Die Armen gehen ins Gefängnis

Eine Studie des Soziologen Luis Galeano Monti hat untersucht aus welchen Stadtteilen von Asunción die Insassen der Gefängnisse des Landes kommen. Das Ergebnis lautet: Die armen Stadtteile, darunter Ricardo Brugada, Barrio Obrero, Santisima Trinidad, Bañado, Tacumbù, Sajonia, Roberto L. Petit, Santa Ana, San Pablo y Villa Aurelia.

Die Studie stand im Mittelpunkt eines Seminars mit dem Titel „Erstes Seminar über die Kriminalisierung der Armut in Paraguay: Analyse und Reflektion aus der Sicht der Menschenrechte“ (Primer Seminario de Criminalización de la Pobreza en Paraguay: Análisis y Reflexión desde los Derechos Humanos), bei dem sich Strafrechtler und Sozialwissenschaftler mit dem Zusammenhang von Armut und Kriminalität auseinandersetzten.

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Bei dem Treffen erzählen zwei Frauen aus dem Stadtteil Bañado Sur über den Alltag als Mütter im Kampf gegen Drogen und ihre Sicht auf die Diskriminierung im Justiz-System. Bei der anschließenden Fragerunde hält eine Anwältin entgegen: „Ich bin nicht einverstanden, wenn hier versucht wird, die Kriminalität durch Armut zu rechtfertigen“. Ein schwieriges Thema.

Eine Zählung aus dem Dezember 2014 meldet 11.001 Insassen in den 16 Strafanstalten des Landes, seit 2010 sind 1.200 Häftlinge dazu gekommen. Die wenigen Studien, die es gibt, zeigen einen Zusammenhang zwischen Armut und Inhaftierung auf, nicht unbedingt aber zwischen Armut und Kriminalität oder Armut und Verurteilung. Die letztgenannten Vergleiche sind schwierig, da in einem korrupten Justizsystem Freiheit erkauft werden kann und eine große Anzahl der Gefängnispopulation unverurteilt auf einen Prozess wartet.

Nach der viel kritisierten Volkszählung aus 2014 wohnen 6.780.504 Menschen in Paraguay, davon sind 1.530.381 arm und 710.173 sehr arm, leiden also Hunger. Die extreme Armut nahm in den vergangenen beiden Jahren, trotz vieler Anstrengungen der Regierung, zu. Aus den Studien folgt also, dass eine Senkung der Armutsrate die bestrafte Kriminalität verringern kann.

Die häufigsten Delikte bei Jugendlichen sind schwerer Diebstahl (15%), schwerer Raub (15%) und Drogenvergehen (7%). Die Jugendkriminalität hat zugenommen. Im laufenden Jahr wurden bereits 206 Jugendliche inhaftiert, im gesamten letzten Jahr waren es 93. Hier stellen sich die Experten die Frage: Vorbeugen oder Heilen? Die 30 Zentren für Drogenrehabilitation wurden als zu wenig kritisiert. Während für den Gefängnisbetrieb 12 Millionen USD zur Verfügung stehen, liegt das Budget für die Vorbeugung und Therapierung von Süchten bei 2 Millionen USD.

Quelle: Paraguay.com

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