La Rural Versicherung

In Paraguay existieren laut einer Aufstellung der Zentralbank 35 Versicherungen. Eine der ältesten ist La Rural S.A. de Seguros, die 1920 von Argentiniern und Japanern gegründet wurde.

Das Wochenblatt hatte die Gelegenheit, die amtierende Präsidentin des Versicherungshauses, Cristina Matsumiya de Tanaka, zu interviewen. Das Interview fand am 16.07. in der 2012 neu errichteten Zentrale des Unternehmens in Asunción statt und wurde vom Interviewer aus dem Spanischen übertragen.

Wochenblatt: Frau Tanaka, Sie sind seit 2010 an der Spitze von La Rural. Wie funktioniert das als Ausländerin und Frau in einer Gesellschaft, die oft als Macho-Gesellschaft bezeichnet wird?

Tanaka: Nun ja, Ausländerin nicht unbedingt. Ich bin in Paraguay geboren, meine Eltern kamen aus Japan hierher. Gefühlt lebe ich zwischen den Kulturen, nicht wirklich Paraguayerin, aber auch nicht  Japanerin. Es ist wirklich nicht einfach für Frauen in Führungspositionen in Südamerika, in ganz Paraguay gibt es nur drei Frauen als Vorstandvorsitzende einer Versicherung. Die Leitung von La Rural habe ich von meinem Vater übernommen, der sich 2010 in den Aufsichtsrat zurückgezogen hat. Die Leute respektieren mich wegen meiner Erfahrung, ich arbeite seit 32 Jahren in der Branche in verschiedenen Versicherungen, nicht nur in Paraguay. Verglichen mit Japan ist es in Paraguay allerdings als Frau viel einfacher (lacht).

Wochenblatt: Auf der Expo Alemania im Mai legte Ihr Unternehmen Flyer in deutscher Sprache aus, die von deutschen Geschäftsbeziehungen sprachen. Was hat es damit auf sich?

Tanaka: Zum einen arbeiten wir im Bereich der Rückversicherung eng mit deutschen Firmen zusammen. Etwa 60% unseres Portfolios sind über die Hannover Rück abgesichert, mindestens einmal im Jahr fliege ich nach Hannover oder die Geschäftspartner kommen uns hier besuchen. Eine weitere Absicherung haben wir über die GenRe aus Köln, die seit 1998 zum Konzern Berkshire Hathaway von Warren Buffet gehört, wir arbeiten aber schon länger zusammen. Zum anderen haben wir für paraguayische Verhältnisse einen überdurchschnittlich großen Anteil von ausländischen Versicherungsnehmern, darunter auch viele Deutsche. Wir unterhalten unter anderem Vertretungen in den deutschsprachigen Kolonien, ich weiß, das ist eine besondere Form des Deutschen, Loma Plata, Campo 9 und Friesland. Für die Übersetzung des Flyers, den sie ansprachen, gilt übrigens mein Dank besonders Frau Dr. Kerstin Teicher, die ja auch für Ihre Zeitung schreibt.

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Wochenblatt: Den Dank richten wir gerne aus. Bieten sie auch Kundenbetreuung in deutscher oder vielleicht in englischer Sprache?

Tanaka: Nicht offiziell, aber in Loma Plata haben wir einen deutsch sprechenden Mitarbeiter und vier der Kollegen sprechen Englisch. In der Praxis haben wir die Kommunikation bisher immer gewährleisten können.

Wochenblatt: Die Zeitung 5días berichtete in dieser Woche von 100 Millionen US-Dollar, die der Staat für Versicherungsdienstleistungen ausgibt. In der Liste der „Begünstigten“ tauchte La Rural nicht auf.

Tanaka: Über 95% unserer Kunden kommen aus dem privaten Umfeld, sprich Firmen und Privatleute. Wir haben uns als Unternehmen gegen eine Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen entschieden, da dies bestimmte Geschäftspraktiken erfordert, die wir nicht zu unserem Repertoire zählen möchten.

Wochenblatt: Verstanden. An der Asuncioner Börse ist eine Firma namens namens „Casa Rural S.A.“ gelistet, besteht hier eine Verbindung?

Tanaka: Nein, wir sind zwar Aktiengesellschaft aber nicht im öffentlichen Handel. Zu Casa Rural gibt es keine Beziehung. Es gab auch einmal eine Financiera mit dem Namen „La Rural“, auch hier gab es keinerlei Verflechtungen.

Wochenblatt: Auf ihrer Webseite sind die Bilanzen von 2012 und 2013 veröffentlicht, ein Vergleich zeigt eine Abnahme fast aller operativen Zahlen, was ist der Grund hierfür?

Tanaka: Das stimmt, auch in 2014 ging es leicht nach unten. Wir haben mit einem Vermittler (Broker) zusammen gearbeitet, der uns eine Reihe fauler Policen ins Haus gebracht hat. Die Konsolidierung hat uns zwei Jahre gekostet, gleichzeitig verbilligten sich auch im ganzen Markt die Preise. Inzwischen ist das überstanden und in 2015 gehen wir wieder von 15% Wachstum aus.

Die Bilanz von 2014 ist noch nicht auf der Webseite (überreicht ein gedrucktes Exemplar), das müssen wir noch tun. Ich weiß, die Webseite ist ein bisschen vernachlässigt.

Wochenblatt: Wissen Sie, neben der Arbeit beim Wochenblatt entwickle ich Software-Systeme und auch Webseiten (grinst breit und überreicht die Visitenkarte seiner Software-Firma). Falls Hilfe bei einer Überarbeitung und Übersetzung in verschiedene Sprachen benötigt wird, sind wir gern zu Diensten.

Tanaka: Gerne, nächste Woche beginnt ein neuer IT-Leiter, die Information gebe ich gerne weiter.

Wochenblatt: Was können unsere Leser bei Ihnen versichern lassen?

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Tanaka: Wir haben Standardprodukte in den Bereichen Leben, Brand, Transport, Unfall, Auto, Diebstahl, Glas, Betriebsrisiko, Flugverkehr und Maschinen. Eine große Anzahl unserer Policen stellen wir allerdings individuell zusammen, falls jemand zum Beispiel eine Bäckerei eröffnet analysieren wir den Einzelfall und sprechen Empfehlungen gemäß dem vorgefundenen Risiko aus.

Wir sind ständig innovativ, so verfügen wir in der Auto-Sparte über eine Software, mit der die Kunden kontinuierlich den Stand von Reparaturen verfolgen können. Wir haben drei Mitarbeiter, die alle ein bis zwei Tage die Vertragswerkstätten besuchen und den Reparaturverlauf inklusive Fotos dokumentieren. Die Kunden werden per E-Mail oder SMS auf dem Laufenden gehalten und können online mit ihrem Kennzeichen und einem Passwort die gesamte Dokumentation verfolgen.

Wochenblatt: Kunden, die weit weg von der Werkstatt wohnen ersparen sich so den langen Weg nur um eventuell zu hören: „Der Wagen wird morgen (mañana) fertig“.

Tanaka: Genau. Wir bieten übrigens auch als eins der wenigen Unternehmen in der Branche Policen, bei denen im Reparaturfall ein Ersatzfahrzeug gestellt wird.

Wochenblatt: Sehr interessant. Wir danken für das Gespräch.

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