Asunción: Mit 93 Jahren erreichte die paraguayische Pädagogin Lilia Piatti einen Meilenstein, den sie jahrelang verfolgt hatte: Einen Doktortitel in Erziehungswissenschaften. Piatti verteidigte ihre Dissertation am Nationalen Institut für Höhere Bildung (INAES) in Asuncion. Ihr Werdegang bedeutete jedoch mehr als nur den Erwerb eines weiteren akademischen Titels. Nach einem persönlichen Verlust und technologischen Herausforderungen verwandelte Piatti beide Erfahrungen in eine Motivation, weiterzulernen.
Von der Erfahrung zur Forschung
Piatti konzentrierte ihre Doktorarbeit auf das Lernen von Erwachsenen und digitale Technologie. Konkret untersuchte ihre Dissertation die Auswirkungen der digitalen Kluft auf erwachsene Universitätsstudenten bei der Nutzung von Videoplattformen. Das Thema wurde während der COVID-19-Pandemie persönlich, als Piatti auf Schwierigkeiten mit neuen Technologien stieß. Infolgedessen inspirierte ihre eigene Erfahrung akademische Fragen zu Technologie und Erwachsenenbildung.
Während der Pandemie belegte Piatti Sprachkurse, um geistig aktiv zu bleiben. Die Anpassung an digitale Werkzeuge stellte sie während ihres Studiums jedoch vor Herausforderungen. Diese Erfahrung wurde später zum Fundament ihrer Doktorforschung. Ihre Arbeit untersucht daher Schwierigkeiten, die entstehen können, wenn Technologie zu einem zentralen Bestandteil des Lernens wird.
Fortsetzung ihrer Ausbildung
Piatti erreichte den Doktorgrad nach dem Abschluss eines Masterstudiums in wissenschaftlicher Forschungsmethodik. Sie schloss dieses Programm im Jahr 2023 im Alter von 90 Jahren ab. Darüber hinaus setzte sie ihren akademischen Weg fort, obwohl sie während des Promovierens einen schweren persönlichen Verlust erlitt: Ihre Tochter Marta Beatriz Vazquez Piatti starb am 26. September 2025.
Der Verlust traf Piatti tief, woraufhin sie ihre Forschung für vier Monate unterbrach. Doch die Unterstützung ihrer Tutoren am INAES half ihr, zum Projekt zurückzukehren. Sie nahm ihre Nachforschungen schließlich wieder auf und schloss die für ihre Verteidigung erforderlichen Arbeiten ab, wobei sie den Prozess als eine bedeutungsvolle akademische und persönliche Reise beschrieb.
Zurück am Anfang ihrer Karriere
Piattis Verbindung zum INAES verleiht ihrer jüngsten Leistung eine ganz besondere Bedeutung. Sie begann ihre Lehrkarriere dort am 2. Januar 1975. Jahrzehnte später kehrte sie an die Institution zurück, um die höchste Stufe ihrer akademischen Ausbildung zu absolvieren. Folglich bedeutet der Doktortitel sowohl einen neuen Erfolg als auch den Schluss eines beruflichen Kreises.
Über ihren Doktortitel hinaus plant Piatti, ihr Studium durch kurze akademische Programme fortzusetzen. Sie bleibt an aktuellen Entwicklungen im Bildungswesen interessiert und möchte künstliche Intelligenz erkunden. Sie hofft auch zu verstehen, wie künstliche Intelligenz das Lernen unterstützen kann. Für Piatti bleibt fortlaufendes Lernen ein Teil ihres Lebenssinns.
Lernen ohne Altersgrenze
Piatti hat Jahrzehnte damit verbracht, in Paraguay zu unterrichten, Bücher zu schreiben und Pädagogen auszubilden. Sie hofft zudem, ihr Wissen weiterhin mit Kollegen, Studenten und Verwandten zu teilen. Ihr akademischer Weg bietet nun ein weiteres Beispiel für lebenslanges Lernen. Mit 93 Jahren hat sie gezeigt, dass Bildung in jeder Phase des Lebens fortgesetzt werden kann.
Wochenblatt / Asunción Times















