Nur 6 % der paraguayischen Bevölkerung gehören der Oberschicht an

Asunción: Eine aktuelle Studie von Captura Consulting und Brand Strategy namens „Paraguay en perspectiva“ beleuchtet die Veränderungen in den paraguayischen Haushalten und deren Konsumgewohnheiten. Die Ergebnisse zeigen eine allmähliche Umgestaltung der sozialen Struktur, verdeutlichen jedoch gleichzeitig strukturelle Herausforderungen und Ungleichheiten.

Die Oberschicht im Fokus

Einer der auffälligsten Befunde der Erhebung ist, dass lediglich 6 % der Haushalte dem gehobenen beziehungsweise oberen Stratum (ABC1) zugeordnet werden. Zwar liegt das monatliche Durchschnittseinkommen dieser Gruppe bei rund 32 Millionen Guaraníes (G.), doch macht das eigentliche Spitzensegment (die Kategorie AB) im strengeren Sinne nur etwa 1,3 % der Bevölkerung aus. Um eine breitere statistische Oberschicht zu bilden, wurde dieser Kern mit rund 4,7 % der mittleren und unteren Mittelschicht (Segment C) zusammengefasst, sodass insgesamt die genannten 6 % erreicht werden. Bei der Summe handelt es sich um das Durchschnittseinkommen der Gruppe und nicht um eine starre Eintrittsschwelle.

Wandel der Sozialstruktur: Vom Dreieck zum Rombus

Laut Iván Ojeda, dem Geschäftsführer von Captura Consulting, beginnt sich die paraguayische Sozialpyramide optisch eher an einen Rombus anzunähern: Die städtische Bevölkerung teilt sich fast zu gleichen Teilen auf die unteren Schichten sowie die Mittel- und Oberschichten auf. Das Wachstum verläuft allerdings ungleichmäßig.

Während die extremen, populären Randgruppen (untere Randgruppe) zwischen 2022 und 2026 von 13 % auf 7 % zurückgingen, verzeichneten die traditionelle Mittelschicht und die untere Mittelschicht leichte Zuwächse. Asunción konzentriert weiterhin den weitaus größten Anteil der oberen Einkommensschichten, während im Landesinneren („Interior“) die unteren Schichten dominieren und erhebliche Unterschiede bei den wirtschaftlichen Chancen bestehen.

Mehr als nur das Einkommen

Das zugrundeliegende Klassifizierungsmodell basiert nicht allein auf dem reinen Haushalts- oder Geldvermögen. Es fließen sechs wesentliche Dimensionen mit unterschiedlicher Gewichtung ein:

Bildungsniveau des Haushaltsvorstands (28 %)

Anzahl der Personen, die zum Einkommen beitragen (26 %)

Verfügbare Güter und Dienstleistungen inkl. Fahrzeugtyp (23 %)

Art der Beschäftigung des Haushaltsvorstands (11 %)

Merkmale der Wohnimmobilie (Anzahl der Zimmer und Bäder) (8 %)

Gesundheitsabsicherung (4 %)

Weitere wichtige Kennzahlen aus der Studie:

Durchschnittseinkommen: Das monatliche Durchschnittseinkommen der Haushalte stieg im Untersuchungsvergleich von 6 Millionen auf 8 Millionen Guaraníes.

Sparfähigkeit: Der Anteil der Haushalte, die angeben, über die Fähigkeit zum Sparen zu verfügen, stieg von 22 % auf 43 % (wobei dies eher das Potenzial als das tatsächlich realisierte Ersparnis widerspiegelt).

Wohneigentum: Rund 71 % der Befragten gaben an, in einer eigenen Immobilie zu leben. Experten weisen jedoch einschränkend darauf hin, dass darin oft mehrere Generationen unter einem Dach wohnen und lediglich 12 % dieser Gruppe das Eigentum über einen Hypothekarkredit abbezahlen.

Auswirkungen auf den Markt und Konsumverhalten

Die veränderte Struktur wirkt sich direkt auf das Kaufverhalten aus. Während einkommensschwache Haushalte extrem rational agieren, in kleinen Mengen einkaufen und preissensibel sind, vergleichen und planen mittlere Schichten gezielter.In den oberen Schichten zeigt sich wiederum eine gesteigerte Selektivität: Kaufkraft bedeutet hier nicht mehr blindes Ausgeben, sondern striktes Evaluieren des Gegenwerts.

Für Unternehmen und Marken bedeutet dies, dass sie maßgeschneiderte Angebote entwickeln müssen, die den Wunsch der Familien nach Fortschritt und Schutz des Erreichten widerspiegeln.

Wochenblatt / Forbes

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