Vom Alkoholiker zum Samariter

Viele Deutsche oder Deutschstämmige sind in Paraguay schon abgestürzt, wenige haben es wieder in den normalen Alltag zurück geschafft. Einer, der vor sechs Jahren ganz unten war, ist nun wieder Teil der Gesellschaft.

Ruben Guerrero, genannt Johnny, lebt in Mbocayaty, Departement Guairá. Er stammt aus Obligado, seine Mutter ist Indigene, der Vater Deutscher.„Obligado, Asunción, der Chaco und weitere Gegenden in Paraguay waren meine Stationen nun bin ich hier hängengeblieben“, sagte Guerrero.
Vor sechs Jahren war er ganz unten. „Der Wirt vom Mangal, in Melgarejo, erteilte mir Hausverbot. Ich war schwerer Alkoholiker. Aber Freunde brachten mich aus diesem Teufelskreis zurück ins Leben“, erklärte Guerrero. Nun besitzt er einen Fahrservice und engagiert sich in mehreren Bereichen. „Ich stelle nur Frauen an. Sie sind die besseren Fahrer, halten die Autos sauber und haben mehr Einfühlungsvermögen. Alle müssen auch Deutsch lernen. Ein Teil des eingenommenen Geldes wird für karitative Zwecke verwendet“, erklärte Guerrero.

Nun fährt er Kranke, egal ob Deutsche oder Paraguayer, nach Villarrica zu Ärzten oder ins Krankenhaus. Viele Menschen spenden ihm auch Geld. „Ich habe noch viel vor. Ich will ein Areal von drei Hektar kaufen und darauf meinen Traum verwirklichen, eine Art Schiff als kleine Stadt errichten“, sagte Guerrero.

Einen Traum hat er sich schon erfüllt, er ist Präsident der Feuerwehr von Mbocayaty. „In einem deutschen Lokal traf ich Touristen und erzählte ihnen was ich so mache. Spontan spendete ein Mann für die Feuerwehr eine Rettungsschere und weitere Gebrauchsgegenstände“, betonte Guerrero. Er fügte an, viele hätten ihn ausgelacht und verspottet aber er käme seinen Zielen immer näher. „Thomas Kühr ist einer meiner Freunde. Es fehlte Geld um einen Kranken nach Asunción zu bringen, spontan gab er etwas für den Kraftstoff. Viele Deutsche aus der Kolonie Independencia haben meine Vorhaben schon unterstützt und dafür danke ich Ihnen. Es ist nicht einfach, wenn man ganz unten war wieder zurückzukehren, aber auch der Glaube hat mir viel geholfen“, sagte Guerrero. Seit sechs Jahren ist er “trocken“, das Rauchen lässt er aber nicht, vier Päckchen gehen jeden Tag drauf. Ein Laster müsse halt noch sein, aber in Zukunft solle auch dies eingeschränkt werden, betonte er. Es bleibt zu hoffen, dass seine Pläne weiterhin voran schreiten.