Emboscada: Wer glaubt, dass das Gefängnis ein Ort der Bestrafung ist, der war wohl noch nie Insasse mit den richtigen Connections in Paraguay. Die Polizei hat nun offiziell bestätigt, was man sich schon lange dachte: Im Gefängnis von Emboscada gibt es sie tatsächlich – die allseits geliebte „VIP-Zelle“. Und das Beste daran? Sie befindet sich in einem offiziell noch gar nicht freigegebenen Trakt!
Während normale Bürger bei kleinsten Vergehen die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen, machen es sich hochkarätige Schwerverbrecher, mutmaßliche Drogenbosse und Clan-Größen in ihrem „inoffiziellen Luxus-Sektor“ gemütlich. Statt in den eisigen Gitterstäben der Hochsicherheitsschiene zu schmoren, residiert das Who-is-Who des organisierten Verbrechens – darunter der umstrittene Pastor José Insfrán und diverse mutmaßliche Kartell-Größen – umgeben von Ventilatoren, Küchengeräten, Musikanlagen und Zigaretten. Ein echter Club Med hinter Gittern, während die Behörden überrascht tun und von „korrupten Wärtern“ und „Systemversagen“ stammeln.
Das Ganze fliegt natürlich erst auf, nachdem ein paar Insassen kurzerhand beschlossen hatten, dem gemütlichen Knastleben durch eine nächtliche Flucht zu entkommen. Kein Wunder: Wenn Gefängnistrakte wie ein drehfreudiges Hotel geführt werden, in dem man nach Lust und Laune verschoben wird und das Schlimmste, was einem droht, eine gemütliche Razzia mit Kaffeepause ist, braucht man sich über schwindendes Vertrauen in den Rechtsstaat wahrlich nicht mehr zu wundern. In Paraguay baut man eben keine Hochsicherheitstrakte, sondern Fünf-Sterne-Resorts für die Schattenwirtschaft.
Wochenblatt / Última Hora















