Bewaffnete Männer versuchen chinesischen Betrüger in Luque zu kidnappen: Doch warum sitzt er nicht in Abschiebehaft?

Luque: Ein chinesischer Staatsbürger, der mit einem internationalen Rechtsverfahren in Verbindung steht, wurde in Luque Opfer eines gewaltsamen Vorfalls. Die Polizei untersucht, ob es sich um einen Entführungsversuch oder einen gescheiterten Raubüberfall handelt, der mit der Vorgeschichte des Opfers zusammenhängt.

Die Polizei ermittelt in einem unklaren Fall aus der Stadt Luque: Dort wurde der 43-jährige Chinese Jin Xiaodi von bewaffneten Männern angehalten, die ihn offenbar gewaltsam mitnehmen wollten.

Der Vorfall ereignete sich im Stadtviertel Loma Merlo und setzte Beamte der Kriminalpolizei und Ermittlungsbehörden in Bewegung. Diese wollen nun klären, ob es sich um einen Entführungsversuch, einen fehlgeschlagenen Raubüberfall oder eine Abrechnung handelt, die im Zusammenhang mit der Vergangenheit des Opfers steht.
Nach ersten Erkenntnissen befand sich der Mann in einem Toyota Land Cruiser, als er von einem anderen Fahrzeug abgedrängt wurde. Mehrere bewaffnete Männer stiegen aus diesem Wagen aus.

Jin Xiaodi – wurde in China zu lebenslanger Haft verurteilt. In Paraguay mit einem philippinischen Dokument auf den Namen Eason Tay Jin gefasst, mit welchem er auch eine paraguayische Cedula beantragte und bekam.

Notruf bei der Notrufnummer 911 weist auf Angriff hin

Kommissar Gustavo Paiva, Leiter der 3. Polizeistation von Luque, erklärte, die Polizei habe über einen Anruf bei der Notrufnummer 911 von dem Vorfall erfahren. Ein Zeuge berichtete, vier Personen in einem grauen SUV hätten das hochwertige Fahrzeug angehalten, in dem Xiaodi unterwegs war.

Nach den Angaben, die den Beamten vorliegen, trugen mindestens zwei der Verdächtigen Langwaffen bei sich.
„Es gab offenbar einen Handgemenge, und der Mann aus Asien erlitt eine Schnittwunde am Kopf“, so Paiva.

Nach dem Vorfall flohen die Angreifer und setzten das Opfer später in der Nähe des Sportplatzes des Vereins Club Guaraní in Luque, im Gebiet Maka’i, wieder ab.

Einer der Aspekte, der die Ermittler am meisten überrascht: Die Angreifer nahmen keinerlei Wertgegenstände mit, die sich noch im Geländewagen befanden. Nach Angaben der Polizei wurden im Fahrzeug zwei hochwertige Mobiltelefone sowie weitere persönliche Gegenstände gefunden – nichts davon war entwendet worden.

„Wenn es sich um einen Raubüberfall gehandelt hätte, hätten sie die Handys mitgenommen oder versucht, Zugriff auf seine Bankkonten zu erlangen“, begründet Kommissar Paiva. Das Opfer selbst habe den Ermittlern berichtet, die Männer hätten weder Geld noch Besitztümer von ihm verlangt, sondern versucht, ihn gegen seinen Willen mitzunehmen.

In China zu lebenslanger Haft verurteilt und in Paraguay ein Leben voller Luxus

Dieser Umstand stärkt die Vermutung, dass das Hauptziel die Person selbst war – nicht die Gegenstände, die sie bei sich trug.

Die Ermittlungen erhalten eine zusätzliche Dimension durch die Gerichtsakte von Jin Xiaodi.

Der chinesische Staatsbürger war bereits vor Wochen von Beamten der Kraftfahrzeugbehörde festgenommen worden, als er mit einem luxuriösen Toyota Land Cruiser des Baujahrs 2024 unterwegs war – mit angeblich unzulässigen Papieren.

Bei jenem Einsatz hatte sich der Mann zunächst mit einem paraguayischen Ausweis auf den Namen Eason Tay Jin ausgewiesen, einem angeblich 39-jährigen Staatsbürger der Philippinen. Später bestätigten die Ermittler jedoch, dass es sich um Jin Xiaodi handelt.

Die paraguayischen Behörden waren bereits über seine wahre Identität sowie über die Gerichtsverfahren gegen ihn informiert.

Nach den vorliegenden Informationen wurde Xiaodi in China wegen eines 10 Millionen US-Dollar Betrugs zu lebenslanger Haft verurteilt.

In internationalen Fahndungslisten ist er zudem mit einer roten Ausschreibung vermerkt. Der Hauptvorwurf gegen ihn bezieht sich auf ein System zur illegalen Entgegennahme von Geldern der Öffentlichkeit; dies entspricht in etwa Straftatbeständen wie Betrug oder Vertrauensmissbrauch nach paraguayischem Recht.

Den verfügbaren Daten zufolge kam der Asiate im Jahr 2014 nach Südamerika und war sowohl in Brasilien als auch in Paraguay geschäftlich tätig. In Paraguay wird er mit dem Unternehmen Enmos SA in Verbindung gebracht, das im Bereich des Kryptowährungsmining tätig ist.

Mehrere Ermittlungsansätze im Raum

Kommissar Paiva räumte ein, dass die Vorgeschichte des Opfers es erforderlich mache, verschiedene Ermittlungsrichtungen zu prüfen.

„Wir halten einen Raubüberfall für möglich, schließen aber auch andere Theorien nicht aus“, erklärte er.
Die Polizei führt derzeit Untersuchungen an dem Fahrzeug durch, mit dem Xiaodi unterwegs war. Sie sucht nach Fingerabdrücken und weiteren Hinweisen, um die Verantwortlichen identifizieren zu können.

Inzwischen wurde auch die Staatsanwaltschaft über den Fall informiert. Diese muss nun klären, ob der Vorfall einen Entführungsversuch, eine rechtswidrige Freiheitsberaubung oder eine andere Straftat darstellt.

Wochenblatt / Abc Color

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