Zwischen WM-Traum und politischer Realität: Mario Ferreiro rechnet mit Paraguays Elite ab

Asunción: Der Fußball funktioniert immer als Metapher – selbst um eine Erwartungshaltung aufzubauen, die in unserem Fall offensichtlich überzogen war. Das hätte man zwar voraussehen müssen, aber wir waren alle viel zu enthusiastisch. Ich habe eine ganz einfache Übung gemacht.

Auf welchem Platz der FIFA-Weltrangliste stehen eigentlich die Mannschaften in Paraguays Gruppe? Und passen Sie bei diesem Ergebnis gut auf: Die USA liegen auf Platz 16, sie sind die Nummer 16 der Welt. Die Türkei liegt auf Platz 22. Australien auf 27. Und Paraguay? Auf Platz 40.

Wir haben uns diese absoluten Grundlagen nie vor Augen geführt. Man googelt es einmal und schon hat man die Zahlen. Aber nein: Wir haben das ignoriert und gesagt: Paraguay wird die Gruppe gewinnen und möglicherweise sogar Weltmeister werden.

Das passiert uns in allen Bereichen. Wir wollen die Realität einfach nicht sehen. Dabei ist das hier absolut grundlegend.

Die Zahlen haben uns von Anfang an gezeigt, wie schwierig das Unterfangen in den USA werden würde. Und trotzdem haben wir eine Illusion verkauft, die mit so einfachen Fakten wie diesen Nummern überhaupt nicht übereinstimmt. Das passiert uns auch in anderen Bereichen. In der Wirtschaft behaupten wir, wir seien das weltweite Wunder. Aber in Wahrheit garantieren wir nicht einmal demjenigen Rechtssicherheit, der einen Kiosk in der Calle Palma eröffnen möchte. Denn der wird vielleicht erst zur Beute von Kontrolleuren, dann von Staatsanwälten und Richtern – und endet am Ende wie Ronaldinho: Betrogen und auf der Flucht aus dem Land, weil wir ihm jeden Cent abknöpfen, den er hat.

Wir glauben immer noch, wir seien der schlafende Riese, der gerade erwacht. Ein Riese in Bezug auf was? Wenn man sich die weltweiten Zahlen ansieht, sind wir in Wahrheit klein. Wir müssen schrittweise und mit viel harter Arbeit wachsen – nicht durch ein “Wunder“, sondern als Ergebnis von Arbeit und vor allem von einer institutionellen Qualität, die uns völlig fehlt. Wir haben eine erbärmliche politische Klasse, die über die Jahre verarmt und an Format verloren hat – ein kontinuierlicher Abstieg vom ersten Moment der Demokratie bis heute, mit Volksvertretern, die einem nur noch leidtun.

Wir haben heute das vielleicht schlechteste Parlament unserer Geschichte. Und trotzdem behaupten wir immer noch, wir seien der Löwe, der auf dem Kontinent brüllt, und ein Vorzeigemodell für Demokratie. In Wahrheit sind wir genau wie diese armen Jungs, die auf dem Platz verloren haben. Hoffentlich gewinnen sie das nächste Spiel, aber akzeptieren wir endlich die Realität: Wir sind die Nummer 40 der Welt. Es gibt da draußen 39 Mannschaften, die besser sind als wir.

Wochenblatt / Megacadena Mario Ferreiro

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