Der Banken-Kollaps reloaded? Nach 30 Jahren Raubtierkapitalismus zittert Paraguay vor den eigenen laxen Gesetzen!

Asunción: Vor drei Jahrzehnten erlebte Paraguay den blutigsten Finanzabsturz seiner modernen Geschichte: Über 38 Banken und Finanzhäuser gingen pleite, Ersparnisse lösten sich in Luft auf, und verzweifelte Sparer erlitten auf den Straßen vor den geschlossenen Schaltern Herzinfarkte. Jetzt, 30 Jahre nach der großen Pleite, schrillen im Land wieder alle Alarmglocken. Die Frage drängt sich auf: Haben die Aufpasser in der Zentralbank und der Politik überhaupt etwas gelernt, oder reiten wir sehenden Auges in die nächste Katastrophe?

Es war der historische Schlag in die Magengrube der paraguayischen Wirtschaft: Mitten in der euphorischen Nach-Diktatur-Euphorie der frühen 90er Jahre wurden die Märkte komplett freigegeben. Das Motto der Politiker damals: „Der Markt regelt das schon.“ Das Ergebnis war eine beispiellose Party der Habgier. Dutzende Banken und Finanzgesellschaften schossen wie Pilze aus dem Boden. Man warb mit astronomischen Zinsen von 30 bis 40 Prozent im Jahr – Renditen, die in einer echten Wirtschaft nie und nimmer erwirtschaftet werden konnten.

Hinter den Kulissen lief das perfide System der „verbundenen Kredite“ und der berüchtigten Konten „en negro“ (schwarzes Geld). Die Bankbosse plünderten die Einlagen der Bürger, um sich selbst und ihre politischen Seilschaften mit Millionen-Krediten zu füttern, während staatliche Rentenkassen wie das IPS blind ihr Geld in diese tickenden Zeitbomben warfen. Als das Schneeballsystem im Mai 1995 implodierte, blieben den Menschen nur Scherben, während die Verantwortlichen sich hinter diplomatischen und politischen Immunitäten versteckten.

Haben wir das Gedächtnis einer Eintagsfliege?

Heute, 30 Jahre nach dem großen Banken-Crash, blicken Experten mit nackter Sorge auf die aktuelle Regulierung. Die Methoden haben sich zwar digitalisiert, doch der Dunstkreis aus laxe Überwachung, Spekulation und politischer Vetternwirtschaft zieht wieder durch die Finanzetagen von Asunción.

Während die Finanzelite und die Banken auch im Jahr 2026 stolz milliardenschwere Rekordgewinne einfahren und sich in gläsernen Bürotürmen feiern, schrillen bei unabhängigen Ökonomen und den Bürgern die Alarmglocken. Denn die Mechanismen der Kontrolle hinken der Realität meilenweit hinterher. Die Geschichte zeigt gnadenlos: Wer die Finanzmärkte von der Leine lässt und wegschaut, wenn Zinsen und Bilanzen zu gut klingen, um wahr zu sein, lädt den Bankrott direkt ins eigene Wohnzimmer ein.

Die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wann das Kartenhaus wieder in sich zusammenbricht – und wer diesmal die Zeche zahlt, während die Verursacher ungeschoren davonkommen.

Wochenblatt / El Nacional

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