Pest, Ehen und “kleine Reiche“

Asunción: Die Familiennamen Cartes und Bendlin wurden am letzten Feiertag zur Stadtgründung miteinander verbunden. Unsere oft betrügerischen Mitbürger mögen unwissend, übermütig und geschmacklos sein, aber sie haben einen Blick für bestimmte Dinge.

Die Hochzeit der Tochter des ehemaligen Präsidenten Horacio Cartes fand am selben Tag statt, an dem Mario Abdo Benítez zwei gefährliche Jahre als erster Präsident voll machte. Es war eine Art Übernahme des Mannes, gegen den die brasilianischen Justiz wegen Geldwäsche ermittelt.

Dass die mächtigen Familien aus Asunción sich während der Pandemie zu einer privilegierten Feier mit 250 Eingeladenen zusammenfanden ist für sie ganz normal. Für sie existiert der Kontext einfach nicht. Doch sowas sollte uns nicht überraschen, da sie sich genau so benehmen wie Bänker und Eigentümer von Städten während der großen Seuchen im Laufe der Geschichte, zumindest in Europa.

Die Medici von Florenz zum Beispiel verheirateten ihre Töchter während der Beulenpest des 14. und 15. Jahrhunderts. Sie müssen sich die Pracht der Feiern dieser neuen städtischen Oligarchien vorstellen, als in den Städten die Menschen noch starben oder verstümmelt auf den Straßen des ganzen Landes überlebten. Darüber hinaus trugen Krankheit und Tod im Umfeld der Familie Medici indirekt und zweifellos zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg bei. Das Netzwerk von geldbasierten Unternehmen konzentrierte den Wohlstand wie nie zuvor auf die italienische Halbinsel. Stadt und Handel. Wucher, Krieg, große Kunst in den bürgerlichen Palästen. Mode, Mafia, alle Chiches. Ihr Gegenstück war natürlich der Ruin kleiner Unternehmen in diesen Jahrhunderten. Es ist nicht notwendig weiter zu beschreiben, wie die Menschen lebten, während die Medici in riesigen katholischen Kathedralen heirateten, in Städten, die Sie besaßen. Das sind bis zu einem gewissen Grad Asunción und Paraguay für Cartes: seine Besitztümer.

Sogar die alte Kathedrale scheint verfügbar zu sein, wenn der “Chef“ es will. Vor ein paar Jahren wurde mir gesagt, dass Cartes, Erzbischof Edmundo Valenzuela und der Rektor der katholischen Universität, Narciso Velázquez, sich wöchentlich zum beten treffen. Ich bin mir nicht sicher, ob genau das diese drei Männer tun, wenn sie sich treffen. Auf jeden Fall hat der Fabrikant von Schmuggelzigaretten hohe Freunde in der kirchlichen Hierarchie. Ich stelle mir vielmehr vor, dass Valenzuela und Velázquez nicht zu Gott, sondern zu Cartes beten.

Andererseits rechtfertigte der Erzbischof in seiner Predigt am 15. August den jüngsten Freispruch des Priesters Silvestre Olmedo, der vor der Justiz des sexuellen Missbrauchs angeklagt wurde. Der Missbrauch wurde nachgewiesen, aber vom Gericht nicht als Missbrauch angesehen (da er nur einmal vorkam). Er prangerte auch die Existenz einer „antichristlichen, politischen und medialen Agenda“ an. Zuvor hatte er im Fall eines Priesters, der wegen Pädophilie angeklagt war, gesagt, dass „wir keine Polizisten sind“, um die Priester zu kontrollieren.

„Was sind die Reiche ohne Gerechtigkeit anderes als große Räuberbanden?“, fragte schon der heilige Augustinus in seinem umfassenden Werk „De ciuitate dei“ aus dem frühen 5. Jahrhundert. Die Kirche war damals etwas mehr als 400 Jahre alt und der Katholizismus war seit zwei Jahrhunderten auf dem Höhepunkt der westlichen Macht.

Zweitausend Jahre später kann der augustinische Ausdruck auf die „Reiche“ der einheimischen Kirche angewendet werden, auf diejenigen ihrer Millionärsfreunde, die sich mit ihrem Geld über die Quarantäne und Menschen lustig machen. Das Wortspiel von San Agustín hat also eine relevante Aktualität.

Wochenblatt / Kommentar Blas Britez (erschienen in Última Hora am 21.08.2020)

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5 Kommentare zu “Pest, Ehen und “kleine Reiche“

  1. Jeremia Ritter von Ochs vor dem Berg

    Nach der HBO oder Netflix Serie dessen Cover da angefuehrt wird, verdankten die Medici ihren Reichtum fast ausschliesslich dem Umstand, dass sie die Bankiers des Papstes waren. Es war wenigstens im Film ein staendiges Gerangel darum dass der Papst seine Konten bei den Medici beliess. Einer der Medici musste sogar die Nichte eines der Kardinaele heiraten die er garnicht wollte und die selber lieber Nonne geworden waere. Taete er das nicht so entzoege der Papst dann seine Konten dem Hause Medici. Der Typ dessen Nichte der Medici heiratete wurde kurz darauf selber Papst wo man dann wieder gut schlafen konnte solange der Alte auf dem Papstthron war. Als er dann verstarb so ging das Gerangel um die Papstkonten wieder von vorne los.
    Durch die Papstkonten lief der ganze Zehnte und alle Spenden und Erbgeschenke von ganz Europa, der damaligen bekannten Welt sozusagen. Wiederum genossen die Medici unbegrenzten Kredit bei anderen Banken solange sie die Papstkonten fuehrten. Es wurde da nach kraeften Summen zurechtgeschoben und fuer andere Zwecke verwendet. Ab und an liess der Papst eine Buchpruefung durchfuehren wo dann emsig Leute ermordet und Gelder aus dunklen Kanaelen zusammengekratzt wurden um die Loecher zu stopfen. Die groesste Bedrohung war es wenn der Papst drohte seine Konten einer anderen Bank anzuvertrauen.
    Die Medici waren in etwa dasselbe wie die Fugger fuer den Kaiser Oesterreichs waren und nachher von Wallenstein. Die Fugger schafften es sich aus der hohen Politik rauszuwinden und sich vom kaiserlichen Finanzgeschaeft loszusagen ohne den Kaiser auf dem Trockenen sitzen zu lassen und verwandelten ihren Reichtum in Liegenschaften. Man setzte sich als Familie zur Ruhe – bis zum heutigen Tag existieren die Fugger noch.
    Reichsmarschall von Wallenstein hatte nicht so viel Glueck. Der Kaiser wiedereinmal in Finanznot, pumpte ihn unter Zwang an (der kaiserliche Finanzier musste finanzieren unter Androhung des Todes) worauf er dafuer das Fuerstentum Friedland bekam (irgendwo in Boehmen) – der fruchtbarste Teil Europas. Von Wallenstein fuehrte damals da eine Vorzeigeoekonomie ein. Der Kaiser konnte nicht zahlen (Wallenstein finanzierte ihm den 30 jaehrigen Krieg gegen die Protestanten und Gustav Adolph) und so wurde der damals an Syphilis erkrankte Feldmarschall kurzerhand ermordet. Damit war der Kaiser seine Schulden los. DAVOR gerade graute es den Fuggern so dass sie suchten sich aus dem kaiserlichen Finanzgeschaeft irgendwie rauszuwinden bei Beibehalt ihres Reichtums.
    Wer war uebrigens Reichsmarschall zur Zeit der Reformation? „Johannes Friedrich Herzog zu Sachssen, des Heiligen Roemischen Reiches Erzmarschalh“, steht in meiner Lutherbibel von 1545. Derselbe der Luther zuflucht gewaehrte und die Reformation foerderte und die Lutherbibel drucken liess. Der Titel Reichsmarschall oder Erzmarschall war der „Vertreter des Kaisers als Fuehrer aller kaiserlichen Truppen“. Der Herzog von Sachsen war kein unbedeutender kleiner Fuerst obzwar damals der Erzmarschall Titel eher zeremoniell schon war. Immerhin des Reiches Erzmarschall laeuft zu den Protestanten ueber und gibt diesen Schutz – sicherlich nicht ein geringer Schlag gegen den Kaiser.
    Welches ist der Erzmarschall des Himmlischen Heeres? Der Erzengel Michael – deswegen heisst er ja gerade „Erzengel“, welcher auch zu gleicher Zeit der Beschuetzer Israels ist. Michael ist also der Reichsmarschall des Heeres des Himmels – Mariscal.
    Judas 1,9 „Der Erzengel Michael dagegen, als er mit dem Teufel Streit hatte und über den Leib Moses verhandelte, wagte kein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich!“.
    Daniel 10,13 „Aber der Fürst des Königreichs Persien hat mir 21 Tage lang widerstanden; und siehe, Michael, einer der vornehmsten Fürsten, ist mir zu Hilfe gekommen, so daß ich dort bei den Königen von Persien entbehrlich war.“
    Daniel 10,21 „Doch will ich dir verkünden, was in dem Buch der Wahrheit aufgezeichnet ist; und kein einziger steht mir mutig bei gegen jene als nur euer Fürst Michael.“
    Daniel 12,1 „Zu jener Zeit wird sich der große Fürst Michael erheben, der für die Kinder deines Volkes einsteht; denn es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie es noch keine gab, seitdem es Völker gibt, bis zu dieser Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk gerettet werden, jeder, der sich in dem Buch eingeschrieben findet.“
    Offenbarung 12,7 „Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen; und der Drache und seine Engel kämpften; 8 aber sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden. 9 Und so wurde der große Drache niedergeworfen, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis[Οικυμενε – Oekumene] verführt; er wurde auf die Erde hinabgeworfen, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen.“

  2. Die Worte des Augustinus sind aktueller denn je. Aber war dies jemals anders in der Menschheitsgeschichte? Sind die Menschen seit dem Zeitalter der Aufklärung besser oder schlechter geworden? Ich denke, sie sind gleich geblieben, nichts hat sich im Wesen, der Moral und im Verhalten der Menschen verändert. Lediglich das Umfeld (Wirtschaft, Technik, Wissenschaft usw.) hat sich verändert und damit die Möglichkeiten das im Menschen schlummernde Böse auszuleben, über die Stadtgrenzen hinaus – man nennt das Globalismus. Wie sagte schon Jesus: „Der Mensch ist von Grund auf böse“. Der Mensch will zwar das Gute tun (hauptsächlich aus Eigennutz) verfällt aber immer und immer wieder dem Bösen, sprich dem Teufel. Gott hat dem Menschen einen Verstand gegeben (darin unterscheidet er sich von allen anderen Kreaturen) und eine Seele um zu erkennen was Gut und was Böse ist, was Recht und was Unrecht ist. Doch was nutzt das, wenn er seinen Verstand nicht gebraucht und seine Seele immer mehr zu einer finsteren Grube verkommen läßt? Und so bleibt alles wie immer in der Menschheitsgeschichte. Nochmals Jesus dazu: „Weit und breit ist der Weg in die Hölle und viele sind es, die sich darauf bewegen. Doch schmal und mitunter beschwerlich ist der Weg in den Himmel und wenige sind es, die darauf gehen.“ Muß jeder selber wissen was er will – doch die Folgen seiner Entscheidungen muß auch jeder ganz allein tragen! Noch verdrängen viele das zu erwartende Ende ihrer falschen Weichenstellungen im Leben. Spielen sich derweil großmäulig und lästerlich auf und scharen um sich Gleichgesinnte wie das Licht die Motten anzieht. Im Verdrängen und Spotten sind sie Weltmeister doch am Ende ihrer Tage (und das kann schneller kommen als sie wollen) ist das Jammern und Heulen groß, denn „Gott läßt sich nicht spotten“. Und keiner von all den Spöttern und Zynikern und Haßpredigern, die heute noch Macht und Ansehen genießen oder den Applaus von Ihresgleichen, kann sich dann darauf berufen, daß er „das alles nicht gewußt“ hätte. Und niemand weit und breit, der am Ende seiner Tage ihm helfen könnte. Auch ein Cartes oder andere dieses Kalibers werden am Ende so klein und jämmerlich sein, daß man sie nicht mehr erkennt. Da helfen auch die „Fürbitten“ von hochgestellten Kirchenleuten nichts, denn auch diese sind nicht besser und werden am Ende vom Teufel geholt.

  3. Na, das ist echt ein mutiger Artikel. Bisher war ich der Meinung, die Redaktion des Wochenblatts sei nur dann „mutig“, wenn es um die Zensur von Kommentaren geht.

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