Horqueta: Manchmal gelingt es einer Fotografie, das auszudrücken, was eine lange Rede nicht vermag. Genau das geschah mit “Wenn Beschützen Widerstand bedeutet“ (Cuando cuidar es resistir), dem Bild, das Dr. Evelina Vera Colmán auf einem Ärztekongress präsentierte.
Es hielt die bedingungslose Liebe einer Mutter fest, die mitten in einer Überschwemmung ihr Kind auf den Armen trug, um medizinische Hilfe zu suchen. Die Szene berührte Mediziner aus verschiedenen Ländern und brachte der jungen paraguayischen Fachkraft zwei internationale Preise ein.
Dieses Bild der kämpferischen Mutter reiste bis zum IX. Iberoamerikanischen Kongress für Familienmedizin, bei dem Paraguay erstmals als Gastgeber fungierte. Es trat gegen Fotografien von 35 Ärzten aus verschiedenen Ländern an und gewann schließlich zwei der höchsten Auszeichnungen: Beste medizinische Fotografie und Fotografie mit den meisten Stimmen.
Doch die junge Frau aus Horqueta kannte das Gefühl einer Auszeichnung bereits. Im Jahr 2017 wurde sie mit gerade einmal 17 Jahren zur Miss Teen Horqueta gekrönt. Neun Jahre später belohnte das Leben sie erneut – dieses Mal jedoch nicht auf einem Laufsteg, sondern für ihre Berufung zum Dienst am Menschen und für eine Fotografie, die ganz Iberoamerika bewegte.
Heute ist sie Ärztin, Spezialistin für Hochschuldidaktik und absolviert ihre Facharztausbildung in Familienmedizin, womit sie den Namen ihrer Heimatstadt in Ehren hält.
„Anfangs konnte ich es gar nicht glauben“, erinnert sich Dr. Colmán. „Es gab viele Fotografien mit sehr bewegenden Geschichten dahinter. Als ich hörte, dass mein eingereichtes Bild [Anm.: aufgenommen von Dr. Adela Gray] gewonnen hatte, empfand ich Stolz und die Freude über eine erfüllte Pflicht. Mein Ziel war nie ein persönlicher Erfolg; ich wollte die ungeschminkte Realität zeigen, in der wir täglich leben und arbeiten, und gleichzeitig den unermüdlichen Kampf und die Liebe einer Mutter widerspiegeln“, fügte sie gegenüber Journalisten weiter an.

Niemand stellte Fragen. Niemand kommentierte das Bild. Es herrschte nur Stille. Bis einer der Preisrichter den Moment mit einem Satz brach, der ihr noch immer Gänsehaut bereitet: „Bilder sagen mehr als Worte.“
Hinter diesem Foto steckt nicht nur das Leiden einer Familie. Es ist auch die Geschichte einer Ärztin, die diese Tragödie von innen heraus miterlebt hat: „Ich war selbst Teil dieser Szene. Als unser Krankenhaus während der Überschwemmungen im Dezember 2025 unter Wasser stand, waren wir ebenfalls vor Ort. Die Fotografie spiegelt nur einen kleinen Teil von allem wider, was wir an diesem Tag durchgemacht haben“, erzählt sie.
Medizin ist der humanste Beruf überhaupt
Dr. Colmán ist davon überzeugt, dass hinter jeder Diagnose ein Mensch steht. „Wir können Emotionen nicht von der Pflicht trennen, und das sollten wir auch gar nicht. Das Einzige, was wir lernen, ist, sie zu kontrollieren. Ein Arzt ohne Gefühle kann nicht mit Menschen arbeiten, weil ihm die Menschlichkeit fehlen würde. Und die Medizin ist der humanste Beruf, den es gibt“, reflektiert sie.
Jedes Mal, wenn sie das Bild erneut betrachtet, kommen die Emotionen wieder hoch.
„Es erfüllt mich mit großer Traurigkeit, weil es die Realität widerspiegelt, in der wir Paraguayer leben. Es zeigt auch den Kampf der Ärzte, die oft unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten und Männchen machen müssen, damit die Versorgung jeden erreicht. Aber gleichzeitig erfüllt es mich mit enormer Bewunderung für diese Mutter. Trotz aller Hindernisse war ihre einzige Priorität ihr Kind“, drückte sie abschließend noch aus.
Wochenblatt / Cronica















