Asunción: Manchmal genügen ein paar Blätter Papier in einem schlichten, geschlossenen Umschlag, um das politische Fundament eines ganzen Landes zum Einsturz zu bringen. Während Paraguay noch unter den Nachbeben des gewaltigen ueno bank-Kollapsis und dem historischen Sturz des Präsidenten Santiago Peña zittert, kommen nun spektakuläre Details ans Tageslicht.
Der neu vereidigte Vizepräsident Antonio „Tony“ Barrios lüftete in einem Interview mit ABC Color das Geheimnis um den Funken, der das politische Pulverfass zur Explosion brachte: Es war ein anonymer Bericht, der völlig unerwartet in seinem Büro landete.
Der Brief, der das Fass zum Überlaufen brachte
Schon im September hatte eine parlamentarische Initiative von cartistischen Senatoren – darunter Barrios selbst, Basilio „Bachi“ Núñez und Natalicio Chase – die Zentralbank (BCP) mit offiziellen Anfragen zu den undurchsichtigen Machenschaften von Ueno Bank konfrontiert. Was damals wie ein harmloser parlamentarischer Vorstoß aussah, war in Wahrheit das Resultat panikartiger Alarmbereitschaft.
Wie Barrios nun gestand, hatte er zuvor einen Umschlag ohne Absender auf seinem Tisch gefunden. Darin: Eine detaillierte Aufstellung interner Unregelmäßigkeiten rund um die kollabierte Bank.
„Als wir diesen Bericht lasen, bekamen wir panische Angst“, gestand Barrios.
Nachdem er den Inhalt mit Finanzexperten besprochen hatte – die ihm versicherten, dass die dort genannten Missstände den Bankenkreisen im Grunde bereits unter der Hand bekannt waren –, zog er den einflussreichen Ex-Präsidenten Horacio Cartes zu Rate. Cartes, selbst ein erfahrener Banker, reagierte zunächst mit Bestürzung und anschließend mit „außerordentlicher Enttäuschung“.
Die Lawine rollt an
Dass Cartes zu den Hauptantreibern der Untersuchung gehörte, beschleunigte die Ereignisse rasant. Der offizielle Druck auf die BCP führte schließlich zur Zwangsabwicklung von ueno bank, dem Einfrieren von Millionen-Ersparnissen und dem unaufhaltsamen Dominoeffekt, der binnen weniger Tage im Amtsenthebungsverfahren und dem Rücktritt von Santiago Peña gipfelte.
Barrios ist sich sicher: „Wenn dieser Bericht nicht aufgetaucht wäre und wir keine Untersuchung gefordert hätten, wäre diese Party wohl noch ewig so weitergegangen.“
Blick nach vorn: Internationale Hilfe und neue Prioritäten
Während die Justiz hart durchgreift – unter anderem wurden inzwischen Haftbefehle gegen Peña und die Festnahme des ehemaligen BCP-Chefs veranlasst –, formiert sich die neue Regierungsspitze unter Präsident Pedro Alliana.
Barrios kündigte an, man wolle umgehend internationale Hilfe und Kooperationen (unter anderem mit der US-Botschaft) anfordern, um die verschleiften öffentlichen Gelder und die abgesackten Milliardenströme global nachzuvollziehen und zurückzuholen. Für die neue Regierung gilt nun vor allem eins: den angerichteten Scherbenhaufen im Land aufzuräumen und das verlorene Vertrauen der Bürger mit harter Hand und voller Transparenz wiederherzustellen.
Wochenblatt / Abc Color














