Asunción: Die Gastronomie hat sich in Paraguay als einer der dynamischsten Sektoren des städtischen Konsums gefestigt. Getrieben wird dies von einer Mittelschicht, die das Ausgehen zunehmend schätzt – und das trotz knapper Margen, hoher Informalität und einem sich wandelnden Konsumverhalten.
Oliver Gayet, Präsident der Vereinigung der Restaurants von Paraguay (Arpy) und Branchenexperte mit über 30 Jahren Erfahrung, teilt seine Vision über die Rentabilität und das Potenzial des Landes.
– Hat sich das Ausgabeverhalten der Paraguayer geändert oder sind sie nur wählerischer geworden?
Es gibt einen großen Wandel. Die Restaurants haben sich modernisiert und die Paraguayer haben gelernt, Produkte zu konsumieren, an die sie früher nicht gewöhnt waren. Heute gibt man jedoch weniger pro Person aus; das Durchschnittsticket ist niedriger. Die Leute gehen zwar weiterhin aus, aber sie achten viel mehr auf ihren Geldbeutel.
– Was ist heute das Haupthindernis für die Rentabilität eines Restaurants?
Ein Restaurant gewinnt schnell an Ruhm; innerhalb von drei Jahren weiß man, ob es funktioniert. Es fängt im Allgemeinen erst ab dem fünften Jahr an, wirklich rentabel zu sein. Davor heißt es: Durchhalten. Die Margen sind immer sehr eng. Wir verkaufen Dienstleistungen, keine Industrieprodukte, was das Gleichgewicht fragil macht. Zudem ist die Informalität in der Branche ein sensibles Thema. Wer sich um offizielle Standards und Formalisierung bemüht, ist oft im Nachteil gegenüber billigeren, informellen Anbietern.
– Welches Szenario prognostizieren Sie für die paraguayische Gastronomie?
Ich glaube, dass Paraguay ein gastronomisches Tourismuszentrum werden kann. Wir haben sehr interessante einheimische Gerichte. Die Vori-Vori wurde beispielsweise zur besten Suppe der Welt gekürt. Wir müssen stolz auf unsere Identität sein, diese Gerichte in die Speisekarten aufnehmen und gemeinsam – öffentlicher und privater Sektor – daran arbeiten, Touristen anzulocken, die kommen, um zu genießen.
– Welchen Rat geben Sie jemandem, der heute ein Restaurant eröffnen möchte?
Das Wichtigste ist der Standort und zweitens die Zielgruppe. Wenn man da scheitert, wird es schwer. Ein Restaurant braucht eine “Seele“. Und ein Fehler, den ich nicht wiederholen würde: Unterschätzen Sie niemals die Parkplätze. Wenn die Leute keinen Platz zum Parken finden, kommen sie oft gar nicht erst rein.
– Warum hat die paraguayische Gastronomie international an Prestige gewonnen?
Die Qualität hat sich stark verbessert, vor allem bei den Rohstoffen. Wir arbeiten heute zum Beispiel mit Fleisch der Spitzenklasse. Zudem hat die Arpy stark in die Ausbildung in den Bereichen Hygiene und Service investiert.
Wochenblatt / La Nación / Beitragsbild Archiv














