Es geht nicht nur darum, weniger zu zahlen, sondern unter einfacheren und vorhersehbareren Regeln zu operieren. Gegenüber der vielschichtigen Komplexität Brasiliens und der hohen Belastung auf Umsatz und Vermögen in Argentinien bietet Paraguay eine leichtere Steuerarchitektur, die sich positiv auf Kosten, Cashflow und langfristige Planung auswirkt.
Auch wenn man der Otto-Normalverbraucher es leid ist nach einer Rechnung mit RUC bei jedwedem Kauf gefragt zu werden, weil alles absetzbar ist, um sich die Lohnsteuer zu sparen, sind es andere Regeln, die besonders Investoren zu schätzen wissen.
In einem Kontinent, in dem das Jahr 2024 dazu zwang, Pläne neu zu berechnen und Investitionen zu bremsen, begann Paraguay durch eine statistische Anomalie herauszustechen. Während Südamerika das Jahr mit einem Rückgang der Direktinvestitionen um fast 20 % abschloss, widerstand das Land nicht nur: Es zog Kapital an. Der Bestand an Direktinvestitionen stieg auf über 10 Milliarden USD (23 % des BIP).
Brasilien wurde mit 904 Millionen USD zum Hauptinvestor (13 % der gesamten ausländischen Direktinvestitionen). Auch das argentinische Kapital überstieg die 500 Millionen USD. Der Grund liegt nicht in einem isolierten Anreiz, sondern in einer konsistenten Gleichung aus Vorhersehbarkeit und einem einfachen Steuersystem.
Die institutionelle Architektur
Luciano Antonelli (BKM | Berkemeyer) erklärt: „Brasilien und Argentinien haben Systeme von hoher Komplexität. Es sind Mehr Ebenen-Systeme, in denen Staat, Gemeinden und Provinzen Steuern verwalten. Das macht alles komplizierter.“
Brasilien: Hier überschneiden sich Bundes-, Bundesstaaten- und Gemeindesteuern (ICMS, ISS, IPI, PIS, COFINS). Dies führte jahrelang zu Belastungen und Verzerrungen in der Produktionskette.
Argentinien: Neben nationalen Steuern erheben Provinzen eine Steuer auf den Bruttoumsatz (Ingresos Brutos). Antonelli betont: „Man zahlt auf den gesamten Umsatz, nicht nur auf den Gewinn. Das erzeugt einen Kaskadeneffekt.“
Paraguay: Das Land konsolidierte seit 2020 das „Triple 10“-Schema: 10 % Körperschaftssteuer (IRE), 10 % Mehrwertsteuer (IVA) und 10 % Einkommenssteuer (IRP). Seit 2023 ist die Verwaltung in der nationalen Direktion für Steuereinnahmen (DNIT) zentralisiert, was die Vorhersehbarkeit erhöht.















