Der Papst in Paraguay

Der Papst ist auf dem Flughafen von Luque gelandet, wer die Aura des katholischen Oberhauptes nicht aus nächster Nähe erleben will, isst zu Hause Suppe, die Wohlhabenderen hat es aus der Stadt getrieben und zum Grillen in ihren Wochenendhäusern inspiriert. Die Migrationsbehörde hat eine bis anderthalb Millionen Pilger prognostiziert, die allein aus Argentinien nach Paraguay kommen sollten, das hat zu Vorratseinkäufen und einer Stadtflucht geführt.

Am Freitagmorgen war das Zentrum von Asunción erstaunlich ruhig, im Gegensatz zu normalen Arbeitstagen war es problemlos möglich auf Nebenstraßen einen Parkplatz zu finden. Hauptsächlich Polizisten waren auf den Straßen unterwegs. Im Einkaufszentrum ging es ebenfalls sehr ruhig zu, Besucher scherzten vor dem nicht funktionierenden Aufzug: „Hoffentlich kommt der Papst hier nicht vorbei“. Die Migrationsbehörde gibt den Zwischenstand der Zahlen der Eingereisten aus allen Ländern mit 27.000 Personen an.

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Wer aus dem Zentrum näher zum Papst wollte hatte es schwer, da so gut wie keine Busse fuhren, die Hauptverkehrsadern waren ohnehin gesperrt. So liefen tausende Personen zum Frauengefängnis „Buen Pastor“, wo der Papst auf dem Weg zur vatikanischen Botschaft zu einem „ungeplanten“ Stop erwartet wurde. Dort angekommen harrten sie viele Stunden aus. Freiwillige Helfer verteilten Wasser, bis die Polizei dies aus „Sicherheitsgründen“ verbot. Zwei Stunden vor der Landung kam dann noch ein Schwerlaster vorbei, der sämtliche Stromkabel, die über die Straße Mariscal López führen, herunterriss. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, die ANDE musste ausrücken, um das Gefängnis und die umstehenden Übertragungsfahrzeuge der Journalisten wieder mit Strom zu versorgen. Eigentlich war die Straße für den Verkehr gesperrt, eigentlich.

Eine Kette aus Jugendlichen vom Flughafen bis zur vatikanischen Botschaft, wo Jorge Bergoglio während seiner Zeit in Asunción wohnt, hielt die 13 Kilometer gut gelaunt und singend im Regen aus. Der Papst hat in der Vergangenheit seine Hochachtung für paraguayische Frauen ausgedrückt, insbesondere im Hinblick auf die von ihnen vollbrachte Aufbauleistung nach den Triple-Allianz-Krieg. Aus diesem Grund bestand die Besatzung der Flugkontrolle bei seiner Ankunft nur aus Frauen.

Der Papst hatte angekündigt Vertreter einer Organisation, die sich für die Rechte gleichgeschlechtlicher Partnerschaften stark macht, am Samstag in Asunción empfangen zu wollen, diese haben den Fahrweg von Bergoglio mit Großplakaten mit einem Zitat von ihm umsäumt: „Wer bin ich, diese zu richten“. Die Kongressmitarbeiterin und Protagonisten des Heimpornos zusammen mit dem Senator Calé Galaverna wurde als Repräsentanten der Opfer ausgewählt, um einer „inoffiziellen“ Segnung der Gedenkstätte für die Verstorbenen des Großbrandes von „Ycuá Bolaños“ beizuwohnen. Angehörige der Opfer empörten sich, viele von ihnen wurden aus Platzmangel nicht zu der Veranstaltung zugelassen und Mónica Alcaraz hatte wohl keinen Bezug zu der Tragödie, die Dame entschied sich nach Pressemeldungen gegen eine Teilnahme.

Journalisten waren neidvoll verstimmt als bekannt wurde, dass für Vertreter der Mediengruppe der Schwester des Staatspräsidenten (La Nación, Crónica, Radio 970 und Radio Montecarlo) regelrechte Luxuspavillons zur Verfügung standen während Reporter anderer Medien mit dem gemeinen Volk aus dem Schlamm berichten müssen.

Der Staatspräsident hatte eine Überraschung für den Papst bereit. In einem seiner Privatjets ließ er den Neffen des Papstes und seine Freundin aus Córdoba, Argentinien, einfliegen. Das Paar wurde erst im Juni Opfer eines Überfalls in der Provinz Buenos Aires, was den Besuch zunächst in Frage stellte.

200 Kinder aus Luque brachten dem Papst zwei Ständchen, nach dem Lied „Geliebtes Vaterland“ sangen sie die Nationalhymne auf Guarani, der Staatspräsident kannte den Text nur auf Spanisch und konnte nicht mit einstimmen. Im Internet führte dies zu reichlich Schelte, ist Guarani doch zweite Amtssprache und die Kinder bekommen die Sprache zwangsgelehrt. Kaum abgeklungen umringten die Kinder außerprotokollarisch das Kirchenoberhaupt, Cartes und seine Sicherheitsleute konnten dem Treiben nur genervt zusehen, während der zunächst überraschte Papst das Kinderbad genoss.

Im Regierungspalast rief Bergoglio zu mehr Transparenz im Umgang mit der Korruption auf und sprach die einschlägig in den Medien diskutierten Fälle der vergangen Monate an. Cartes dankte dem Papst für seine Unterstützung von Paraguayern, die in Buenos Aires wohnen. Auf dem Weg zum Palast wurden einige Politker ausgepfiffen.

Fotos: Rainer Ruck

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1 Kommentar zu “Der Papst in Paraguay

  1. Vorteil der ganzen Geschichte: Am Wochenende kam ich mir in Lambaré vor, wie seinerzeit in den 70ern während der Ölkrise in Deutschland an den autolosen Sonntagen.

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