Nahverkehrszug zwischen „historischer Investition“, urbanem Einfluss und der Club-Libertad-Kontroverse

Asunción: Während die Exekutive die Stadtbahn (Tren de Cercanías) als Projekt mit urbanem und ökologischem Einfluss sowie als historische Investition mit geringsten Kosten für den Staat bewirbt, entbrennt die politische Diskussion um den Trassenbereich der Bahngleise. Im Fokus stehen dabei der Club Libertad sowie mögliche Enteignungen von Anwohnern. Diese Woche gab es erste Reibereien zwischen Polemik und Scherzen.

Die Stadtbahn scheint sich zu einem neuen zentralen Debattenthema in den Machtzirkeln zu entwickeln, da die Interessen verschiedener Sektoren auf dem Spiel stehen – insbesondere bei der Frage, was mit dem Trassenbereich geschieht. Dieser ist teils durch einfache Behausungen, aber auch durch Unternehmen, Wohngebäude und sogar das Stadion La Huerta des Club Libertad besetzt.

Die Regierung unter Präsident Santiago Peña präsentiert ein solides Projekt und bestätigte eine Vereinbarung mit dem Staatsunternehmen Etihad Rail aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Strecke soll zunächst Asunción mit Luque verbinden und später bis Ypacaraí führen. Das Hauptproblem ist der gesetzlich vorgeschriebene Schutzstreifen von 20 Metern zu jeder Seite der Gleise, der vielerorts nicht respektiert wurde.

Bei einem Treffen zwischen Vertretern der Regierung und des Parlaments am vergangenen Donnerstag kam es zu ersten Kontroversen. Der Abgeordnete Adrián „Billy“ Vaesken forderte eine klare Antwort zum Club Libertad, dessen Schirmherr der einflussreiche Ex-Präsident Horacio Cartes ist. Auf die Frage, ob das Stadion „halbiert“ oder abgerissen werde, antwortete der Fepasa-Chef Facundo Salinas, dass man vermutlich den Eingangsbereich der Tribünen ändern müsse. Bauministerin Claudia Centurión versuchte die Wogen mit Humor zu glätten: „Scherz beiseite, zum Glück berührt es die Olla Azulgrana (Stadion von Cerro Porteño) nicht.“ Man arbeite an technischen Lösungen wie der Begradigung von Kurven, um die „Gumarelos“ (Libertad-Fans) so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

„Pech für Cartes“

Senator Eduardo Nakayama gab sich nach dem Treffen unnachgiebig: „Niemand kann das Gesetz ignorieren. Wenn der Club oder Personen sich im Trassenbereich niedergelassen haben, müssen sie dort weg. Das Gemeinwohl steht über Partikularinteressen.“ Auf die Frage eines Journalisten nach dem Einfluss von Horacio Cartes antwortete er kurz: „Dann hat Horacio Cartes eben Pech gehabt.“

Während die Ministerin betont, dass die Zusammenarbeit mit den Emiraten wirtschaftliche Lösungen für die Trassenbefreiung bringen wird, äußerten andere Abgeordnete wie Celeste Amarilla Bedenken wegen der hohen Kosten (400 Mio. USD für eine kurze Strecke). Die Abgeordnete Rocío Vallejo warnte zudem davor, dass das Projekt nicht wie das gescheiterte Metrobús-Projekt enden dürfe.

Regierung fehle die Kapazität

César Ruiz Díaz, Chef des Transportunternehmerverbandes (Cetrapam), begrüßte das Projekt zwar als Ergänzung zum Busverkehr, bezweifelte jedoch offen die Fähigkeit der Regierung, ein solches Vorhaben erfolgreich in die Tat umzusetzen.

Wochenblatt / Última Hora

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