Bei „Yo Creo“ heißt es: Tuma rief Prieto an, um seine Verteidigung unentgeltlich zu übernehmen

Asunción: Der renommierte Rechtsanwalt Óscar Tuma wird in den kommenden Tagen die Verteidigung des ehemaligen Bürgermeisters von Ciudad del Este, Miguel Prieto, übernehmen – und das trotz der Gegnerschaft des Oppositionspolitikers zum „Cartismo“ und der Nähe des ehemaligen Abgeordneten zum regierenden „Colorado“-Lager. Tuma vertrat unter anderem bereits den Präsidenten des Parlaments, Basilio „Bachi“ Núñez, sowie andere Vertreter dieser Seite.

Es wird erwartet, dass Tumas Kanzlei am heutigen Montag die offizielle Übernahme der Vertretung in dem Verfahren bekanntgibt, das als „Fall Tía Chela“ bekannt ist. Das Verfahren steht kurz vor der mündlichen öffentlichen Verhandlung; dem ehemaligen Bürgermeister aus dem Osten des Landes wird vorgeworfen, das Vertrauen missbraucht zu haben.

Bemerkenswert ist die enge Verbindung Tumas zum „Cartismo“ und die Feindschaft Prietos zu den Vertretern von „Ehre Colorada“. Teilen der Opposition zufolge könnte es sich bei dem Schritt um eine Strategie des Chefs von „Yo Creo“ handeln, um sich in „sichere Zelte bei Freunden der Macht“ zu begeben.

Aus dem Umfeld des ehemaligen Bürgermeisters heißt es dagegen, Tuma selbst habe angerufen und seine Dienste angeboten – angeblich weil er mit dem „Cartismo“ hadere. Prieto sagte gegenüber der Zeitung LPO, es sei für ihn keine „schlechte Idee“, ihn als einen seiner Anwälte hinzuzuziehen.

Tuma wird allerdings nicht der einzige Verteidiger sein, sondern Teil eines Teams – vermutlich um Misstrauen im Verfahren vorzubeugen, vor allem wegen seiner Verbindungen zum „Cartismo“ und der Sorge, er könnte gegen die Interessen des Präsidentschaftsbewerbers von „Yo Creo“ handeln.

In dem Verfahren „Tía Chela“ sind insgesamt zwölf Personen angeklagt. Tuma wird dem Verteidigerteam beitreten, das weiterhin von Derlis Martínez geleitet wird. Der Beginn der mündlichen Verhandlung wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft auf den kommenden 31. August vorgezogen; ursprünglich war er für Anfang 2027 vorgesehen.

Der Fall hat bereits weit über die Kreise der Beteiligten hinaus Aufmerksamkeit erregt: Auch andere Teile der Opposition haben sich gegen Prietos Entscheidung ausgesprochen, Tuma als Verteidiger zu holen – vor allem, weil sie Grenzen überschritten sehen und die Darstellung ablehnen, es handle sich lediglich um eine fachliche, rechtliche Angelegenheit.

Sogar Parlamentspräsident Basilio „Bachi“ Núñez zeigte sich überrascht und stellte in Frage, Tuma erneut zu beauftragen. Nach der Kritik an seinen Äußerungen meldete er sich aber in den Sozialmedien zu Wort: Er verteidigte das Recht seines Parteikollegen, seinen Beruf auszuüben, und versicherte, nicht verärgert zu sein.

Weitere Hintergrundinformationen

Prieto hatte zuvor Kattya von der Kandidatenliste gestrichen und erklärt, er wünsche sich Salyn Buzarquis als Vizekandidaten.
Núñez verwies zudem auf den Fall des ehemaligen Abgeordneten Miguel Cuevas: Dieser hatte den bekannten Rechtsanwalt Guillermo Duarte Cacavelos beauftragt – der üblicherweise Vertreter der Opposition vertritt, unter anderem Efraín Alegre, früherer Vorsitzender der Liberalen Partei und entschiedener Gegner des „Cartismo“.

Im Fall „Tía Chela“ wirft die Staatsanwaltschaft vor, die Stadtverwaltung von Ciudad del Este unter Prieto habe während der Pandemie unregelmäßig Lebensmittel im Wert von 2.949.650.000 Guaranies beschafft – über eine Ausnahmeausschreibung, die offenbar gezielt ein mit der örtlichen Regierungsseite verbundenes Unternehmen begünstigen sollte.

Wochenblatt / LPO

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