Reaktionen auf Klimagipfel

Gestern berichteten wir über die Eröffnungsrede von Präsident Cartes auf dem Klimagipfel (COP21) in Paris. Sein Diskurs löste Entrüstung und Zurückweisung auf breiter Front bei Umweltbefürworten aus und wurde als “politisches Marketing“ zurückgewiesen.

Das Argument, Paraguay verfüge über 18,5 Millionen Hektar Wald, was 45% der Landesfläche entspricht und für jeden Einwohner 2,9 Hektar Forst bedeute, stieß besonders auf Verwunderung.

Laut Roberto Troya, dem stellvertretenden Direktor von WWF, ist die Waldfläche Paraguays zwischen 1950 und 2004 von 9 Millionen auf 1,5 Millionen Hektar zurückgegangen, das heißt, bereits in 2004 gab es eine Differenz von 17 Millionen Hektar gegenüber der Aussage des Präsidenten. Inzwischen liege die bewaldete Fläche deutlich unter einer Million Hektar.

Zwischen Januar und Juli 2014 wurden, so Troya, täglich 34,8 Hektar gerodet, hauptsächlich in den Departamentos Concepción, Canindeyú und Amambay. Im ersten Semester des laufenden Jahres wurden 25.765 Hektar im Osten Paraguays gefällt und in der zweiten Jahreshälfte bislang 6.281 Hektar.

Theoretisch darf laut Gesetz kein Baum mehr in den östlichen Landesteilen gefällt werden, allerdings ist die Umweltschutzbehörde extrem großzügig mit Ausnahmegenehmigungen und zudem stark unterbesetzt, sodass Verstöße kaum geahndet werden können. Das Sekretariat für Umweltfragen (Seam) ist die staatliche Behörde mit der geringsten Finanzausstattung, Umweltschützer fordern seit langem die Gründung eines Umweltministeriums.

Im Westen des Landes, dem Chaco, waren der Oktober mit 73.968 Hektar Entwaldung und November mit 48.746 ha Kahlschlag die Spitzenmonate in 2014, was einem täglichen Durchschnitt von 2.000 Hektar Waldschlag entspricht. 1.769 ha davon verlor allein der Nationalpark Defensores del Chaco.

Ein weiteres Argument auf dem Klimagipfel war die Nutzung von fast 100% erneuerbarer und sauberer Energie. Lucy Aquino vom WWF Paraguay rechnet vor, diese „fast 100%“, sind genau genommen 17%, nämlich die Energiemenge, die aus den drei Wasserkraftwerken genutzt wird. 83% des Energieverbrauches entfallen auf Holz und Petroleum-Erzeugnisse. Allein die staatlichen Behörden kauften im laufenden Jahr Benzin und Öl für über 165 Millionen USD.

Die reichen Frischwasservorkommen, die in Paris hervorgehoben wurden, seien großteils kontaminiert bedauert Aquino und die Grundwasserpegel fallen in den stark besiedelten Landesteilen bedrohlich ab.

Cartes reagierte auf die Vorwürfe und nannte die Abholzungsproblematik lediglich “ein Detail“ und beschuldigte die Presse, “das Glas halbvoll“ zu sehen. Auch das Seam gab ein Schreiben heraus und unterstützte die Aussagen von Cartes; alle Zahlen seien korrekt und basierten teilweise auf Aussagen des WWF, der Paraguay in der Vergangenheit für seine Umweltpolitik lobte. Die Notiz schließt mit einer Warnung vor lokalen “Umweltschützern“, die scheinbar “Gewinn aus negativen Informationen über Paraguay ziehen und die Öffentlichkeit im Zusammenhang mit einem sensiblen Thema verwirren, welches die Regierung mit größter Verantwortung angeht.“

Quellen: Última Hora, ABC Color, 5días