Asunción: Ob dubiose Grundstücksverkäufe, undurchsichtige Geschäftsbeteiligungen oder Investitionen mit doppeltem Boden – das Szenario ist oft das gleiche: Plötzlich ist das Geld weg. Das Haus, das Land oder die Beteiligung, in die man sein halbes Vermögen gesteckt hat, sind plötzlich keinen Pfifferling mehr wert.
Mal sind es gefälschte Papiere, mal eine illegale Infrastruktur oder schlichtweg Luftschlösser, die als Renditeobjekte verkauft wurden. Für viele Einwanderer trifft diese Einsicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
Nicht wenige ziehen in der Hoffnung vor Gericht, ihr Recht zu erstreiten. An prominenten Beispielen lässt sich derzeit mit Spannung verfolgen, ob am Ende tatsächlich die Gerechtigkeit siegt oder ob die vielen “Rumpelstilzchen“ und “Hotzenplotze“ weiter ungehindert ihr Unwesen in den Kolonien treiben dürfen. Doch wer in Paraguay klagt, muss sich zurücklehnen können: Zeit ist hier der entscheidende Faktor – Zeit und Geld, viel Zeit, viel Geld.
Klartext aus Villarrica – Der Anwalt Dr. A.B. im Gespräch
Wir haben einen Einheimischen gefragt, was er über das falsche Spiel mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft denkt – ein Spiel, das viel zu oft Einwanderer in der Neuen Welt mit neuzugewanderten Landsleuten auf paraguayischem Boden spielen. Wir haben uns hierfür an Dr. A.B. gewandt. Der renommierte Anwalt aus Villarrica praktiziert und unterrichtet zudem Zivilrecht an der Università Catolica.
WB: „Herr Doktor, was denken Sie sich eigentlich angesichts der Flut an intraeuropäischen Prozessen in Guairá? Haben die Leute aus Übersee nichts Besseres zu tun als zu streiten? Sind sie in der Fremde verrückt geworden oder gefällt es ihnen hier einfach nicht?“
AB: „Danke, dass Sie das so direkt fragen. Es ist ein bedrückendes Spektakel, das mir sehr nahegeht. Es schmerzt mich in der Seele, diese Tragödien mitverfolgen zu müssen: Ruinierte Existenzen und gescheiterte Lebensentwürfe. Wir Paraguayer kennen das nur zu gut! Und das alles geschieht durch die unfassbare Kaltherzigkeit von Betrügern, die wie eine Heuschreckenplage über unser schon von der Geschichte schwer geschundenes Land herfallen – aber auch durch die enorme Blauäugigkeit der Betrogenen. So mischt sich bei mir zu dem Mitleid die Wut.“
WB: „Worauf richtet sich diese Wut genau?“
AB: „Paraguay ist meine geliebte Heimat, nicht das gelobte Land für Banditen! Diese Betrüger sind keine Einzeltäter, sie agieren oft wie organisierte Kriminelle. Sie glauben, hier könnten sie ungestraft ihre schmutzigen Geschäfte fortführen oder Spuren aus Europa verwischen. Nichts könnte ferner der Wahrheit liegen. Unser System hat Lücken, ja, aber wir sind dabei, sie zu schließen. Wir werden uns diese Halunken einen nach dem anderen schnappen und dann wandern sie ins Gefängnis oder werden dorthin zurückgeschickt, wo sie hergekommen sind.“
WB: „Paraguay ist also nicht das gelobte Land…“
AB: „Verstehen Sie mich nicht falsch, wir Paraguayos sind das gastfreundlichste Volk, das man sich nur vorstellen kann. Diese Gastfreundschaft aber gilt nicht für Verbrecher. Doch auch ehrliche Menschen müssen verstehen, dass hier für Vermögende zwar vieles leichter und besser ist als anderswo, aber man die spezifischen Gefahren, die sich in Paraguay präsentieren können, erstmal kennenlernen und lernen muss, damit umzugehen. Wer Ausdauer, Fleiß und Willensstärke mitbringt, wird hier zweifelsohne auch seine neue Heimat finden. Mit diesen Menschen wollen wir unseren Reichtum, unsere Natur und Kultur von Herzen gerne teilen. Diebe aber wollen wir hier nicht!“
WB: „Eine letzte Frage: Können die Betrogenen überhaupt etwas tun?“
AB: „Gewiss! Sie müssen den Betrug anzeigen und klagen, genau wie sie es in Europa tun würden. Wer aus dem Aberglauben schweigt, dass der Justitia in Paraguay nicht nur die Augen, sondern auch die Hände gebunden wären, oder aus einem Gefühl der Ohnmacht und Angst vor Racheakten, gibt den Verbrechern einen Freifahrtschein. Ein Prozess ist ein harter Kampf und kostspielig, aber wer sich nicht wehrt, hat von vornherein verloren – sein Geld, seinen Mut und seine Seele. Kämpfen Sie für Ihr Recht! Damit leisten Sie auch einen Beitrag dazu, unser Land gerechter und sicherer zu machen. Und noch eine Bitte: Glauben Sie niemandem, der Ihnen die Sterne vom Himmel verspricht.“
Ein Plädoyer für Respekt und Rechtsstaatlichkeit
Zeit und Geld sind die Währung der paraguayischen Justiz, doch das Schweigen der Opfer ist das größte Kapital der Betrüger, denn genau diese Mauer des Schweigens erlaubt ihnen, sich vor dem Auge des Gesetzes verstecken und gerechter Bestrafung zu entgehen. Wir danken Dr. A.B. für seine klaren Worte: Kriminelle, egal welcher Nationalität, haben in Paraguay nichts zu suchen. Wer betrügt, muss mit Gefängnis oder Ausweisung rechnen. Auch, aber nicht nur in diesem Kontext, ist es vor allem fuer ausländische Staatsbürger angebracht, ihre althergebrachte Egozentrik abzulegen und stattdessen besonders tiefen Respekt zu zeigen vor der Heimat und der Heimatliebe unserer Gastgeber.
Wochenblatt / Leserbrief / Um die Identität des Anwalts aufgrund eines laufenden Verfahrens zu wahren, wurde der Name durch zufällig gewählte Anfangsbuchstaben ersetzt. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig.















