Asunción: In den letzten Stunden wurde ganz Paraguay Zeuge eines Skandals, der sich weder durch billige Diplomatie noch durch komplizenhaftes Schweigen vertuschen lässt. Der Botschafter Paraguays in den Vereinigten Staaten, Gustavo Leite (HC), hat eine Bombe platzen lassen. Diese sollte nicht nur die Regierung von Santiago Peña, sondern alle paraguayischen Haushalte empören lassen.
Mit einer Kälte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, urteilte er in einem öffentlichen Interview: „Die Kinder sind nicht dazu da, dass der Staat sie erzieht; die Kinder muss die Familie erziehen. Warum müssen wir Geld für die Kinder und die Familien ausgeben?“
Dies sind seine wortwörtlichen Aussagen. Von einem Beamten, dessen Gehalt mit dem Geld aller Paraguayer bezahlt wird. Aus Washington heraus – der Hauptstadt einer Nation, die jedes Jahr hunderte Milliarden Dollar in qualitativ hochwertige öffentliche Bildung investiert – erklärt der paraguayische Botschafter, dass die Bildung von Kindern eine überflüssige Ausgabe, ein unnötiger Luxus, fast schon eine Laune sei.
Dies ist keine bloße Meinung. Es ist ein direkter Angriff auf das grundlegendste Menschenrecht, das in der Verfassung und den von Paraguay ratifizierten internationalen Verträgen verankert ist: das Recht auf eine kostenlose, verpflichtende und qualitativ hochwertige Bildung. Es ist eine offene Verachtung gegenüber Tausenden paraguayischen Kindern, die heute Schulen ohne Dach, ohne Strom, ohne Sanitäranlagen, ohne Schulspeisung und ohne Bücher besuchen. Kinder, die ausschließlich auf den Staat angewiesen sind, weil ihre Familien oft kaum bis zum Monatsende durchkommen.
Eine elitäre Sicht fernab der Realität
Leite spricht so, als wären alle paraguayischen Familien gleich. Als hätten alle das gleiche Einkommen, den gleichen kulturellen Hintergrund und die gleichen Ressourcen, um Privatlehrer zu engagieren oder Privatschulen zu bezahlen. Er spricht wie jemand, der noch nie eine Landschule im Chaco oder im tiefsten Landesinneren gesehen hat, wo es nicht einmal Schotterpisten gibt, um die Schulen zu erreichen, oder wo Kinder wahre Kunststücke vollbringen müssen, um eine Brücke zu überqueren und nicht in den Bach zu fallen, während sie zu ihren baufälligen Klassenzimmern eilen. Orte, an denen der Schulabbruch eine tägliche Tragödie ist und wo die einzige Hoffnung auf sozialen Aufstieg genau diese öffentliche Schule ist.
Paraguay investiert gerade einmal 3,4% des BIP in Bildung. Das liegt weit unter den von der UNESCO empfohlenen 6%, die die meisten ernstzunehmenden Länder bereits überschreiten. Unsere Ergebnisse in internationalen Tests sind ein Desaster. Die Schulabbruchquote in der Sekundarstufe liegt bei über 20%.
Die Kluft zwischen Reich und Arm vergrößert sich Jahr für Jahr, gerade weil die öffentliche Bildung schwach und die private Bildung ein Privileg Weniger ist. Und die Lösung, die der Botschafter vorschlägt? Dass die Familien allein zurechtkommen sollen. Dass der Staat sich zurückzieht. Dass Kinder in Armut ohne Zukunft bleiben.
Die Gefahr des Rückzugs des Staates
Wie einfach es sich doch aus einem Diplomatenposten heraus sagt, mit Gehalt, Tagegeldern und Privilegien, die von genau jenem Staat bezahlt werden, den er für die Bildung als unnötig erachtet. Wie bequem ist es zu behaupten, Bildung sei alleinige Verantwortung der Familie, wenn man selbst bereits ausgesorgt hat.
Diese Erklärung ist nicht nur zynisch, sie ist gefährlich. Denn wenn sich der Staat aus der Bildung zurückzieht, gibt er das einzige reale Werkzeug auf, das die Schwächsten haben, um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Ohne eine starke öffentliche Bildung gibt es keine Leistungsgesellschaft, keine Chancengleichheit und kein Land. Es bleibt nur eine immer reichere Elite und eine Masse, die immer unwissender, abhängiger und leichter zu manipulieren ist. Vielleicht ist genau das seine Absicht.
Die Vereinigten Staaten, das Land, in dem Leite Paraguay vertritt, sind das genaue Gegenteil: Dort ist die staatliche Investition in Bildung Staatsräson. Kostenlose öffentliche Schulen ab dem Kindergarten, erstklassige staatliche Universitäten, massive Stipendienprogramme, mit Bundesmitteln finanzierte Forschung. Sie rühmen sich – zu Recht –, dass ihre wirtschaftliche und technologische Macht auf dieser Investition in Humankapital beruht. Und was macht unser Botschafter? Er kritisiert die Ausgaben für Kinder, während er in dem Land lebt, das am meisten für sie ausgibt.
Fazit: Kinder sind eine Investition, keine Kosten
Gustavo Leite hat unfreiwillig die Ideologie einer Elite entblößt, die Kinder aus einfachen Familien als Kostenfaktor und nicht als Investition sieht. Er hat die Verachtung derer bewiesen, die bereits alles haben und nicht wollen, dass andere etwas bekommen. Er hat klargestellt, dass Bildung für einige kein Recht ist, sondern eine lästige Ausgabe.
Aber Paraguay kann sich diesen Rückschritt nicht leisten. Kinder sind keine Ausgabe. Sie sind die einzige Garantie dafür, dass dieses Land eine Zukunft hat. Jeder Guaraní, der in eine Schule, einen Lehrer oder eine Schulspeisung investiert wird, ist ein Guaraní, der in die nationale Würde investiert wird.
Mögen diese Worte von Leite nicht in Vergessenheit geraten. Mögen sie als Alarmzeichen für den doppelzüngigen „Pro-Familie“-Diskurs dienen, mit dem man sich den Mund auswäscht, um Wählerstimmen zu fangen. Sie sollten das Volk dazu zwingen, vom Staat mehr Investitionen, mehr Transparenz und mehr Engagement für die öffentliche Bildung zu fordern.
Denn wenn heute ein Botschafter öffentlich das Recht auf Bildung für paraguayische Kinder infrage stellen kann, wird es morgen noch einfacher sein, Budgets zu kürzen, Schulen zu schließen und eine ganze Generation zum Rückschritt zu verdammen – damit sie weiterhin für die Schlechtesten stimmt, aber diesmal ohne die Fähigkeit zu unterscheiden, wenn ihnen Hoffnung, Würde und Zukunft geraubt werden.
Wochenblatt / Abc Color
















Heinz1965
Der Mann hat Recht. Der Familie nur die Produktion der Kinder zu überlassen und diese danach in staatliches Eigentum zu übernehmen halte ich für falsch. Kinder soll sich nur zulegen , wer sie sich leisten kann.
El aleman
Genau wegen solcher Ansichten gibt es Probleme in Deutschland. Kinder sind die Zukunft eines Landes.
Der Staat hat die Aufgabe eine gute Schulbildung zu ermöglichen und die Mittel dafür bereit zu stellen.
Wenn das nicht geschieht und wenn die Meinung die du geäußert hast ( Kinder soll sich nur zulegen, wer sie sich leisten kann) dann wird es genau so eine Sackgasse wie in Europa bzw. besonders in Deutschland werden.
Der Staat sollte erkennen, daß er nur wachsen kann und Bestand hat, wenn er seine Aufgabe ernst nimmt, was die Bildung der Kinder anbetrifft.
Einerseits braucht der Staat den Nachwuchs, aber andererseits wird wenig für wirklich gute Schulen getan, um die Kinder für ihre Zukunft in eine gute Ausgangsposition zu bringen.
bmwgs1150r
Wie gut die Schulen hier in Paraguay sind, kann man daran erkennen, dass jede Bedienung ohne Taschenrechner 30 mil plus 30 mil im Kopf und ohne Taschenrechner rechnen kann. (Satire aus) was einem hier in den 12 Jahren gelehrt wird ist ohne Probleme in zwei Jahren möglich, der Rest ist Zeit absitzen.
ein Leser
für all die, die nicht die Zeit aufbringen können/wollen alles durchzulesen:
Der Text kritisiert die Haltung eines paraguayischen Botschafters, der Bildung als Aufgabe der Familien sieht und staatliche Ausgaben infrage stellt. Dies wird als realitätsfern bewertet, da viele Familien keine ausreichenden Mittel haben und öffentliche Schulen oft mangelhaft sind. Bildung gilt als grundlegendes Recht. Ein Rückzug des Staates würde soziale Ungleichheit verschärfen und benachteiligte Kinder besonders treffen. Abschließend wird betont, dass Bildung eine zentrale Investition in die Zukunft und Entwicklung Paraguays ist.
Land Of Confusion
Der Text spricht erstmal von Erziehung und dann von Bildung. Grundsätzlich stimme ich dieser schiefen MAGA-Fresse zu, dass ERZIEHUNG Sache von Eltern ist. Klappt leider nicht in Paraguay.
Wenn dieser Typ meint, die Bildung müsse zu 100% von den Eltern finanziert werden, dann wächst eine neue Analphabetengeneration an, die für die Volkswirtschaft nicht zu gebrauchen ist und internationale Firmen hier schneller abziehen, als er blinzeln kann. Und wer finanziert dann eigentlich sein privilegiertes Politikerleben? Wenn Paraguay also das Bildungsniveau und die Wettbewerbsfähigkeit von Sierra Leone, Kongo oder Somalia u.ä. haben will – dann sollte man auf seine Vorschläge eingehen.
Ehrlich gesagt wundern mich solche Aussagen nicht, Menschen im Elfenbeinturm schauen oft mit sehr viel Arroganz und Abscheu auf die arbeitende Bevölkerung herab, obwohl ohne diese die sicherlich nicht es „nach oben“ geschafft hätte. Merkwürdiges Paradoxon, aber oft zu beobachten.
Im Übrigen meint ja ein Wochenblatt-Leser, dass dieser Leite ein hervorragender Botschafter der USA ist.
zardoz
Die Privilegienritter. Die sind ein eigenes Kapitel welches ich gar nicht öffne.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass wir nicht in einem Leistungssystem leben. Dafür gibt es im Staat genau so wie in der privaten Wirtschaft viel zu viele (Bullshit) Jobs, die dann auch nur über Kontakte vergeben werden. Und das sind die wirklich entscheidenden, die am besten bezahlt sind. Die Frauen schreien ja auch nur wegen diesen Jobs hier und nicht da wo wirklich gehobelt wird.
Dazu kommt noch die Immobilie. Wer die erst kaufen muss, hat sein Leben schon verplant.
Erben ist das nächste und Bildung? In einer reinen Konsumgesellschaft in der Produkte so produziert werden damit man möglichst bald wieder kaufen muss?
Bildung war auch mal die Erkenntnis, dass die Erde eine Scheibe ist. Jeder Experte in den damaligen Bildungshallen bestätigte dieses.
zardoz
Teil 2: Bei alledem brauche ich mich dannmit Erziehung an sich gar nicht mehr beschäftigen weil diese Punkte schon zu viel sind.
Lanc-Altoriany
Der tatsächliche Skandal wäre gewesen wenn Botschafter Leite das Gegenteil behauptet hätte. Ich danke ihm für diese eindeutige Verwerfung eines allesversorgenden Nanny Staates.
Mister Gaga
In zivilisierten Ländern wie innerhalb Westeuropas müssen Berufseinsteiger tatsächlich 3 Jahre lernen um Wände anzustreichen. Zugegeben, die 3-jährige Ausbildung zum Wändeanpinsler wird größtenteils von der Wirtschaft übernommen. Doch die vergeben diese anspruchsvollen Lehrstellen auch nur an diejenigen, die die aus öffentlicher Hand finanzierte Regelschule wenigstens auch abgeschlossen haben.
Das ist hier halt schon etwas anderes – zum Wände anstreichen reicht auch hiesig fast täglich 3 Stunden Schul vielleicht abgeschlossen habn. Den Rest übernehmen ja die Eltern (Bier, Feuer und Korruption vermitteln).
So bleibt für Politiker des Paragaus und insbesondere den Funktionären der Coloradopartei noch etwas mehr Steuergelder für die eigene Tasche übrig.
Dieser Gustavo Leite zeigt deutlich auf, dass in diesem Land für den Job als Botschafter der USA eben das genommen werden muss, was seine Einbildung voll und ganz von den Eltern vermittelt bekommen hat
(Bier leeren und Müll abfackeln), sowie eine speichelleckende, lakaienhafte Einfaltspinselhaltung einer korrupten, kriminellen und allmächtigen Partei unter dem Grossen Diktator Al Cartes, um diesen Posten zu besetzen. Und natürlich die obligaten Amigos in Kirch und Partei haben MUSS.
Ähnlich wie man sich die Frage der Zurechnungsfähigkeit der momentanen Regierungen USA und Israel stellen MUSS, so kann man den absurden Einschätzungen dieses Gustavo Leite getrost zweifeln.