Asunción: Gestern herrschte bei zahlreichen Kunden der ueno Bank Verzweiflung, Hilflosigkeit und offene Empörung. Sie strömten zu verschiedenen Filialen, um Geld abzuheben oder Transaktionen durchzuführen, nur um vor verschlossenen Türen zu stehen.
Die Zentralbank von Paraguay (BCP) hatte den Betrieb des Instituts abrupt eingestellt und das Abwicklungsverfahren eingeleitet, wodurch sämtliche persönlichen und digitalen Dienstleistungen mit sofortiger Wirkung blockiert wurden.
In einer der Filialen an der Avenida Fernando de la Mora war die Frustration der betroffenen Kunden greifbar. Eine sichtlich aufgewühlte Frau brachte den Unmut über die Passivität der Öffentlichkeit gegenüber institutionellen Krisen, die ihre Ersparnisse bedrohen, mit drastischen Worten auf den Punkt:
„Die Paraguayer sind sehr unterwürfig und schweigen gern“, sagte sie unter Tränen in einer Atmosphäre der Unsicherheit. Menschen, die dem Finanzinstitut ihre gesamten Ressourcen anvertraut hatten, standen plötzlich vor dem Nichts.
Ähnliche Szenen spielten sich im ganzen Land ab. Kunden wie Julián berichteten verzweifelt, dass sie von einer Sekunde auf die andere keinen einzigen Guarani mehr zur Verfügung hatten. „Ich habe keinen einzigen Guarani. Heute Morgen hatte ich nur 40.000 Guaranies in der Tasche. Meine Ersparnisse sind da, und ich kann nichts tun. Was soll ich nur tun?!“, klagte er.
Schließung und eingefrorenes Geld
Die Lage eskalierte, nachdem die BCP am Dienstagmorgen die Auflösung der Bank bekannt gab. Der Verwaltungsrat hatte den Schritt am Montag einstimmig beschlossen, da die Solvabilitätsquote des Instituts auf unter 50 % des gesetzlichen Mindestwertes eingebrochen war. Liana Caballero, Vorstandsmitglied der Zentralbank, bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass Weder App noch Karten oder sonstige Dienste aktiv sind.
Dies markiert eine harte Lektion für eine zunehmend digitalisierte Gesellschaft: Wer sich blind auf rein elektronische Konten, Apps und Karten verlässt, erlebt im Ernstfall einen brutalen Weckruf. Der plötzliche Systemkollaps zeigt überdeutlich, dass das alte Sprichwort “Bares ist Wahres“ keineswegs ausgedient hat. Wenn die digitale Infrastruktur von einer Minute auf die andere eingefroren wird, stehen Bürger ohne physisches Bargeld buchstäblich vor verschlossenen Türen.
Die BCP kündigte an, innerhalb von maximal 15 Tagen den Mechanismus zur Rückerstattung festzulegen, wobei Kleinsparer Priorität genießen sollen. Bis dahin bleibt Tausenden Kunden nur das Warten – und die schmerzhafte Erkenntnis, dass digitale Bequemlichkeit im Krisenfall rasch zur existenziellen Falle werden kann.
Wochenblatt / Beitragsbild Archiv















