Elternhaus unter Verdacht: Züchten wir uns die Mobber von morgen selbst heran?

Encarnación: Fachleute betonen, dass mangelnder Rückhalt sowie fehlende Kommunikation zu Hause aggressives Verhalten begünstigen können, und unterstreichen die Bedeutung emotionaler Begleitung.

Die Psychologin Zelideh Bogado hat sich intensiv mit einer Problematik befasst, die das Jugendalter massiv beeinflusst: Mobbing und dessen enge Verknüpfung mit dem emotionalen und familiären Kontext der jungen Menschen.

Im Interview erklärte sie, dass Jugendliche in dieser Phase – die von Veränderungen, Unsicherheiten und der Identitätssuche geprägt ist – besonders anfällig für sozialen Druck und Aggressionen durch Gleichaltrige sind. Abfällige Kommentare, ständiger Spott und Herabwürdigungen können schwerwiegende Folgen für das Selbstwertgefühl und die emotionale Entwicklung haben.

Die Expertin lieferte jedoch eine tiefere Analyse und wies darauf hin, dass hinter vielen aggressiven Verhaltensweisen oft Jugendliche stecken, die selbst mit persönlichen Konflikten kämpfen.

„Der Jugendliche, der andere angreift, trägt oft Lasten mit sich herum, mit denen er nicht umzugehen weiß. Was er erlebt oder fühlt, projiziert er am Ende auf andere,“ sagte sie.

Bogado erläuterte weiter, dass mangelnde Kommunikation im Elternhaus, fehlende Unterstützung oder auch zu wenig Qualitätszeit mit den Eltern solche Verhaltensmuster direkt beeinflussen können. In vielen Fällen finden die jungen Leute keinen Raum, um über ihre Erlebnisse zu sprechen, und kanalisieren diese Emotionen schließlich auf negative Weise.

„Wenn ein Jugendlicher sich zu Hause gehört und geborgen fühlt, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass er Empathie und Respekt gegenüber anderen entwickelt,“ fügte sie an.

Zudem betonte sie, dass es in dieser Phase nicht ausreiche, nur zu kontrollieren; es sei essenziell, Vertrauen aufzubauen: „Der Jugendliche muss sich verstanden fühlen, nicht verurteilt. Er muss wissen, dass er einen sicheren Ort hat, an dem er reden kann.“

Abschließend beharrte die Psychologin darauf, dass Mobbing-Prävention eine Gemeinschaftsaufgabe von Familie und Schule sein müsse – besonders in der Pubertät, wo emotionale Begleitung den entscheidenden Unterschied machen kann, ob ein junger Mensch sich in Gewalt verliert oder lernt, gesund mit seinen Emotionen umzugehen.

Wochenblatt / Mas Encarnación

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