Was wurde aus dem „Puerto Madero von Asunción“, den die ANNP einem Veranstaltungsunternehmer übertrug?

Asunción: Vor zwei Jahren vergab die Nationale Verwaltung für Schifffahrt und Häfen (ANNP) das Projekt an die Gesellschaft Nuevo Mundo Entertainment SA für die Dauer von 20 Jahren – ein Vorhaben, das man als „Puerto Madero von Asunción“ bezeichnete.

Die Firma, die mit dem Veranstaltungsunternehmer Rodrigo „Coto“ Nogues verbunden ist, betreibt bereits Parkplätze und veranstaltet Events, doch die Hauptarbeiten sind noch immer nicht abgeschlossen. Die Einzelheiten lesen Sie in diesem Bericht.

Zwei Jahre seit der Vergabe – die Arbeiten dauern an

Vor zwei Jahren erteilte die ANNP unter ihrem Vorsitzenden Julio César Vera Cáceres der Nuevo Mundo Entertainment SA die Erbpacht für vier Lagerhallen im Hafen von Asunción sowie die Bewirtschaftung der Parkplätze bei den Regierungsgebäuden. Das Unternehmen war der einzige Bieter in dem Ausschreibungsverfahren, das als „strategische Handelspartnerschaft“ ausgestaltet war – mit einer Laufzeit von 20 Jahren.

Das Projekt wurde als Umgestaltung eines historischen Hafengebiets vorgestellt, das künftig unter dem Namen „Puerto Madero von Asunción“ Veranstaltungsorte, Geschäfte und Gewerbe beherbergen soll. Zwei Jahre nach der Zuschlagserteilung sind die Bauarbeiten jedoch noch immer nicht abgeschlossen; auch gibt es keine öffentlich zugänglichen Angaben dazu, welche Unternehmen die Gewerbeflächen belegen werden.

Der Vorsitzende der ANNP teilte mit, die Arbeiten schreiten voran; die vier Hallen (A, B, C und G) sollen zwischen November und Anfang Dezember fertiggestellt sein. „An allen vier Hallen wird gearbeitet, eine ist bereits fast fertig. Die größte von allen, Lagerhalle G, die für Veranstaltungen vorgesehen ist, steht kurz vor der Vollendung“, erklärte er.

Der Unternehmer und seine Partner

Hinter dem Unternehmen steht Rodrigo Luis Nogues Bazán, bekannt als „Coto“, ein Veranstaltungsunternehmer, der über seine Produktionsfirma G5Pro tätig ist. Nogues ist zugleich Präsident des Fußballvereins Club Olimpia. Unmittelbar nach Vertragsschluss schloss er über G5Pro eine Partnerschaft mit der ueno bank, die seitdem als „offizieller Förderer“ des Hafens von Asunción auftritt.

Nuevo Mundo wurde 2015 gegründet und verfügt über ein Stammkapital von 900 Millionen Guarani. Nach den Ausschreibungsbedingungen muss das Unternehmen mehr als 5 Millionen US-Dollar investieren, um die Hallen instand zu setzen und die geplanten Baumaßnahmen umzusetzen.

Verzögerungen durch unerwartete bauliche Probleme

Die ANNP begründet die Verzögerungen unter anderem mit zusätzlichen Arbeiten, die bei der ursprünglichen Planung nicht vorgesehen waren. Vera Cáceres erläuterte, dass nicht nur die vier Hallen saniert werden, sondern auch die Konstruktion unterhalb der Kaianlage.

„Unter dem Kai werden die beschädigten Deckenplatten, Träger und Pfähle instand gesetzt und verstärkt. Zugleich wird die Stahlkonstruktion der Hallen ertüchtigt, denn in der Bucht herrschen sehr starke Winde“, erklärte Vera Cáceres.

Diese Maßnahmen hätten den Zeitplan verzögert. „Das hat uns etwas zurückgeworfen – das war so nicht vorgesehen. Ohne diese zusätzlichen Arbeiten wären wir Ende Oktober / Anfang November fertig geworden“, sagte er.

Trotz der Verzögerungen verteidigte er die Entscheidung, die zusätzlichen Maßnahmen durchzuführen: „Ich nehme lieber eine Verzögerung von einem bis anderthalb Monaten in Kauf, als auf Kosten der Sicherheit zu handeln.“

Die ANNP erwartet die feierliche Eröffnung der vier Hallen noch vor Ende des Jahres 2026. „Wenn alles nach Plan läuft und keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, werden wir alle vier Hallen noch in diesem Jahr einweihen.“

Unklarheiten über Fristen und Vertragsverlängerung

Unklar bleibt, ob die vereinbarte Fertigstellungstermine eingehalten wurde. Ursprünglich war die Fertigstellung für Ende 2025 vorgesehen. Auf die Frage, ob dem Unternehmen eine Fristverlängerung gewährt wurde, konnte der ANNP-Vorsitzende keine klare Antwort geben: „Ich erinnere mich nicht genau. Ich glaube nicht.“

Er erläuterte sodann, dass die Bauzeit erst ab Genehmigung der Baupläne durch die Stadtverwaltung von Asunción zu laufen beginne – wie es im Leistungsverzeichnis und im Vertrag festgelegt sei.

Teilweise seien die Verzögerungen auch durch Genehmigungsverfahren bei der Kulturbehörde und der Stadtverwaltung entstanden. Drei der vier Hallen stehen unter Denkmalschutz; daher musste zuerst ein Sanierungskonzept bei der Kulturbehörde genehmigt und anschließend die Baupläne bei der Stadtverwaltung eingereicht werden.

Veranstaltungen laufen bereits – Einnahmen noch unklar

Obwohl die Sanierungsarbeiten noch andauern, finden in dem Gelände bereits Veranstaltungen statt. Die kommerzielle Nutzung hat also begonnen, bevor die gesamte Umgestaltung abgeschlossen ist.

Der ANNP steht nach Vertrag ein Anteil an den Einnahmen zu. „Wir haben ein berechtigtes Interesse an diesen Veranstaltungen, denn uns stehen 10 % des Umsatzes zu – und wir haben Einsicht in die Buchführung. Jede einzelne Veranstaltung wird uns vollständig und nachprüfbar gemeldet“, so Vera Cáceres.

Die Berechnung erfolgt je nach Art der Veranstaltung: Bei Eintrittskartenverkauf wird der Umsatzanteil erhoben; bei freiem Eintritt erfolgt die Berechnung nach der genutzten Fläche.

Allerdings gilt noch eine vertragliche Anlaufzeit („Gnadenfrist“), deren Ende die ANNP auf Nachfrage nicht benennen konnte. Auch darüber, welche Beträge bislang bereits eingegangen sind, liegen keine Angaben vor.

„Für diese Zeit gilt eine Befreiung von der Entgeltzahlung. Wann diese Frist endet, müsste der vertragsbegleitende Verwaltungsbereich mitteilen. Sobald sie abgelaufen ist, werden die Entgelte selbstverständlich erhoben“, erklärte Vera.

Vereinbarte Entgelte: 135.000 US-Dollar Festbetrag plus Umsatzbeteiligung

Nach dem Vertrag zahlt das Unternehmen jährlich 135.000 US-Dollar Festbetrag sowie 10 % des Umsatzes aus allen Geschäftsaktivitäten in dem Gelände. Die Entgelte sollen nach fünf Jahren überprüft werden. Bis heute ist jedoch unbekannt, welche Summen die ANNP bereits erhalten hat. Auch der vollständige Vertrag wurde bislang nicht veröffentlicht – weder im Portal der Nationalen Vergabestelle (DNCP) noch auf Anfrage im Rahmen des Informationszugangsgesetzes, obwohl zwei Jahre seit der Zuschlagserteilung vergangen sind.

Parkplätze teilweise übergeben, teilweise noch im Bau

Zum Vertragsumfang gehören nicht nur die Hallen, sondern auch die Bewirtschaftung von Parkplätzen. Ursprünglich waren mehr als 1.900 Stellplätze in den Untergeschossen der Regierungsgebäude vorgesehen – für deren Bau der Staat insgesamt 574.579 Millionen Guarani investierte. Nach öffentlicher Kritik einigte man sich schließlich auf die Bewirtschaftung von mehr als 800 Stellplätzen im Bereich des Regierungsviertels.

Vera Cáceres bestätigte, dass die Untergeschosse mit insgesamt 808 Stellplätzen für Pkw und Motorräder bereits übergeben wurden. Hingegen fehlt der Baubeginn für ein offenes Parkdeck mit weiteren 469 Stellplätzen noch immer.

Zusätzliche Arbeiten am historischen Kai

Die Sanierung des fast hundertjährigen Kais (erbaut 1927–1929) erwies sich als aufwendiger als geplant. Durch Wassereinwirkung und Schiffsanprall waren zahlreiche Pfähle, Deckenplatten und Träger beschädigt. Bereits in früheren Abschnitten mussten 78 gebrochene Pfähle und 110 Meter beschädigter Träger saniert werden – Kosten, die die ANNP trug. Auch unterhalb der sichtbaren Konstruktion bestehen weiterhin Schäden, deren Sanierung nicht im ursprünglichen Leistungsverzeichnis enthalten war.

Noch immer keine Übersicht über künftige Mieter

Welche Unternehmen und Einrichtungen die sanierten Hallen belegen werden, ist bis heute unbekannt. Banken, Geschäfte und Dienstleister waren als Konzept vorgesehen – konkrete Namen nannte die ANNP bislang nicht.

Vera Cáceres verwies auf die Vertragsfreiheit des Unternehmens: „In dieser Angelegenheit bin ich nicht zuständig. Das ist alleinige Entscheidung von Nuevo Mundo. Sie suchen die Mieter selbstständig aus.“ Erst wenn Verträge abgeschlossen sind, muss das Unternehmen der ANNP eine vollständige Liste aller Mieter und Vertragskopien vorlegen – zur Kontrolle der Umsatzbeteiligung. Da die Bauarbeiten noch andauern, bestehe diese Verpflichtung derzeit noch nicht.

Fazit

Das Versprechen, den Hafen von Asunción zu einem Zentrum für Veranstaltungen, Handel und Dienstleistungen zu entwickeln, steht weiterhin aus. Offen bleiben zudem: die Höhe bislang eingegangener Entgelte, das Ende der Anlaufzeit, eine etwaige Vertragsverlängerung sowie die Gründe für die bislang unterbliebene Veröffentlichung des vollständigen Vertragswerks.

Wochenblatt / Abc Color

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