Asunción: Manchmal zeigt der politische Instinkt sich nicht in dem, was ein Akteur tut, sondern in dem, was er großzügig verweigert. Wenn ein Vizepräsident ankündigt, seine eigene, vom Parteiapparat abgessegnete Präsidentschaftskandidatur auf Eis zu legen, lautet die erste Frage in den Fluren des Palacio de López selten, ob er etwa plötzlich den Drang nach einem beschaulichen Leben im Ruhestand verspürt hat. Vielmehr riecht es nach taktischem Rückzug – oder nach dem Versuch, sich rechtzeitig von einem brennenden Haus zu distanzieren, solange die Feuerwehr noch im Stau steht.
Genau das liefert uns Pedro Alliana derzeit in Reinform. Während der offizielle Diskurs des Hauses stets bemüht ist, Eintracht und unerschütterlichen Optimismus zu predigen, schlägt der Vize nun ganz andere Töne an: Kein Wunsch nach dem höchsten Amt im Staat, solange die mathematischen und finanziellen Grundlagen des Landes eher an ein Jenga-Spiel kurz vor dem Kollaps erinnern als an eine solide Republik.
Der Grund für diesen plötzlichen Anflug von Realismus? Ein schönes Wortkonstrukt namens Staatsfinanzen, gefolgt von der ungemütlichen Debatte um die Ueno Bank und der Verteilung von Steuergeldern. Es ist gewissermaßen die elegante Art zu sagen: „Lieber Santi, mach du mal die Drecksarbeit zu Ende; ich steige erst in den Ring, wenn die Konten stimmen und niemand mehr nachfragt, warum gewisse Banken so viel staatliche Zuwendung abbekommen haben, dass man sich fragt, ob das Geld dort Zinsen oder politische Flügel bekommt.“
Die Logik des klugen Händlers
Allianas Haltung offenbart eine bemerkenswerte spitzfindige Logik. Warum sollte man sich den Nimbus des ewigen Nachfolgers ruinieren, wenn das Erbe, das hinterlassen wird, aus leeren Kassen, klammen Krankenhäusern und bröckelnden Staatskrediten besteht? Die Devise lautet: „Arreglar la casa“ – das Haus aufräumen. Nur dass das Aufräumen in diesem Fall bedeutet, erst einmal den Teppich anzuheben und zu schauen, wer alles darunter versteckt wurde.
Besonders charmant ist dabei der Seitenhieb auf die wirtschaftliche Kompetenz des eigenen Teams. Wenn der designierte Kronprinz öffentlich erklärt, er „tauge nicht zum Kandidaten“, solange diese Dinge nicht gelöst sind, klingt das weniger nach einem Selbstzweifel als nach einer vorsorglichen Schadensbegrenzung. Es ist die paraguayische Variante der Versicherungspolice gegen den eigenen Parteifreund an der Spitze: Man bleibt loyal, aber hält demonstrativ einen Sicherheitsabstand von ein paar Kilometern und ein paar Milliarden Guaraníes ein, falls die Bombe platzt.
Zwischen Banken und Ballotten
Die Fixierung auf das Finanzsystem und die Verstrickungen rund um die Ueno Bank legen den Finger genau dorthin, wo es im cartistischen und Regierungsgefüge am meisten schmerzt. Wenn die Bedenken über die Konzentration von Staatsmitteln selbst die innerste Führungsebene erreichen, verwandelt sich die vermeintliche Vorwahl-Euphorie blitzartig in eine Krisensitzung.
Alliana zieht somit die Reißleine, bevor der Wähler es für ihn tut. Er will Präsident werden – ja, aber bitte von einem funktionierenden Staat und nicht von einer Bankrottmasse, bei der man am Ende des Monats nicht weiß, ob man die Staatsbediensteten oder die Kreditgeber auszahlen muss.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: In der paraguayischen Politik gibt es nichts Gefährlicheres als einen Verbündeten, der plötzlich anfängt, Fragen zu stellen. Santiago Peña mag zwar regieren, aber Alliana hat gerade vorgemacht, wie man die Fernbedienung für die nächste Wahlperiode erst einmal demonstrativ in die Ladeschale legt, bis die Sicherungen wieder drin sind.
Wochenblatt / LPO















