Keine Lust auf Haus und Ehe: Wie eine ganze Generation die alten Traditionen über Deck wirft

Asunción: Der Leiter des Nationalen Statistikinstituts (INE), Iván Ojeda, analysierte in einem Interview mit Journalisten den Wandel der Lebensgewohnheiten junger Menschen in Paraguay. Er führte aus, dass viele nicht mehr heiraten, kein Universitätsstudium anstreben und lieber zur Miete wohnen, anstatt ein Haus zu kaufen – auch weil sie davon ausgehen, nicht lange am selben Ort zu bleiben.

Den Erhebungen zufolge sind 70 % der jungen Menschen ledig, nur 7 % sind verheiratet und 23 % leben in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft.

Ojeda stellte diese Sichtweise der seiner eigenen Generation gegenüber, in der der Lebensweg klar vorgezeichnet war: Studieren, einen Abschluss machen und eine Familie gründen. Heute hingegen sei Instabilität ein weltweiter Trend. Er griff dabei auch Klagen aus der Unternehmerwelt auf: „Es gibt junge Leute, die nur so lange arbeiten, bis sie genug Geld für einen Urlaub zusammenhaben, und dann kündigen. Zudem mangelt es häufig an Soft Skills“, so Ojeda.

Kleinere Haushalte, erwerbstätige Frauen und die “Silberne Ökonomie“

Darüber hinaus wies der Leiter des Statistikamtes auf den Wandel der Haushaltsgrößen hin: Bestanden Haushalte in den 1950er- bis 1970er-Jahren im Schnitt noch aus fast sieben Personen, liegt der Durchschnitt heute bei 3,5 Bewohnern. Dieser Rückgang der Geburtenrate führe zur sogenannten “Frauendividende“: Immer mehr Frauen streben eine bezahlte Erwerbstätigkeit an, wenngleich die Betreuungs- und Care-Arbeit im Haushalt weiterhin eine zentrale Rolle spiele.

Eine weitere Neuheit sei die sogenannte “Silberne Ökonomie“: Die Menschen werden älter, und viele 65- bis 70-Jährige sind durchaus in der Lage, weiterhin aktiv am Arbeitsleben teilzunehmen. Die Herausforderung bestehe nun auch darin, Angebote für Freizeit und soziale Kontakte zu schaffen, um ein gesundes Altern zu ermöglichen.

Ojeda forderte abschließend eine öffentliche Politik, die auf wissenschaftlichen Daten basiert. Ohne eine solche Grundlage seien Entscheidungen in einem Land, das sein Tempo so rasch verändert, nicht effizient.

Wochenblatt / Megacadena / Beitragsbild Archiv

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