Das älteste Restaurant des Landes

Asunción: Im Jahre 1899, als die Straßen der Hauptstadt noch staubig und Esel und Pferde statt Autos unterwegs waren, eröffnete ein Lebensmittelhändler am Fuße der damaligen San Roque Kirche seine Tore. Kurz darauf wurde daraus ein Restaurant.

Da die Personen, die an der Straßenecke Eligio Ayala und Tacuary vorbeikamen auch Getränken und Speisen nicht abgeneigt waren, wurde schnell die Bar San Roque daraus. Heute als Restaurant Bar San Roque bekannt, ist es wegen seiner Speisen auch besonders bei Deutschen beleibt. Nahe dem damals noch funktionierenden Bahnhof war stets was los. Der Gründer war ein Spanier mit dem Nachname Vidondo.

Das Gebäude in seiner damaligen Gestalt hatte eine großen Gastraum, wo die Bar war, ein weiteres kleines Zimmer und den Hinterhof. Ab 1900 wurde das Gebäude den Wünschen seiner Pächter angepasst, die den Hof als Café, Kino und Eisdiele nutzten. Um 1945 kam ein Billardtisch hinzu, zwei Jahres später ein weiterer Spieltisch. Um Ärger zwischen Gästen aus dem Wege zu gehen wurden diese jedoch wieder entfernt.

Unter den Pächtern waren der Italiener Nuncio Marín, die Gebrüder Juan und Jaime Canela und ein Paraguayer mit dem Nachname Irrazabal. Danach kaufte es José Alujas, der es seinem Schwiegersohn Gregorio Morales vererbte. Im Jahr 1947 übernahm es die deutsche Familie Knapps und besitzt es bis heute.

Am 7. Juni 1947, während der Revolution, entschied sich die Zukunft der traditionsreichen Bar San Roque. An diesem Tag kam der 20-jährige Francisco Knapps, der gerade seinen Militärdienst beendet hatte, mit seinem aus Deutschland eingewanderten Vater Alois in die Bar. Beide suchten eine Bar zum mieten und schlossen mit Gregorio Morales einen Vertrag. Zu Beginn zahlten sie 20.000 Guaranies Miete für das Haus und 22.000 Guaranies Miete für die Möbel., die damals Oscar Neu gehörten. Morales verkaufte es der Familie Knapps erst im Jahr 1968, nachdem er es ihnen 21 Jahre vermietete.

Die Familie Knapps arbeitete damals im Getränkehandel und Weinlagern, so dass sie ihren Kunden das ausschenkten was sie handelten. Zudem gab es Fassbier. Francisco hatte zudem Erfahrung als Kellner und Tellerwäscher. Sein Vater verkaufte seine Ernte immer auf dem Mercado Guazú, heutzutage der Plaza de la Democracia. Ihre Erfahrungen waren der Grundstein für das Funktionieren der Bar.

In der Zeit trugen die Männer zu besonderen Anlässen noch Anzüge aus Drillich. Die Häuser hatten noch keine Mauern und die Straßen waren im Bestfall gepflastert. Eine Kanalisation gab es nicht.

Die ersten Gerichte, die die Familie Knapps auf die Karte brachte waren Steaks, Schnitzel, gemischter Salat
Empanadas mit Fleischfüllung und Ei. Danach kamen die Roggenbrot-Sandwiches mit Butter und Wurst.

Zwei Jahre nach der Übernahme der Bar heiratete der 22-jährige Francisco die gleichaltrige Lidia Huber. Mit ihr wurde die Speisekarte weitaus umfangreicher. Es gab Eintöpfe, Sopa paraguaya und alle Speisen der Heimat. Als Nachtisch war neben Obstsalat auch Milchreis im Angebot. Dann summierten sich die bayerischen Weißwürste und Schweinshaxen. In den letzten Jahren kamen auch Fischgerichte auf die Karte.

Immer wenn die Züge zu spät kamen, verließen die Passagiere den Bahnhof, kamen schnell ins Restaurant und kauften etwas zum Essen. In den Fünfzigern gab es nur zwei Buslinien, deren Fahrer immer vor der Bar hielten und frühstückten. „Die Fahrer frühstückten Steak mit einer Flasche Wein, die Passagiere saßen mit ihren am gleichen Tisch“, erinnerte sich Francisco Knapps. In den Sechzigern funktionierte das Busterminal nahe dem Plaza Uruguaya, was ebenso für ein hohes Aufkommen an Gästen sorgte. Ein Besuch der Bar, in der Intellektuelle wie auch Ex-Präsidenten und Gesetzgeber stets willkommen waren, ist wie eine Zeitreise. An den Wänden kann man Fotos und Gegenstände aus den vergangenen Jahrzehnten finden.

Don Francisco, der 2015 im Alter von 88 Jahren verstarb, konnte dank seiner Verkäufe seine vier Kinder auf die Goetheschule schicken. Alle seine Nachkommen halfen in dem ältesten noch funktionierenden Restaurant Paraguays mit einer 121-jährigen Geschichte.

Wochenblatt / El Omnivoro

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