Unterzeichnung des ALAS-Memorandums: Ein Schritt in Richtung eines „einheitlichen südamerikanischen Himmels“

Asunción: Vertreter der Luftfahrtbranche aus Paraguay, Argentinien, Brasilien und Chile haben kürzlich die Absichtserklärung „ALAS“ unterzeichnet. Damit wird der Grundstein gelegt, um den regionalen Luftraum zu liberalisieren, was mehr Flüge, eine bessere Anbindung und niedrigere Kosten ermöglichen soll.

Mit dem im Regierungspalast unterzeichneten Pakt besiegelten die obersten Luftfahrtbehörden von Paraguay, Brasilien, Argentinien und Chile das Memorandum of Understanding ALAS (Acuerdo de Liberalización Aérea Sudamericana para el Desarrollo del Cielo Único Sudamericano). Ziel ist es, das Modell des „einheitlichen europäischen Luftraums“ nachzuahmen, um physische Barrieren im regionalen Flugverkehr abzubauen.

Den Angaben zufolge modernisiert die Initiative nicht nur die bilateralen Beziehungen, sondern richtet auch eine exekutive Arbeitsgruppe ein, die unter dem Vorsitz Paraguays durch die zivile Luftfahrtbehörde Dinac geleitet wird.

Die Geburt des „einheitlichen südamerikanischen Himmels“

Während der Eröffnungsveranstaltung bezeichnete der Leiter der nationalen Zivilluftfahrtbehörde Paraguays (Dinac), Nelson Mendoza, den Tag als „historisch“. Ziel sei es, einen wettbewerbsfähigeren, offeneren und effizienteren Markt für die kommerzielle Luftfahrt zu festigen – ohne dabei die Souveränität und die Gesetze der einzelnen Länder aus den Augen zu verlieren.

Diese Vereinbarungen führen ein System offener Routen sowie die Erweiterung der Verkehrsrechte bis zur siebten Freiheit der Luft für Passagiere und Fracht ein, was die Reiseoptionen in der Region exponentiell vervielfachen wird.

Was bedeutet das in der Praxis für die Passagiere?

Um die tatsächlichen Auswirkungen dieses Abkommens zu verdeutlichen, nannte der brasilianische Minister für Häfen und Flughäfen, Tomé Barros Monteiro da Franca, ein Beispiel für die Anwendung der neu erworbenen siebten Freiheit der Luft:

„Heute kann eine paraguayische Fluggesellschaft wie Paranair nur Routen von Paraguay nach Brasilien und umgekehrt bedienen. Mit diesem neuen Abkommen wird das paraguayische Unternehmen beispielsweise eine direkte internationale Strecke zwischen Rio de Janeiro und Buenos Aires betreiben oder Bariloche mit São Paulo verbinden können, ohne dass der Flug in Paraguay beginnen oder enden muss.“

Ebenso erhalten argentinische und brasilianische Fluggesellschaften das Recht, direkte Flüge zwischen den verschiedenen Unterzeichnerstaaten durchzuführen.

Der brasilianische Minister fügte hinzu, dass das mittelfristige Ziel der Arbeitsgruppe darin bestehe, die „neunte Freiheit“ (die höchste Freiheit der Luft) zu erreichen. Dies würde eine vollständige Kabotage ermöglichen – das bedeutet, dass eine ausländische Fluggesellschaft inländische Flüge zwischen verschiedenen Städten eines anderen südamerikanischen Landes durchführen könnte (beispielsweise eine paraguayische Fluggesellschaft auf einer Inlandsroute zwischen São Paulo und Rio de Janeiro).

Asunción als „Grundstein“ eines neuen regionalen Drehkreuzes

Auf das geopolitische Potenzial Paraguays angesprochen, betonte der Staatssekretär für Luftverkehr Argentiniens, Hernán Gómez, dass Asunción ideale Bedingungen erfülle, um sich zu einem Luftfahrt-Drehkreuz (Hub) zu entwickeln:

„Technisch gesehen verfügt die Republik Paraguay über alle Voraussetzungen für ein Drehkreuz. Wenn man die geografischen Entfernungen von Asunción nach São Paulo, Buenos Aires, Santiago de Chile oder Lima misst, wird die strategische Lage deutlich. Der Aufbau eines Hubs erfordert jedoch einen tragfähigen regulatorischen Rahmen: eine Politik des offenen Himmels (Open Skies). Dieses Memorandum ist der Grundstein dafür, dass sich Asunción im Laufe der Zeit als solches etablieren kann.“

Gómez verglich diesen Schritt mit den Grundlagen, die vor einigen Jahrzehnten in Europa geschaffen wurden, bevor das heutige Modell erreicht wurde, das nicht nur die Luftfahrt, sondern auch die Migrationsgrenzen vereinheitlicht hat.

Ohne Bürokratie und unter paraguayischer Führung

Auf die Frage nach der möglichen Schaffung einer supragovernmentalen Regulierungsbehörde stellten die Verantwortlichen klar, dass keine zusätzlichen bürokratischen Hürden aufgebaut werden sollen.

Der Präsident der Dinac, Nelson Mendoza, erinnerte daran, dass während in Argentinien, Brasilien und Chile die Aufgaben der Regulierung und des Flughafenbetriebs auf autonome Behörden aufgeteilt sind, die Dinac in Paraguay weiterhin beide Rollen wahrnimmt.

Hernán Gómez stellte klar, dass das ALAS-Team keine kostspielige Superstruktur sein wird. „Wir wollen keine bürokratischen Kommissionen schaffen, sondern gezielte Aktionen der bereits bestehenden Agenturen bündeln. Es wird eine exekutive Kommission gebildet, um den praktischen Impuls zu geben. Alle Länder haben vereinbart, dass die Führung dieser Exekutivkommission in den Händen Paraguays liegt, geleitet von der Dinac“, betonte er.

Ein Schub für Tourismus und Wirtschaft

Der brasilianische Tourismusminister Gustavo Costa Feliciano begrüßte das Abkommen und hob hervor, dass der Tourismus ein unbestreitbarer sozialer Motor sei, der rasch Arbeitsplätze schaffe und Wohlstand auf allen Ebenen verteile.

„Die Anbindung und der Passagiertransport sind Katalysatoren, die die Wirtschaft dynamisieren. Dieses Abkommen wird uns mehr Flüge, höhere Frequenzen, mehr Reiseziele und bessere Tarife bringen. Davon profitiert nicht nur der Großunternehmer im Hotelgewerbe, sondern ganz direkt auch das Zimmermädchen oder der Kellner im Restaurant“, schloss der Bewilligungsträger.

Wochenblatt / Abc Color

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