Vom Luxushotel für Drogenbosse zum Musterknast: Das radikale Ende der Hölle von Tacumbú

Asunción: Das Tacumbú-Gefängnis wurde 1956 mit einer Kapazität für 800 Insassen eröffnet. Im Laufe der Jahre stieg die Zahl jedoch auf durchschnittlich 4.000 Häftlinge an – eine Situation, die es zu einer der gefährlichsten Haftanstalten der Region machte. Nun wurde der Name in “Centro Nacional de Prevenidos“ (Nationales Zentrum für Untersuchungshäftlinge) geändert.

Künftig werden dort nur noch Beschuldigte ohne rechtskräftiges Urteil untergebracht, deren Zahl nach den letzten Verlegungen 1.700 nicht überschreitet.

Noch vor wenigen Jahren war das Wort Tacumbú ein Synonym für pure Gefahr. Drogenbosse, Auftragsmörder, Räuber und Diebe aller Art lebten zusammengepfercht auf engstem Raum. Durch die Korruption der Behörden hatte sich das Gefängnis im Laufe der Jahre praktisch in ein rechtsfreies Niemandsland verwandelt.

In den von der Mafia kontrollierten Trakten war alles möglich und alles käuflich. Ein Teil des Gebäudes war von den Drogenbaronen sogar in ein Luxushotel umgewandelt worden, während in anderen Bereichen geheime Labore für die Verarbeitung von Drogen aller Art eingerichtet waren.

Von Tacumbú aus begannen die Drogenbosse, Rauschgift in alle Viertel der Landeshauptstadt und in Teile des Departements Central zu verteilen – natürlich mit der Hilfe einiger Gefängniswärter, die ihre Pflichten verrieten. Viele von ihnen wurden später von der Polizei und der Anti-Drogen-Behörde (SENAD) festgenommen.

In den vergangenen Jahren hatte die kriminelle Organisation namens “Clan Rotela“ die Haftanstalt praktisch komplett übernommen. Der Anführer der Fraktion, Armando Javier Rotela Ayala, machte einen der hinteren Trakte des Gefängnisses zu seinem Hauptquartier. Von dort aus kontrollierten sie den Kleinhandel mit Crack, Kokain und Marihuana in Asunción und den umliegenden Departements. Die Situation eskalierte völlig, als diese Kriminellen in das Geschäft der Auftragsmorde einstiegen und aus dem Gefängnis heraus Morde in der Hauptstadtregion befahlen.

Die Kontrolle, die Rotela an diesem Ort ausübte, war so stark, dass selbst der Gefängnisdirektor ihn konsultieren musste, bevor er irgendeine Entscheidung traf oder anordnete. Dies zwang die Behörden zur Planung einer Großoperation, um die Kontrolle über das Gefängnis zurückzugewinnen. In den frühen Morgenstunden des 18. Dezember 2023 wurde schließlich die “Operation Veneratio“ durchgeführt. Damals stürmten rund 1.500 Einsatzkräfte von Polizei und Militär das Gefängnis und überwältigten Rotela unter Schusswaffeneinsatz. Er und seine wichtigsten Handlanger wurden in das Hochsicherheitsgefängnis von Emboscada verlegt.

Der große Wandel von Tacumbú

Seit diesem Moment konzentrierten die Behörden des Justizministeriums ihre Aufmerksamkeit auf die Rückgewinnung, Reorganisation, Reinigung und auch auf die Verbesserung der Verpflegung der Insassen. Deren Zahl wurde durch Verlegungen in neu errichtete Gefängnisse im ganzen Land drastisch reduziert.

Unter der Leitung des neuen Direktors Gustavo Ramón Ferriol Rojas wurde nun die Namensänderung von “Penitenciaría Nacional de Tacumbú“ in Centro Nacional de Prevenidos vollzogen. Von den verbliebenen 2.115 Insassen waren 891 bereits verurteilt. Davon wurden 462 bereits in das Martín-Mendoza-Gefängnis nach Emboscada gebracht; die restlichen Verurteilten werden in den kommenden Tagen verlegt. Künftig wird die Einrichtung ausschließlich Untersuchungshäftlinge ohne Urteil beherbergen.

Vor Ort hat sich praktisch alles verändert. Der Tag beginnt gegen 05:00 Uhr mit dem Frühstück in den Trakten: Ein Becher Cocido (traditioneller paraguayischer Mate-Tee) mit etwas Milch und Keksen. Um 07:00 Uhr folgen die Überprüfung und das Zählen der Insassen sowie die Kontrolle der Zellen.

Mittags gibt es das Mittagessen, das mittlerweile Rindfleisch, Hackfleisch, Huhn oder Schweinefleisch mit Reis, Nudeln oder Bohnen enthält. Das Gleiche gilt für das Abendessen. Ein wichtiger Punkt, den Direktor Ferriol erwähnte: Dank einiger Spendenaktionen konnten rund 280 Kisten Bananen organisiert werden. Ein Teil wurde frisch verteilt, doch da die Menge so groß war, wurde der Rest zu Bananenmarmelade verarbeitet, die nun nachmittags an die Insassen ausgegeben wird.

Den Häftlingen stehen drei Sportplätze zur Verfügung. Die Aktivitäten enden um 21:00 Uhr mit dem Duschen, und ab 22:00 Uhr müssen alle in ihren Zellen sein – bei absoluter Nachtruhe, wie versichert wird.

Bessere Zeiten für die “Flurgänger“

Zuvor gab es etwa 500 Insassen – die meisten von ihnen crackabhängig und wegen Diebstahls inhaftiert –, die keine Zelle hatten und in den regulären Trakten nicht geduldet wurden. Ihnen blieb keine andere Wahl, als in den Gängen herumzuwandern. Deshalb waren sie als “Pasilleros“ (Flurgänger) bekannt und lebten zusammengedrängt unter dem Haupt-Blechdach. Sie wurden ständig Opfer von Schlägen und Messerangriffen, da ihre einzige Überlebenschance darin bestand, andere Gefangene zu bestehlen. Die Pasilleros haben meist keine privaten Anwälte, sondern werden von Pflichtverteidigern betreut. Sie erhalten kaum Besuch und nutzten früher die Besuchstage aus, um Angehörige anderer Häftlinge im Hof zu bestehlen.

Heute sind diese rund 400 ehemaligen Pasilleros im Trakt untergebracht, der früher als “Rancho Alta“ bekannt war – und zwar mit völlig neuen Bedingungen. Als Belohnung dafür, dass sie den Ort sauber und ordentlich halten, sich regelmäßig die Haare schneiden und auf ihre persönliche Hygiene achten, hat die Gefängnisleitung zwei 65-Zoll-Plasmafernseher und mehrere Ventilatoren im Trakt installiert. Die meisten verbringen den Tag nun damit, Filme zu schauen. Um jedoch jede Versuchung zu vermeiden, bleiben sie an den offiziellen Besuchstagen eingeschlossen.

Psychiatrie

Derzeit beherbergt der psychiatrische Trakt 80 psychisch kranke Gefangene. Auch sie erhalten die gleichen Leistungen wie die anderen Insassen und jeden Nachmittag ihre Bananenmarmelade. Gleiches gilt für die 17 mit dem HIV-Virus infizierten Insassen, die in einem separaten Trakt untergebracht sind.

Wochenblatt / ABC Color / Beitragsbild Archiv

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