Yegros: In Yegros (Departement Caazapá) gehört die handwerkliche Herstellung von Likören zu einer lebendigen Identität, die im Tourismus eine Chance zur Weiterentwicklung findet. Die als “Stadt des Likörs“ bekannte Ortschaft bringt Erzeuger zusammen, die traditionelles Wissen und Techniken bewahren und gleichzeitig neue Geschmacksrichtungen und Ideen einbringen.
Unter ihnen ist Elizabeth Báez Vargas, eine 45-jährige Unternehmerin, die sich seit fast vier Jahren kontinuierlich der Herstellung handwerklicher Liköre widmet. In ihrem Zuhause stellt sie derzeit rund 75 Sorten her und hat sich zum Ziel gesetzt, die Marke von 100 Sorten zu erreichen.
Ihr Unternehmen entstand während der Pandemie nach ihrer Rückkehr nach Yegros, nachdem sie 19 Jahre lang in San Lorenzo gelebt hatte. Zu Beginn hatte sie sich in anderen Bereichen versucht, wie der Pflanzenzucht und dem Kunsthandwerk. Die Notwendigkeit, Produkte für den Verkauf auf ihren Reisen nach Asunción zu haben, führte sie jedoch zurück in die Welt der Liköre.
Damals wandte sie sich an ihre Schwiegermutter, die bereits Erfahrung in der handwerklichen Zubereitung hatte und ihr beibrachte, Minzlikör herzustellen. Von da an begann Elizabeth mit verschiedenen Kombinationen zu experimentieren und erweiterte schrittweise ihr Sortiment.
„Ich habe meine Kreativität genutzt und angefangen, mit den Likören zu experimentieren. Bis jetzt habe ich 75 Geschmacksrichtungen, aber mein Ziel ist es, 100 zu erreichen“, erzählte sie.
Geschmacksrichtungen und Produkte aus der Region
Ein Merkmal ihrer Produktion ist die Nutzung der in der Region verfügbaren Rohstoffe. Elizabeth baut einige der von ihr verwendeten Früchte selbst an – darunter Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Kumquats (Quinoto) –, mit der Absicht, ihre eigene Ernte schrittweise zu steigern.
Sie nutzt auch Produkte aus anderen Regionen, wenn sie diese noch nicht in ausreichender Menge selbst anbauen kann. Dies ist etwa beim Limoncello der Fall, für den sie Heidelbeeren und Zitronen von Erzeugern aus dem Departement Misiones bezieht.
Die Nutzung lokaler Ressourcen zeigt sich auch in den Likören aus Kaki-Früchten, die sie von alten Anwesen und Hinterhöfen der Stadt bezieht, wo noch Bäume dieser Art stehen.
Unter ihren Kreationen sticht zudem eine Linie hervor, die mit Wachteleiern hergestellt wird. Die Erzeugerin bietet neun Varianten an, darunter Kombinationen mit Anis, Zimt, Vanille, Mandeln und Macadamia. Zu den beliebtesten Sorten bei ihren Kunden gehört jedoch der Wachtelei-Likör mit Kokos (Mbokaja).
„Für mich ist die beste Erfindung und mein absoluter Bestseller der Wachtelei-Likör mit Mbokaja“, kommentierte sie.
Elizabeth hält auch eigene Wachteln, von denen sie die Eier für ihre Zubereitungen bezieht.
Handwerkliche Herstellung und Qualitätskontrolle
Die Produktion erfolgt in kleinen Chargen, was es ihr ermöglicht, eine breite Produktpalette verfügbar zu halten. Bei Fruchtlikören kann sich der Prozess über etwa drei Monate erstrecken, während Varianten mit Schokolade, Dulce de Leche und Wachtelei sofort verzehrfertig hergestellt werden können.
Die Erzeugerin kümmert sich persönlich um die Herstellung jedes einzelnen Likörs – von der Vorbereitung bis zur Endkontrolle. Für sie ist diese persönliche Überwachung entscheidend, um die Qualität zu garantieren und die Eigenschaften jeder Sorte zu bewahren.
Ein Aspekt, auf den sie besonderes Augenmerk legt, ist der verwendete Zucker. Bei Fruchtlikören kommt raffinierter weißer Zucker zum Einsatz, um zu verhindern, dass sich die Farbe der Frucht während der Zubereitung verändert.
Auch die Präsentation geht auf eine strategische Entscheidung im Hinblick auf Zugänglichkeit und Tourismus zurück: Sie verwendet recycelte Bierflaschen. Diese Alternative ermöglicht es, eine größere Produktmenge zu einem günstigeren Preis anzubieten und dient gleichzeitig als Souvenir für Stadtbesucher.
Tourismus kurbelt die lokale Produktion an
Der Tourismus nimmt einen wichtigen Stellenwert bei der Vermarktung von Elizabeths Produkten ein. Derzeit verfügt sie über Verkaufsstellen in Encarnación, Ciudad del Este und anderen Orten des Landes sowie an Tankstellen und in einem Supermarkt in Asunción.
Ein bedeutender Teil ihrer Käufer sind Touristen sowie Menschen aus anderen Departements oder Personen, deren Familienangehörige im Ausland leben. Einigkeit unter den Kunden herrscht darin, die Produkte sogar ins Ausland mitzunehmen, wodurch die Liköre aus Yegros zu einem Mitbringsel werden, das die Identität der Stadt in andere Regionen trägt.
Seit etwa zwei Jahren arbeitet die Unternehmerin zudem mit Reiseleitern zusammen, um Besuche ihrer Produktion in Touren für Besucher einzubinden. Das Konzept ermöglicht es den Gästen, nicht nur die Liköre, sondern auch andere traditionelle Produkte der Region kennenzulernen, wie Süßwaren und hausgemachte Speisen.
Eine Stadt, die ihre Identität feiert
Die Likörtradition feiert einen ihrer Höhepunkte während des Likörfestes, das für den 26. und 27. September auf dem Platz 17 de Diciembre in Yegros geplant ist.
Die Veranstaltung soll ein Markenzeichen der Ortschaft zur Geltung bringen und Besuchern die Möglichkeit bieten, die Produktvielfalt der lokalen Unternehmer kennenzulernen und zu verkosten.
Für Elizabeth bietet die Möglichkeit, diese Tradition mit Besuchern von Yegros zu teilen, auch die Chance, andere Aspekte der lokalen Kultur zu zeigen:
„Kommen Sie vorbei, um unsere Vielfalt an Likören zu probieren – und entdecken Sie auch die traditionellen Gerichte unserer Region“, lädt sie ein.
Mit einer Produktion, die lokale Früchte, handwerkliche Rezepte, Kreativität und die Nutzung regionaler Rohstoffe vereint, gehört Elizabeth zu einer Generation von Unternehmern, die die Identität von Yegros als “Stadt des Likörs“ lebendig halten.
Wochenblatt / Medios Del Estado















