Das Aquidabán, ein schwimmender Markt zum letzten Hafen des Landes

Bahía Negra: Wenn das Schiff in Bahía Negra ankert und die Waren aus seinem Bauch ausgeladen werden beginnt ein wahres Fest in dem 800-Seelen-Ort, rund 1.000 km von Asunción entfernt.

„Das Aquidabán, Das Aquidabán!“, schreien die Kinder und rennen zum Fluss um das wohl bekannteste Schiff des Landes erneut zu sehen. Jeden Freitag wiederholt sich dieses Fest, wenn neue Waren aus Concepción in Bahía Negra, Provinz Alto Paraguay eintreffen.

„Das ist unser Mercado 4“, sagt Ninfa Casco, während Helfer Kühlschränke, Fernseher, Mopeds, Ölflaschen, Mehlsäcke und Gemüse abladen.

Juan Ramón Benítez, ein Verkäufer zur See trägt eine Matratze von Bord, die 8 Tage zuvor von Adriana Chamorro bei ihm bestellt wurde. Diese kostet 800.000 Guaranies. „Seit 30 Jahren verkaufe ich in Bahía Negra. Alles wird bei mir bestellt und ein Woche später bringe ich es dann“, erklärt Don Juan, der der älteste Verkäufer auf dem Schiff ist.

Wenn nur ein bisschen Platz auf dem Schiff ist, verwandeln es die Verkäufer in einen wahren Markt. Würstchen, Mortadella, Zigaretten, Joghurt und jede Menge Bier werden dann nach Bahía Negra geschifft.

Nachdem die Fahrgäste das antike Schiff verlassen haben gehen die Einwohner an Bord und schauen sich nach Angeboten um. Für die Verkäufer beginnt nun die heiße Phase die Gewinn verspricht, denn so weit von der Zivilisation entfernt kostet alles teuer.

Nach draußen bildet sich eine lange Schlange von betuchten Konsumenten, unter ihnen auch die Matrosen der kleinen Marinebasis am Dreiländereck mit Brasilien und Bolivien.

Diese Szene wiederholt sich allerdings auch auf dem Rückweg nach Concepción, in Puerto Casado, Fuerte Olimpo, Vallemí, und jedem anderen kleinen Hafen den das Aquidabán vom Rio Paraguay ansteuert.

Die Verkäufer werden schon mal laut wenn einer der Kunden sich nicht schnell genug entscheidet. Ihnen bleiben nur wenige Stunden um alles abzusetzen, schließlich wollen sie ja nicht halbbeladen zurückkehren. „Wir wissen dass die Zeit gegen uns läuft“, sagt eine Verkäuferin.

„Dies ist die einzige Quelle für Obst und Gemüse in dem Ort“, erklärt Teresa García, die sich nebenbei die Preise für diese erzählen lässt. „Eine Paprikaschote kostet 5.000 Guaranies, das Kilogramm Tomaten oder auch Möhren 10.000 Guaranies, Zwiebeln nur 6.000 Guaranies pro Kg. Avocados kosten 2.000 Guaranies das Stück“, sagte die Verkäuferin in schnellem Ton. Wenn wir bezahlt haben, werden wir freundlich gebeten das Boot zu verlassen, sagte Teresa.

Édgar Rodríguez erklärt, dass er mit seinem Moped zurück nach Concepción fährt, wo er eigentlich wohnt. Er zahlt 120.000 Guaranies für die viertägige Überfahrt, das Moped kostet 80.000 Guaranies extra. „Ich arbeite auf einer Estancia in der Nähe von Bahía Negra, verdiene gut“, kommentiert Rodríguez.

Das Boot verlässt noch am Freitag den Hafen von Bahía Negra und kommt vier Tage später in Concepción an. Man kann sich auf Bänke setzen, einige hängen Hängematten auf und es gibt auch kleine Zimmerchen die aber 220.000 Guaranies kosten und reserviert werden müssen“, erklärt Juan Peralta, der erwartet einer dieser beziehen zu können.

Carlos Ayala, ein anderer Verkäufer an Bord erklärt dass auch an Bord geraubt werde. Aufpassen ist alles.

Das Boot aus Holz bereist schon seit über 30 Jahren den Rio Paraguay.

Juan Benítez, der älteste Verkäufer an Bord erklärt, dass die Eigentümer dieses Schiffes ein weiteres bauen lassen welches aus Stahl ist. „Früher gab es auch andere Schiffe, die meisten von ihnen waren undicht wegen fehlender Wartung, erzählt Carmen Leticia.

(Wochenblatt / La Nación / Fotos: Jan Päßler)

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