Asunción: Die Verschuldung der privaten Haushalte durch Konsumkredite wächst nach Daten der paraguayischen Zentralbank (BCP) deutlich schneller als die durchschnittliche Lohnsumme. Diese Entwicklung deutet auf eine mögliche Überschuldung der Familien hin, die Kredite zunehmend zur Deckung des Grundbedarfs in Anspruch nehmen.
Die wachsende Kluft wirft Fragen bezüglich der Zahlungsfähigkeit der Verbraucher und der langfristigen Tragfähigkeit des Kreditmarktes auf.
Seit 2024 stiegen die Konsumkredite um rund 60 %, während die durchschnittliche Lohnsumme im selben Zeitraum lediglich um etwa 20 % zulegte. Im vergleichenden Maßstab wuchs die Konsumverschuldung somit dreimal schneller als das durchschnittliche Einkommen der Arbeitnehmer, wie die Ökonomin Patricia Goto im Rahmen der Wirtschaftsveranstaltung “Coordenadas Atlas“ ausführte.
Für die Chefanalystin für Business Intelligence der Bank Atlas stellt diese Differenz ein klares Warnsignal für die kommenden Perioden dar. Das verfügbare Einkommen bildet letztlich das Fundament eines jeden Kredits: Es bestimmt, wie viel Geld Familien zur Schuldentilgung aufbringen können, ohne grundlegende Lebensbedürfnisse zu gefährden. Wächst das Kreditvolumen ohne ein entsprechendes Lohnwachstum, erhöht sich die finanzielle Verwundbarkeit der Haushalte.
Der Konsumkredit wächst derzeit stärkster im Vergleich zum Gesamtkreditmarkt und hat sich zum wichtigsten Finanzprodukt der Banken entwickelt: Mit einem Anteil von 21 % am Gesamtkreditportfolio hat der Sektor sogar die Agrarwirtschaft als größten Kreditnehmer abgelöst.
Inflationsbedingter Kaufkraftverlust
Die Warnung der Expertin gewinnt vor dem Hintergrund der aufgelaufenen Inflation an Bedeutung – insbesondere mit Blick auf die Verteuerung von Lebensmitteln in den vergangenen Jahren. Obwohl die von der Zentralbank veröffentlichten allgemeinen Inflationsdaten zuletzt moderat ausfielen, betont Goto, dass Nahrungsmittel im täglichen Budget – vor allem bei einkommensschwächeren Schichten – ein enormes Gewicht besitzen. Ihr Preisanstieg zehrt die Kaufkraft rasch auf.
Um diesen Verlust zu verdeutlichen: Geht man vom aktuellen Mindestlohn von 3.044.000 Guaranies aus und rechnet die aufgelaufene Gesamtinflation von 29,5 % (seit 2020 bis heute) ein, fällt der reale Wert des Lohns auf rund 2.350.579 Guaranies. Dies entspricht einem effektiven Kaufkraftverlust von 22,78 % (bzw. einem Einbuße von 693.421 Guaranies).
Legt man jedoch die spezifische Lebensmittelinflation von 56 % seit 2020 zugrunde, fällt der Effekt noch gravierender aus: Der reale Wert des Mindestlohns sinkt auf etwa 2.000.000 Guaranies, was einem Einbruch der Kaufkraft um rund 1.100.000 Guaranies entspricht.
Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass Haushalte mit einem Reallohnverlust konfrontiert sind, während sie gleichzeitig verstärkt auf Fremdfinanzierung zur Bestreitung des Konsums zurückgreifen. Dies spiegelt sich besonders in der Entwicklung der Kreditkartennutzung wider, wo Kreditlinien unter 3.000.000 Guaranies einen Anstieg von 50 % verzeichneten. „Das ist ein Alarmsignal im Hinblick auf die Nachhaltigkeit in den kommenden Perioden“, warnte die Ökonomin.
Steigende Zahlungsverzüge
Die Entwicklung schlägt sich nun auch in den Ausfallquoten nieder. Im Jahr 2026 vollzog die Tendenz eine Wende: Die Morosität im Konsumkreditbereich stieg im zweiten Quartal auf 5,3 %, verglichen mit 4,7 % im ersten Quartal. Dieser Anstieg zeigt, dass sich der Verlust an Zahlungsfähigkeit bereits in Kreditausfällen niederschlägt.
Die steigende Ausfallquote betrifft nicht nur die säumigen Schuldner selbst, sondern zwingt auch die Finanzinstitute zu erhöhter Vorsicht bei der Risikobewertung und Kreditvergabe. Sollte sich die Zahlungsfähigkeit der Haushalte weiter verschlechtern, könnte der Zugang zu Konsumkrediten künftig spürbar restriktiver gehandhabt werden.
Wochenblatt / ABC Color / Beitragsbild Archiv















