Asunción: Es gibt Momente in der paraguayischen Politik, da greifen selbst die gewieftesten Überlebenskünstler tief in die mottengefüllte Trickkiste der Moral. Der neueste Protagonist im Drama um den epochalen Absturz der Ueno Bank? Kein Geringerer als Ex-Präsident Nicanor Duarte Frutos, der plötzlich den heiligen Zorn des kleinen Mannes entdeckt hat.
Die Abrechnung mit den „Plünderern“
Angesichts des finanziellen Trümmersfelds, das die Ueno Bank hinterlassen hat, überschlagen sich in Asunción die dramatischen Gesten. Nicanor meldete sich zu Wort und ließ mit einer Forderung aufhorchen, die an Radikalität kaum zu überbieten ist – vor allem, wenn man bedenkt, aus welchem Mund sie kommt:
„Que el saqueo lo paguen los saqueadores“ – Die Plünderer sollen für das Plündern bezahlen, nicht das paraguayische Volk.
Ein wunderbarer Satz, der direkt aus einem revolutionären Manifest stammen könnte. Man reibt sich unweigerlich die Augen: Fordert hier etwa ein bekennender Veteran der parteiinternen Machtspiele, dass die Verantwortlichen für ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Scherben geradestehen?
Kein Freifahrtschein für die Staatskasse
Duarte Frutos warnte vehement davor, den Einlagensicherungsfonds (FGD) zu missbrauchen, um die Fehltritte von Politik- und Finanzeliten zu kaschieren. Der Fonds sei schließlich nicht als Schmierfett oder Versicherungsp Police für „Plünderer öffentlicher Ressourcen“ oder deren nützliche Helferlein im Regierungsapparat konzipiert worden.
Mit spitzem Finger deutet er auf die Tatsache hin, dass das finanzielle Loch, das die Ueno-Pleite gerissen hat, nun bloß nicht auf Kosten der Allgemeinheit oder durch fragwürdige Gesetzesmanöver getüncht werden darf. Gleichzeitig fordert er von der Staatsanwaltschaft eine lückenlose, unabhängige Aufklärung – ganz so, als ob Korruption und Seilschaften in Paraguay sonst stets wie Schweizer Uhrwerke funktionierten.
Ein Hauch von Zynismus in den eigenen Reihen
Dass ausgerechnet Nicanor sich jetzt als Schutzpatron der geplagten Sparer, Rentner und Steuerzahler inszeniert, entbehrt nicht einer gewissen kafkakenen Komik. Während die Staatsanwaltschaft unter Hochdruck Vermögenswerte einfriert,Haftbefehle ausstellt und Luxuskarossen beschlagnahmt, nutzen die grauen Eminenzen des Landes die Gunst der Stunde,um sich im Glanz der Volksnähe zu sonnen.
Eines muss man dem Ex-Präsidenten allerdings lassen: Recht hat er. Wenn ein Finanzinstitut kollabiert und die oberen Ränge noch kurz zuvor hektisch um Frischgeld gebuhlt haben, sollte am Ende tatsächlich derjenige die Rechnung begleichen, der das Kartenhaus zum Einsturz gebracht hat – und nicht der paraguayische Arbeiter, der ohnehin schon mit jedem Guaraní rechnen muss.
Wochenblatt / Última Hora













