Adelige Aktivitäten in Paraguay

Der Adel versuchte auch in Paraguay Fuß zu fassen, Johann von Oldenburg beschloss in den 80er Jahren eine Zuckerrohrfabrik im Bezirk Guairá zu installieren.

Die Zeiten standen damals für deutsche Investitionen relativ gut, nachdem noch das Stroessner Regime an der Macht war. Eine weitere Intention des Adels war möglicherweise auch die wachsende Bedrohung aus dem Osten und sie dachten durch kommunistische Einflüsse, ihren Status zu verlieren.

In vielen Vorgesprächen mit deutschstämmigen Bewohnern aus der Kolonie Independencia, wie unter anderem Alfred Bachmann, Rolf Eberhart und Oscar Burg wurden Anfang der 80er Jahre geeignete Ländereien für die Fabrik gesucht.

In erster Linie war als Verwalter Erich Hofhansl involviert, den das Wochenblatt zu der Historie interviewte. Der Herzog wohnte bei seinen häufigen Besuchen bei ihm und seiner Familie.

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Im Raum Paso Yobai, Richtung der Kolonie Nansen, kaufte der Herzog 430 Hektar Land. „Im Mai 86 begann der Bau, die Fabrik kam in Fertigteilen aus Brasilien und war innerhalb von zwei Monaten fertiggestellt. Die Verarbeitung von Zuckerrohr zu Alkohol lief dann sofort an“, sagte Hofhansl.

Nachdem noch keine Stromleitung installiert war wurden Generatoren eingesetzt. „100 Tonnen Zuckerrohr konnten pro Tag verarbeitet werden, in etwa 500 Liter Alkohol wurde so produziert. Geplant war, an etwa 120 Tage im Jahr zu arbeiten“, fügte er an.

Weitere Expansionen fasste der Herzog ins Auge, vor allem die Energieerzeugung sollte durch eine Leitung stabilisiert werden. Dazu wurden auf einer Länge von über sieben Kilometern Betonpfosten gesetzt und Kabel gezogen. Dieses Projekt wurde noch fertiggestellt, aber das Ende der Fabrik kam mit großen Schritten.

„Es rumorte schon im Land und als Stroessner gestürzt war, kamen die Landbesetzer. Insgesamt zweimal war das Gebiet vom Herzog betroffen, aufgrund dessen, aber auch des politischen Wandels, zog sich dieser dann zurück“, erklärte Hofhansl.

Das über 400 Hektar große Grundstück kauften Einheimische und Deutsche auf, die Fabrik wurde abgebaut und nach Villarrica transportiert. Die Grundmauern stehen noch, ansonsten ist in dieser Zone wieder Ruhe eingekehrt.

Die Errungenschaft der Stromleitung hat und hatte aber historische Bedeutung. Von der Trasse profitieren heute noch unzählige Anwohner in der Region, wer weiß ob jemals dort eine gebaut worden wäre.

Johann Herzog von Oldenburg ist mittlerweile 75 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit, in persönlichen Gesprächen erzählte er immer wieder begeistert aus seiner Vergangenheit. Nach dem Niedergang der Fabrik hat er Paraguay nicht mehr besucht.

Das Beitragsbild ist aus der damaligen Zeit, von Erich Hofhansl zur Verfügung gestellt, das andere Foto zeigt ihn mit Tochter und Freund.

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