „die Fähigkeiten Paraguays in diesem Bereich mit Unterstützung der Vereinigten Staaten stärken“, teilte das paraguayische Außenministerium mit.
Erkundung und Bestandsaufnahme
Der paraguayische Vizepräsident Pedro Alliana erläuterte am Donnerstag in einem Rundfunkinterview, das Abkommen ziele zunächst auf die Erkundung und Erfassung möglicher Uranvorkommen im Land ab. „Es geht um Erkundung – ausdrücklich um Erkundung“, betonte er.
Bereits 2015 führte Paraguay gemeinsam mit einem Privatunternehmen Untersuchungen im südlichen Departement Caazapá durch. Damals wurden dort Vorkommen von rund 10 Millionen Pfund Uran nachgewiesen. In jüngerer Zeit investierte das US-Unternehmen Uranium Energy Corp etwa eine Million US-Dollar in die Erkundung von Titanvorkommen und plant weitere Tätigkeiten auch im Bereich der Uranförderung.
Friedliche Nutzung als Grundsatz
Beide Seiten verpflichten sich zur „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ und anerkennen deren Bedeutung für die Energieversorgung. Paraguay geht damit zugleich die Verpflichtung ein, keine Atomenergie für militärische Zwecke zu entwickeln.
Der Geschäftsträger der USA in Asunción, Robert Alter, erläuterte: Das Abkommen sehe den Austausch von bewährten Verfahren, technischen Informationen sowie alle erforderlichen Standards für Sicherheit, Schutz und Nichtverbreitung von Atomwaffen vor.
Perspektive: Kleine Kernreaktoren
Das Abkommen eröffnet Paraguay zudem die Möglichkeit, künftig kleine modulare Kernreaktoren (SMR) in sein Stromnetz aufzunehmen, um die Versorgung langfristig zu sichern. Bereits im April unterzeichnete die paraguayische Stromversorgungsbehörde ANDE mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO ein Kooperationsabkommen zur Prüfung des langfristigen Einsatzes dieser Technologie.
Ziel sei es, Paraguay bei künftigen Entscheidungen über die friedliche Nutzung der Kernenergie mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Vizepräsident Alliana betonte jedoch, dass die Regierung keinen kurzfristigen Bau von Kernkraftwerken plane. Im Vordergrund stehe zunächst die Erkundung von Uranvorkommen.
Wochenblatt / Última Hora