Asunción: Der ehemalige Präsident der Republik, Nicanor Duarte Frutos, hat Santiago Peña scharf kritisiert und gemahnt, dass „Hochmut die Vorstufe zum Sturz“ sei. Er führte aus, dass mittlerweile sogar der Vorsitzende der Colorado-Partei, Horacio Cartes, über die Lage der Regierung besorgt sei.
Die Kritik von führenden Köpfen und Mitgliedern der eigenen Colorado-Partei an der Regierung von Santiago Peña reißt nicht ab. Der paraguayische Botschafter in den USA, Gustavo Leite – der den Staatschef bereits mehrfach kritisierte –, legte gestern nach und behauptete, dass es unter der Regierung von Horacio Cartes „nicht einmal den Geruch von Schmiergeldern“ gegeben habe.
Hinzu kam die Forderung des cartistischen Senators Silvio „Beto“ Ovelar nach personellen Veränderungen im Kabinett. Die Präsidentschaft steckt in einer Krise, die durch den Rücktritt von Carlos Fernández Valdovinos aus dem Ministerium für Wirtschaft und Finanzen (MEF) deutlich wurde. Valdovinos war einer der einflussreichsten Männer der Regierung und jener, der aufgrund des drastischen Rückgangs der Staatseinnahmen eine „Kriegswirtschaft“ ausrufen musste.
Peña ignoriert Forderungen nach Kabinettsumbildung
Auch Nicanor Duarte Frutos sparte nicht mit Kritik und warf Peña Überheblichkeit vor, da dieser sich weigere zuzuhören. „Alle fordern Änderungen in seinem Kabinett“, so Duarte Frutos, doch der Präsident beharre auf seinem Standpunkt. Er berichtete zudem, wie Peña sogar die Bitten seines Vizepräsidenten Pedro Alliana ignoriere, den er als jemanden mit „politischem Format“ beschrieb.
„Nicht nur Nicanor, Beto oder Latorre (Raúl), sondern alle sagen es. Alliana sagt zum Präsidenten: ‚Mensch Freund, nun ändere doch mal was‘. Und was ist die Antwort des Präsidenten? ‚Alliana ist mein Freund, aber die Entscheidung treffe ich‘. Hochmut ist eben der Vorabend des Sturzes“, erklärte Duarte Frutos.
Pikanterweise wird Duarte Frutos von vielen Analysten und Parteikollegen selbst vorgeworfen, durch seine eigene Arroganz die Niederlage der Colorado-Partei bei den Wahlen 2008 verschuldet zu haben, weshalb er oft als „Marschall der Niederlage“ tituliert wird.
Cartes besorgt über Peñas Regierungsführung
Nicanor erinnerte daran, dass legitime Entscheidungen im öffentlichen Dienst und für das Gemeinwohl im Konsens getroffen werden sollten und nicht einseitig. Es sei wichtig zuzuhören, wenn die Minister einer Verwaltung unzureichende Leistungen erbringen.
„Ich kann als Präsident entscheiden, wen ich austausche, aber wenn ich das tue, muss ich auch zuhören. Wenn ein Vizepräsident mit politischem Gewicht, Erfahrung und absoluter Loyalität zur Regierung plötzlich seine Meinung äußert – darf er das dann etwa nicht?“, kritisierte er Peña.
Er berichtete von einem Treffen am gestrigen Tag mit dem Vorsitzenden der ANR (Colorado-Partei), Horacio Cartes, in dessen Residenz. Cartes habe dabei seine Besorgnis über die Regierung Peña zum Ausdruck gebracht:
„Wir sind an einem Punkt, an dem man die Wahrnehmung der gesamten Situation und der Schuldenlast noch drehen kann. Ich war gestern bei Horacio Cartes und auch er ist besorgt. Er ist der Parteipräsident und Anführer der Bewegung; er erhält alle Informationen, Forderungen und Unzufriedenheiten.“
An dem Treffen, bei dem es auch um die Vorbereitungen für die kommenden Kommunalwahlen ging, nahm zudem der Senator Antonio Barrios teil.
Nicanor kritisiert zu enge Freundschaften mit Ministern
Abschließend vertrat Nicanor die Ansicht, dass ein Präsident nicht zu eng mit seinen Ministern befreundet sein dürfe. Er müsse offen sein, doch wenn persönliche Zuneigung die Oberhand gewinne und die Versuchungen der Macht hinzukommen, verliere der Präsident seine Autorität.
„Und später kann man nicht einmal mehr dem Sekretär etwas befehlen, weil keine Distanz gewahrt wurde, die für die Erfüllung der Pflichten und die Sorgfalt im Umgang mit öffentlichen Angelegenheiten nötig ist. Der Präsident muss ein Schiedsrichter sein – ich kann nicht der Freund der Straßenbau-Lobby (vialeros) sein“, schloss er das Interview mit Radio Monumental.
Wochenblatt / Radio Monumental















