Der letzte Pfiff: Eine Lebensgeschichte am Bahngleis

Asunción: Es gibt Geschichten, die man nicht nur erzählt, sondern in der Seele spürt. Geschichten, die zwischen dem Pfeifen einer Lokomotive und dem metallischen Echo der Schienen entstanden sind. Das Leben von Don Mario Páez ist eine davon: Er wuchs mit der Bahn auf und fand in ihr nicht nur Arbeit, sondern eine Familie und einen Lebenssinn.

Seine Reise begann auf den Schienen, die einst Fortschritt und Leben in das ganze Land brachten – und deren letzter Abschied noch immer in seinem Herzen nachhallt.

„Ich fing mit 10 Jahren als Bote an, wurde später Telegrafist, als die Nachrichten noch im Morsecode eintrafen, und stieg schließlich bis zum Bahnhofsvorsteher auf“, erzählte der Mann, der 38 Jahre lang bei der Eisenbahn arbeitete.

Mit großer Wehmut erinnert er sich an das Pfeifen der Lok. „Mir fiel die Aufgabe zu, den letzten Passagierzug zu verabschieden. Dieses Pfeifen, als er sich entfernte, werde ich nie vergessen. Es wirkte, als würde die Maschine selbst spüren, dass sie Lebewohl sagt“, berichtete er.

„Ich habe so viele Anekdoten zu erzählen… ich erinnere mich, wie wir im Morgengrauen hörten, dass der Zug anrollte. Dann machten wir uns mit der Taschenlampe auf den Weg, um die Betrunkenen zu wecken, die auf den Gleisen eingeschlafen waren. Einmal verfolgte uns einer mit dem Machete, weil wir ihn geweckt hatten“, erinnerte er sich lachend.

An eine andere Begebenheit erinnert er sich ebenfalls: „Einmal starb ein Mann auf den Gleisen. Mein Kollege erzählte mir, er habe nachgesehen und festgestellt, dass der Mann lauter Goldzähne hatte. Er nahm sie an sich und versteckte sie am Gleisrand. Am nächsten Tag waren wir glücklich, weil wir uns schon reich glaubten. Doch als wir das Gold suchen gingen, war nichts mehr da“, erzählte Páez weiter.

Ebenso erinnerte er sich abschließend daran, dass der Zug an Regentagen der “Retter“ war: „Der Bahnhof war dann überfüllt, weil es das einzige Mittel war, um in die abgelegenen Orte zu gelangen, wenn die Straßen gesperrt waren. Manchmal verkauften wir 200 Fahrkarten auf einmal – das war das goldene Zeitalter.“

Wochenblatt / Cronica

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