Asunción: Uber bot 14,8 Milliarden US-Dollar für Delivery Hero, die deutsche Muttergesellschaft von PedidosYa. Durch die Vereinbarung erhält Uber die Kontrolle über Aktivitäten in 13 lateinamerikanischen Ländern – darunter Paraguay – und schafft eine kombinierte Plattform, die in 99 Märkten vertreten ist und einen Bruttobestellwert von über 236 Milliarden US-Dollar aufweist.
Der Motorradfahrer, der gerade vor einem Einkaufszentrum in Asunción auf einen Auftrag wartet, weiß es noch nicht: Seit drei Tagen arbeitet er de facto für ein anderes Unternehmen. Die App, mit der er Bestellungen erhält, wird weiterhin PedidosYa heißen, das Logo bleibt gleich – aber der Eigentümer hat gewechselt, und die Auswirkungen auf den Markt werden sich wahrscheinlich schon bald bemerkbar machen. Es ist die größte Übernahme in der Geschichte von Uber und ordnet die globale Lieferdienstlandschaft auf einen Schlag neu.
Die größte Transaktion seiner Geschichte
Uber bietet 41,50 Euro in bar pro Aktie von Delivery Hero, was das deutsche Unternehmen mit insgesamt 14,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Da Uber bereits rund 25 % der Anteile hielt, beläuft sich der Nettoaufwand auf etwa 13,7 Milliarden US-Dollar.
Der Aufsichtsrat von Delivery Hero hat das Angebot einstimmig befürwortet. Kristin Skogen Lund, Vorsitzende des Gremiums, erklärte, die Zusammenarbeit mit einem starken Partner sei der richtige Weg, um die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern.
Der Abschluss der Übernahme ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant und steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden in Deutschland und weiteren Märkten. Uber hat bereits zugesagt, den Hauptsitz von PedidosYa in Berlin zu behalten, die Unternehmenszentrale bis 2029 personell unverändert zu lassen und in den nächsten fünf Jahren 2 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren.
Was übernommen wird – und was nicht
Die Übernahme erstreckt sich nicht gleichmäßig über die gesamte Region. Uber erhält die direkte Kontrolle über PedidosYa in den größten Märkten: Argentinien, Uruguay, Peru, Paraguay, Bolivien sowie mehreren zentralamerikanischen Staaten. In diesen Ländern verfügt die Marke bereits über integrierte Händler, aktive Zustellflotten und eine Nutzerbasis, die kaum in kurzer Zeit von Grund auf neu aufzubauen wäre.
Chile und Ecuador fallen aus dem Paket heraus: Dort gehen die PedidosYa-Geschäfte an die New Yorker Investmentfirma SSW Partners, die 1,6 Milliarden US-Dollar für diese Aktivitäten sowie für Anteile des Konkurrenten Glovo in Europa zahlt. Dieser Schritt dient dazu, Überschneidungen zwischen Uber Eats und PedidosYa in Märkten, in denen beide bereits konkurrieren, zu verringern – und so die Zustimmung der Kartellbehörden zu erleichtern.
Was sich in Paraguay ändert
PedidosYa ist seit 2015 in dem Land tätig und gilt nach Angaben der Zeitung ABC Negocios als die Plattform mit der höchsten Marktdurchdringung in Paraguay; sie ist in Asunción, Ciudad del Este, Encarnación und weiteren Städten im Landesinneren vertreten. Der Lieferdienstmarkt wuchs seit der Pandemie um über 40 %, und Kunden warten durchschnittlich 35 Minuten auf ihre Bestellung.
Genau diese bereits aufgebaute Reichweite und operative Dichte hat Uber gekauft – in einem Markt, in dem ein eigener Aufbau Jahre gedauert hätte. Zuvor war Uber bereits selbst in die Region eingestiegen, hatte sich dann aber wieder zurückgezogen; statt nun jedes einzelne Geschäft neu zu gewinnen, übernimmt es nun direkt die fertige Infrastruktur.
Für angeschlossene Betriebe – Restaurants, Apotheken, Supermärkte – ändert sich zunächst nichts, bis die Übernahme offiziell abgeschlossen ist. Unklar ist jedoch, wie es danach weitergeht: Ob die Marke PedidosYa vollständig erhalten bleibt, ob sie künftig neben Uber Eats existiert oder ob beide Netze zu einer einzigen Plattform zusammengelegt werden. Bislang wurden keine entsprechenden Entscheidungen bestätigt.
Noch offene Fragen
Die Übernahme muss noch von Behörden in mehreren Ländern genehmigt werden; aus Paraguay gibt es bislang keine Anzeichen für Bedenken seitens der Wettbewerbsaufsicht.
Fest steht aber: Der „Letzte-Meile“-Markt – jener Bereich, der als eines der dynamischsten Segmente des lokalen Handels gilt – hat nun einen einzigen großen Eigentümer hinter seinem größten Anbieter.
Wochenblatt / Abc Color















