Paraguay: Die „Phantom-Steuer“ und die verborgenen Kosten hinter den niedrigen Steuersätzen

Asunción: Im Allgemeinen wird Paraguay als ein Land mit einer niedrigen Steuerlast geschätzt. In Wirklichkeit zahlen jedoch viele Haushalte und Unternehmen eine zusätzliche Rechnung: Sie müssen aus eigener Tasche für das aufkommen, was der Staat aufgrund mangelhafter Infrastruktur, Defiziten in Gesundheit und Bildung sowie Korruption nicht bereitstellt – eine Belastung, die letztlich wie eine unsichtbare „Steuer“ wirkt.

Das Image eines Landes mit geringer Steuerlast ist einer der Hauptgründe, warum Paraguay für regionale Investitionen attraktiv ist. Das Bild niedriger Steuern mit der 10/10/10-Regel lässt das Land im Vergleich zu anderen Staaten der Region wettbewerbsfähig erscheinen. Diese Formel besagt, dass die drei wichtigsten Steuern – die Mehrwertsteuer (IVA), die Einkommensteuer für Privatpersonen (IRP) und die Unternehmenssteuer (IRE) – jeweils einen Satz von lediglich 10 % haben.

„Phantom-Steuern sind nicht jene, die direkt am Schalter eingenommen werden, sondern solche, die den Steuerzahler als Folge ineffizienter öffentlicher Ausgaben belasten.“ – Gustavo Machado

Die Realität hinter den Zahlen

Die Idee der „Phantom-Steuer“ wird jedoch immer greifbarer. Sie taucht zwar nicht in makroökonomischen Tabellen auf, wird aber täglich außerhalb des formalen Systems gezahlt. Das liegt beispielsweise an Zeitverlusten durch Bürokratie, Reparaturkosten, aufgrund mangelhafter Versorgung privat beauftragte Dienstleistungen und Zusatzkosten, die letztlich in die Endpreise von Waren und Dienstleistungen einfließen.

Es ist wichtig zu bedenken, dass Länder sich dann entwickeln, wenn die Strategie nicht nur auf niedrigen Steuern basiert, sondern auch auf dem Schutz des Privateigentums, Rechtssicherheit, Entmonopolisierung und der Effizienz der Staatsausgaben. Diese Phantom-Steuer stützt sich auf Mechanismen, die täglich als implizite Gebühren wirken: Sie werden nicht gesetzlich festgeschrieben, stellen aber eine zusätzliche Ausgabe für den Bürger dar.

Die Kosten staatlicher Ineffizienz

Die unsichtbaren Kosten, die der Bürger tragen muss, sind oft das Ergebnis von hoher Bürokratie, staatlicher Ineffizienz, dem Verfall der Infrastruktur und der Schwächung grundlegender öffentlicher Dienste. Allen voran steht die Korruption, die die Ausgaben vervielfacht, ohne dass diese in öffentliche Güter umgemünzt werden.

Eines der deutlichsten Beispiele ist die Straßeninfrastruktur: Auch wenn die Mehrwertsteuer niedrig ist, verpufft die Ersparnis durch die „moderate“ Steuer, wenn der Transport von Personen oder Produkten von Straßen in schlechtem Zustand abhängt. Laut einer Studie der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) führt die Ineffizienz der öffentlichen Ausgaben zu einer Verschwendung von geschätzt 3,9 % des BIP – nach aktuellem Stand wären das mehr als 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Für Bürger und Unternehmen äußern sich diese zusätzlichen Kosten unter anderem durch:

Teurere Frachten: Kaputte Wege verteuern die Logistik.

Vorzeitiger Verschleiß von Fahrzeugen: Dies zwingt zu einem früheren Austausch von Ersatzteilen.

Zeitverlust: Staus, Straßensperren oder wetterbedingte Unterbrechungen (wie Sturzbäche nach Regen).

Für Wirtschaftsakteure wirken diese Kosten wie eine „Produktionssteuer“, da sie die Ausgaben für Unternehmen und Arbeitnehmer erhöhen und schließlich auf den Verbraucherpreis umgelegt werden.

Die „Doppelbesteuerung“ in Gesundheit und Bildung

Die staatlichen Mängel treffen auch elementare Dienste wie Gesundheit und Bildung. Das geschwächte öffentliche System drängt einen erheblichen Teil der Bevölkerung – insbesondere die Mittelschicht – in ein Schema der faktischen Doppelbesteuerung:

Einerseits trägt man durch Steuern zur staatlichen Finanzierung bei.

Andererseits zahlt man für private Krankenversicherungen und Privatschulen, weil der öffentliche Dienst die Bedürfnisse nicht rechtzeitig oder ausreichend abdeckt.

Diese „Extra-Ausgabe“ ist keine Option, sondern die einzige Möglichkeit, medizinische Versorgung und Bildungschancen zu garantieren. Man sieht einen Staat, der zwar „nicht verschwindet“, da er weiterhin Steuern eintreibt, aber gleichzeitig „seinen Zweck nicht erfüllt“.

Der Einfluss der Korruption auf den Geldbeutel

Ein weiterer impliziter Kostenfaktor sind Praktiken wie überhöhte Ausschreibungen, gefälschte Rechnungen und die Veruntreuung von Geldern. Das Ergebnis: Man zahlt mehr für Projekte, die eigentlich weniger kosten sollten, und erhält gleichzeitig weniger Leistung – das Geld fließt nicht in Krankenhäuser mit Medikamentenvorrat oder Schulen in gutem Zustand.

So wird Korruption zu einer informellen „Abgabe“: Sie entzieht Ressourcen und mindert gleichzeitig die Qualität der staatlichen Leistungen. Das Fazit lautet oft: „Was billig ist, kommt teuer zu stehen.“ Eine niedrige Steuerlast allein garantiert keine geringeren Lebenshaltungskosten, wenn die Bevölkerung die Kosten der staatlichen Ineffizienz selbst absorbieren muss. Anstatt nur die niedrige Steuerquote zu feiern, sollte daher die Qualität der öffentlichen Ausgaben und deren realer Einfluss auf das tägliche Leben bewertet werden.

Wochenblatt / Abc Color

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