Asunción: Mitten in der Krise der Bewegung Honor Colorado (HC) trafen sich die ehemaligen Präsidenten Paraguays und bisherigen Rivalen Horacio Cartes (2013–2018) und Mario Abdo Benítez (2018–2023) heute kurz vor Mittagszeit. Die verbreiteten Bilder zeigen sie entspannt zusammen.
Eine Krise brach in der regierenden Bewegung der Colorado-Partei, Honor Colorado (HC), aus, nachdem Pedro Alliana – Vizepräsident der Republik und Kandidat für das Präsidentenamt – bestätigte, dass Horacio Cartes, Parteivorsitzender und Hauptführer der politischen Bewegung, ihm seine Entscheidung persönlich mitgeteilt habe, die Unterstützung innerhalb des Präsidentschaftsgespanns zu ändern und stattdessen auf Juan Carlos Baruja zu setzen.
Nach dieser Bestätigung versicherte Alliana gestern, dass er seine Ambitionen auf die Präsidentschaft fortsetzen werde – selbst wenn dies außerhalb von Honor Colorado geschehe –, was einen internen Bruch deutlich machte.
Cartes und Marito: entspannt und vertraut
Gestern kurz vor Mittags traf sich der wichtigste Vertreter der Colorado-Dissidenz, Ex-Präsident Mario Abdo Benítez, inmitten dieses Bruchs innerhalb der Regierungsfraktion mit Horacio Cartes.
Die Tragweite und die genauen Inhalte des Treffens zwischen Cartes und Mario Abdo wurden noch nicht bekannt gegeben.
Es sind jedoch die ersten Bilder durchgesickert, die sie entspannt und vertraut zeigen und an eine unvorstellbare Neuausrichtung der politischen Landschaft denken lassen. Wenn das Treffen dafür gedacht war Alliana und andere ins Bockshorn zu jagen, da keiner sich solch ein Treffen vorstellen konnte, dann hat Cartes das Ziel keineswegs verfehlt. Das Treffen fand in der Residenz des ehemaligen DINAC-Direktors Édgar Melgarejo statt.
Gipfeltreffen Cartes-Marito: eine Geschichte gegenseitiger Anschuldigungen
Das Treffen zwischen Cartes und Abdo Benítez findet in einem Kontext statt, der von einer lang anhaltenden politischen und juristischen Konfrontation zwischen beiden Lagern geprägt ist.
Einerseits haben Vertreter der Bewegung Honor Colorado der Regierung von Mario Abdo Benítez wiederholt vorgeworfen, angeblich Anzeigeerstattungen bei lokalen und internationalen Institutionen als politisches Werkzeug missbraucht zu haben.
Die Cartes-Anhänger schreiben der Abdo-Regierung die Erstellung von Geheimdienstberichten zu, die der US-Regierung als Grundlage dienten, um Cartes als „erheblich korrupt“ einzustufen und Finanzsanktionen gegen ihn zu verhängen, die schließlich unter der Präsidentschaft von Santiago Peña wieder aufgehoben wurden.
Mario Abdo Benítez und Horacio Cartes posieren zusammen auf einem der Fotos, die bei ihrem heutigen Treffen aufgenommen wurden und sie herzlich sowie vertraut zeigen.
Marito wirft Instrumentalisierung der Justiz vor
Andererseits behaupten die Abdo-Anhänger und die Verteidigung von Ex-Präsident Abdo Benítez, dass das gegen ihn beim öffentlichen Ministerium (Ministerio Público) eröffnete Strafverfahren eine politische Verfolgung darstelle, die vom Cartes-Lager vorangetrieben werde.
Ihren Angaben zufolge stellt das Strafverfahren – das auf eine von Cartes selbst eingereichte Anzeige zurückgeht – eine Instrumentalisierung des Justizapparats dar, um die Dissidenz innerhalb der Colorado-Partei einzuschüchtern.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zielen diesbezüglich auf ein angebliches System zur Weitergabe vertraulicher Daten (aus der Finanzermittlungsbehörde Seprelad) ab, das mutmaßlich genutzt wurde, um Cartes und den regierungsnahen Sektor politisch zu diskreditieren.
Wochenblatt / Abc Color















