“El Chorizo“ Thüringer Art

Es gibt deutsche Einwanderer, aus den verschiedensten Gegenden Deutschland, egal woher, sie haben immer noch einen Bezug zu ihrer Heimat wenn sie in Paraguay ankommen, irgendwelcher Art.

Simone und Thomas Kühr kamen Ende 2009 hier an, mit ihren beiden Kindern, Sohn und Tochter. Ihr Ziel war es eigentlich, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen, ihr Sohn kam aus der Branche und sollte dabei helfend unterstützen, dieser verließ aber aus persönlichen Gründen wieder Paraguay.

In der Anfangszeit wohnte die Familie zur Miete in Melgarejo, Departement Guairá, und suchte ein geeignetes Objekt. Zum Lebensunterhalt pachteten sie eine Gaststätte im Ort und nannten sie “El Chorizo“.

„Simones Vater hatte Bezug zur Wurstherstellung, dies habe ich mir angeeignet und es hier fortgesetzt. Ich produzierte Bratwürste nach Thüringer Art aber auch verschiedene andere Mett-Sorten in Gläser, schon von Anfang an war die Nachfrage enorm und das ist sie immer noch, daher auch der Name unseres Lokals“, sagte Thomas Kühr.

Im November 2012 eröffneten sie dann endlich eine eigene Gaststätte und verließen Melgarejo. Ein über 9 Hektar großes Grundstück in Vista Alegre konnten sie nur ihr eigen nennen und hatten umfangreiche Umbauarbeiten hinter sich als sie an neuer Stelle ihr Chorizo eröffnen konnten.

El Chorizo

„Unser Traum war immer die Landwirtschaft, das können wir nun hier verwirklichen, 13 Rinder weiden auf dem Grundstück und auch eine Schweinezucht ist vorhanden, somit ist unsere Fleischproduktion zum großen Teil sichergestellt, ich muss aber natürlich schon noch zukaufen, noch deckt der Bedarf nicht die Nachfrage aber das will ich in Zukunft ändern“, sagte Thomas Kühr.

Einmal im Monat wird ein Schwein geschlachtet, für die Wurstherstellung. „Die Produkte werden nur noch ab Hof verkauft, eigentlich wäre die Nachfrage hoch, sodass auch Supermärkte beliefert werden könnten, aber das schaffe ich einfach nicht“, erklärte Thomas Kür. Auf dem Anwesen gibt es nur einen Angestellten, alles andere machen die Besitzer alleine, Simone Kühr regiert in der Küche.

„Viele Angestellte haben angefangen aber schnell wieder aufgehört, keiner will am Wochenende arbeiten, also mache ich das jetzt alleine“, sagte Simone Kühr. Sie fügte an, das gehe schon, es gäbe immer zwei Tagesgerichte pro Woche und natürlich die normale Speisekarte, vorwiegend seien die Gerichte deftiger Art, wie zum Beispiel Sülze mit Bratkartoffeln, dies habe sich bewährt, aber auch vegetarische Gerichte sowie Salate in den unterschiedlichsten Variationen seien in den Sommermonaten gefragt. Sie fügte an, man müsse wirtschaftlich Denken, denn die Stromversorgung erfolge nur über eine Phase, die reiche zwar aus, aber in erster Linie müssen Kühlschränke versorgt werden, wenn der Strom ausfällt läuft alles über den Gasherd, frittierte Produkte sind dann nicht machbar, deshalb gäbe es auch keine Klimaanlage auf dem Anwesen, aber die Gäste würden das problemlos akzeptieren, sie seien genauso flexibel wie wir, ihr Mann mache das schon, er hätte im Service das richtige Talent, den Leuten dies klar zu machen.

Ein Notstromaggregat ist vorhanden, deckt aber nur den Energiebedarf der Kühlgeräte und Beleuchtung.

El Chorizo 2

„Im Winter kommen vorwiegend Deutsche zum Essen, in den anderen Jahreszeiten hält sich das in der Waage mit den Einheimischen. Übrigens kommen 99% der Gäste um unsere Gerichte zu genießen, fast keiner will nur ein Bier trinken“, betonte Simone Kühr. Sie erklärte weiter, die Essenskultur zwischen Paraguayern und Deutschen sei schon unterschiedlich, die Einheimischen lassen sich Zeit und genießen das Prozedere, Deutsche wollen satt werden und würden schnell wieder gehen. Interessant sei auch, dass deutsche Biere bei den Paraguayern mehr Anklang fänden als bei den eigenen Landsleuten.

In der näheren Umgebung würden sich eigentlich noch weitere Ausflugsziele anbieten, wie zum Beispiel der Salto Cateura, nur einen Kilometer entfernt, man findet ihn auf keiner Karte, auch die Tourismusbehörde Senatur erwähnt ihn nicht. „Die Infrastruktur, gerade in Bezug auf Wanderungen und Ausflüge, ist hier schlecht, denn es fehlt eine ausreichende Beschilderung. Ich habe einige Gäste schon an den Platz geführt, aber auch an andere Orte im Ybytyruzú Gebirge, hier müssen auf jedem Fall noch Verbesserungen erfolgen wenn das Augenmerk weiter auf den Tourismus fokussiert wird“, sagte Thomas Kühr, und erklärte, auch sie würden einmal im Jahr Urlaub machen und die nähere Umgebung sowie Land und Leute erkunden.

Das Lokal und Anwesen befindet sich im Barrio Vista Alegre, zwischen Capii und Melgarejo, die Öffnungszeiten sind Freitag bis Sonntag von 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr, Montag und Donnerstag von 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr, an den freien Tagen kann, nach Absprache, für Gruppen ab 10 Personen auch eine Öffnung erfolgen. Sie finden hier mehr Informationen und auch die Kontaktdaten mit der genauen Lage.