Guido Boggiani, der Seelenräuber

Asunción: Vor vielen Jahren, als die Fotografie noch in den Anfängen lag, sagte man dass Fotos Seelen rauben würden. Ein italienischer Fotograf, der in Paraguay unterwegs war, musste dies teuer bezahlen.

Geboren 1861 in Novara, Piemont und an der Kunstakademie von Mailand ausgebildet, brachte Boggiani eine Studie über Indigene nach Paraguay, speziell in den Chaco. Als einer der ersten hatte er immer eine magische Maschine dabei, die, wie es hieß, den Wille und die Seele der Abgelichteten raubte. Mit 40 Jahren wurde er von Indigenen im Chaco ermordet.

Zwischen 1888 und 1902 unternahm Boggiani drei Expeditionen in den Chaco, wo er Kontakt zu den Ethnien Angaites, Leguas, Sanapanás, Caduveos, Tobas, Payaguás, Bororo und Chamacocos hatte. Über die ersten beiden Expeditionen veröffentlichte er Bücher mit insgesamt mehr als 500 Fotografien. Diese waren es, die ihn in Paraguay aber auch in Europa bekannt machten.

Boggiani war zudem Zoologe und nahm auf einer Reise zurück nach Europa eine Sammlung von exotischen Insekten mit. Sein Ruf als Fotograf bekam er wegen seinen ethnologischen Fotografien im Chaco. Viele Mitbringsel aus dem Chaco, von Indigenen, nahm er mit nach Italien und verkaufte sie da einem Museum.

Obwohl er an der Kunstakademie Mailand ausgebildet wurde als Sohn eines Malers, erinnert sich keiner an seine Gemälde. Der französische Autor Eric Courthes schrieb 2017 ein Buch über Boggiani mit dem Titel “Ich, Guido Boggiani, der weiße Indigene“. Im Buch wird er als bisexuell beschrieben. Er soll eine amouröse Beziehung zu einer 17-jährigen Chamacoco gehabt haben.

Über seinen Tod weiß man Folgendes. Am 24. Oktober 1901 brach er zu seiner letzten Expedition auf. Nach Monaten ohne Korrespondenz schickte die italienische Gemeinschaft in Paraguay einen Suchtrupp. Seine und die Überreste seines Aufpassers fand man am 20. Oktober 1904. Sein Schädel war eingeschlagen und abgetrennt vom Körper. Sein Fotoapparat war neben ihnen eingegraben. Die Leichen nicht.
Boggiani studierte die Indigenen während er mit ihnen zusammenlebte. In seinen Werken und bei einer seiner Reisen zurück nach Europa erklärte er, dass die Indigenen glaubten, dass man mit einem Foto jemand den Wille oder die Seele raubt – so als wäre man vom Fotograf gelenkt. Die Indigenen standen der Technik zweifelnd gegenüber, dachten dies würde Krankheiten und schlechte Sachen mit sich bringen. Aus diesem Grund glaubt man auch, dass er wegen der Fotografien ermordet wurde.

Wochenblatt / Abc Color

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