Asunción: Die Aufwertung des Guaraní schmälert die Margen der Projektentwickler, deren Einnahmen in Dollar fließen, deren Kosten jedoch überwiegend in der Landeswährung bezahlt werden. Vor diesem Hintergrund rechnet die Branche mit Preisanpassungen und Veränderungen in der Marktdynamik.
Die starke Aufwertung des Guaraní gegenüber dem Dollar stellt die paraguayische Immobilienbranche vor eine neue Herausforderung – und das in einem Markt, in dem Immobilien fast ausschließlich in der US-Währung gehandelt werden. Branchenvertreter erinnerten daran, dass ein Großteil der Baukosten in Guaranies beglichen wird. Durch den aktuellen Verfall des Wechselkurses werden die Rentabilitätsmargen der Entwickler zusammengedrückt, was den Sektor dazu zwingt, seine Strategien zu überdenken.
Für Gonzalo Faccas, Partner und Direktor von Eydisa, sind die Auswirkungen tiefgreifend, da die Einnahmen des Geschäfts in Dollar denominiert sind, während zwischen 70 % und 80 % der Kosten in der lokalen Währung anfallen. Seiner Ansicht nach betrifft diese Situation nicht nur die Entwickler, sondern auch den Endverbraucher.
Das Phänomen trifft den lokalen Immobilienmarkt in einer Phase starker Dynamik, die durch das Interesse ausländischer Investoren und das Wachstum bei Wohn- und Unternehmensprojekten angetrieben wird. Das neue Wechselkursszenario droht nun jedoch, die Entwicklungen zu verteuern und die Spielregeln eines Marktes zu verändern, der an Stabilität gewöhnt ist.
„Die Branche verkauft in Dollar, weil das die Sprache des Marktes ist, aber unsere Kosten fallen überwiegend in Guaraníes an. Die Aufwertung der lokalen Währung schmälert die Margen und schlägt sich letztendlich im Preis der Immobilien nieder. Heute sehen wir Projekte, die vor wenigen Monaten noch 1.500 US-Dollar pro Quadratmeter kosteten und nun bereits zwischen 2.000 und 2.200 US-Dollar liegen“, erklärte Faccas im Podcast by Forbes.
Der Unternehmer warnte zudem, dass die Wechselkursvolatilität die Unternehmen dazu zwingt, Ressourcen für finanzielle Absicherungsmechanismen aufzuwenden – eine Aufgabe, die in Paraguay bis vor kurzem keine Priorität hatte. Die Zeit, die man für den Schutz vor dem Wechselkursrisiko aufwenden müsse, fehle letztlich bei der Gewinnung von Investitionen und der Entwicklung neuer Geschäfte.
Das Problem bei den Verkäufen
Francisco Gómez, Präsident von Fortaleza S.A.E., stimmte zu, dass das Hauptproblem in der Diskrepanz zwischen Einnahmen und Kosten liegt. Viele Projekte wurden in der Vorverkaufsphase in Dollar vermarktet, aber die Ausführungskosten entwickeln sich in Guaraníes, was die realen Baukosten – gemessen in der US-Währung – erheblich in die Höhe treibt.
„Viele Entwickler haben Verpflichtungen in Dollar übernommen, mit Kosten, die heute viel mehr Dollar repräsentieren als ursprünglich geplant. Neue Projekte werden ihre Preise anpassen müssen. Das wird den Sekundärmarkt (Gebrauchtimmobilien) attraktiver machen, da Bestandsimmobilien im Vergleich zu Neubauten wettbewerbsfähigere Preise bieten können“, erklärte Gómez im Podcast by Forbes.
Der Manager geht daher von einer Neuordnung des Marktes aus: Während neue Bauvorhaben ihre Preise in Dollar erhöhen müssen, um die Rentabilität zu sichern, könnten Bestandsimmobilien von einer höheren Nachfrage profitieren und den aufgelaufenen Mehrwert für ihre Eigentümer festigen.
Für den Immobiliensektor besteht die Herausforderung nun darin, die Attraktivität Paraguays als Investitionsziel zu erhalten, ohne an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Die makroökonomische Stabilität war in den letzten Jahren einer der Hauptvorteile des Landes, doch das Verhalten des Wechselkurses zwingt die Entwickler nun dazu, neue Variablen in ihre Finanzplanung einzubeziehen.
Mit einem Dollar, der sich um die 6.000 Guaranies bewegt, steht der paraguayische Immobiliensektor vor einem beispiellosen Szenario: Die Margen zu sichern, ohne die Kosten vollständig auf den Käufer umzulegen. Das Gleichgewicht zwischen Rentabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsattraktivität wird in den kommenden Monaten eine der größten Prüfungen für die Branche sein.
Wochenblatt / Forbes Paraguay / Beitragsbild Archiv















