Gehalt: Staatsfeind Nummer 1?

Asunción: Immer wenn die Preise steigen, insbesondere bei Kraftstoffen und öffentlichen Verkehrsmitteln, aber nicht nur bei diesen, hören wir Gewerkschaftsführern zu, die sofort die Anpassung des Mindestlohns wegen der historischen Verlust der Kaufkraft fordern.

Regierungsbeamte, Unternehmern und Ökonomen warne indes vor einer Tragödie, die im Land entfesselt werde, wenn ein Anstieg genehmigt würde. Das Inflationsrisiko ist das große Argument gegen einen eventuellen positiven Bescheid. Eine Art “Fatalismus“, der nicht diskutiert werden kann. Aber sehen wir mal, ob die “Variable“ des Lohnes wirklich die Ursache aller Übel ist, wie manche sagen.

Der US-Dollar steigt. Das ist eine direkte Folge der Erhöhung der Zinssätze durch die US-Notenbank. Das Barrel Öl steigt. Es ist das Ergebnis von diesem oder jenem Konflikt im Nahen Osten. Nehmen wir an, das würde es mehr oder weniger erklären. Die Preise für Kraftstoffe steigen auf dem lokalen Markt als Folge des Vorhergehenden.

Die Preise im öffentlichen Nahverkehr steigen. Eine obligatorische Maßnahme. Produkte verteuern sich, weil die Frachtkosten ebenfalls steigen oder weil sie importiert werden und vom US-Dollar abhängen. Aber was ist mit den Gehältern? Ganz zu schweigen! Das würde eine Inflation auslösen, Arbeitsplätze würden verloren gehen und einige Unternehmen würden schließen. Wie? Alles andere kann steigen und die Arbeiter gehen leer aus?

Abgesehen von den Übertreibungen, die als kontroverse Ressource typisch sind, geben wir zunächst zu, dass die Löhne, wenn sie steigen, einen starken Inflationsdruck ausüben. Natürlich, ja. Aber wir stimmen auch darin überein, dass es das letzte Glied in einer langen Kette von Ereignissen ist, die in New York oder Saudi-Arabien, bei Petropar oder im Wirtschaftsteam, in Handelsketten, Supermärkten und Unternehmen im Allgemeinen passieren können. Und dass alle Verbindungen vor ihm unversehrt aus jedem Sturm heraus kommen, außer das Gehalt.

Gehälter sind also nicht die “Variable“, die den Anstieg der Inflation bestimmt, zumindest nicht die einzige, noch die, die sie hervorbringt, wie wir anhand einiger Beispiele gezeigt haben. In jedem Fall sind sie eine Variable, aber die “Anpassung der Wirtschaft“, die andere Faktoren ignoriert und den Lohnempfängern das ganze Gewicht der Maßnahmen entzieht, um die Inflationsrate unbeweglich zu lassen.

Das Wirtschaftsteam, Unternehmer und die meisten Ökonomen betrachten die Lohninflation als eine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, als unumstößliche Wahrheit. Sicherlich haben sie in der Realität recht, stehen aber mit ihrer Meinung nicht im Einklang mit der Wirklichkeit.

Es gibt Tausende von Familien, die auf den Mindestlohn angewiesen sind und schon immer mit großen Schwierigkeiten konfrontiert sind, um über die Runden zu kommen.

Daher wäre es ratsam, andere kreativere Formeln auszuprobieren, die es erlauben, ungünstigen regionalen oder internationalen Bedingungen zu begegnen, ohne so viele Paraguayer zu schädigen. Und wenn Kreativität oder die Fähigkeit, Probleme zu lösen, nicht ihre Eigenschaften sind, sehen sie zumindest, wie jeder, absolut jeder, die Gürtel anpasst, nicht nur diejenigen, die auf den Mindestlohn angewiesen sind.

Letzteres kann als “utopisch“ angesehen werden. Vielleicht, obwohl es auch viel Realismus hat. Die Paragauyer haben keine gute Zeit vor sich, die Indikatoren beweisen es, und wenn nichts über den Verlust der Kaufkraft ihrer Gehälter als Ergebnis der Preiseskalation unternommen wird, wird das Ergebnis ein Umfeld wachsender sozialer Spannungen sein, das vor allem die Regierung oder die wohlhabendsten Schichten bald spüren werden.

Lassen wir also zunächst die mit Zynismus getränkten Argumente beiseite und wählen wir lieber Folgendes: Entweder setzen die Reichen und die Obrigkeiten ihrer historischen Trägheit angesichts der sozialen Krise Grenzen, oder sie müssen sich mit den Konflikten auseinandersetzen, die unaufhaltsam im Land entfesselt werden.

Wochenblatt / ADN Paraguayo

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7 Kommentare zu “Gehalt: Staatsfeind Nummer 1?

  1. Natürlich. Wenn aber fünf Erwachsene und zehn Kinder in einem Zweizimmerhaus hausen, so kommen doch fünf Mal Mindestlohn zusammen.
    Gut, viele bekommen keinen Mindestlohn, dafür ist der Verkauf von geschmuggelten Kaugummis im Bus steuerfrei.
    Dennoch, wenn der Benzinpreis steigt, so müssen die Gehälter steigen, damit die Kaufkraft erhalten bleibt. Oder die Streichhölzer günstiger. Da musst deinen Müllhaufen bei Regenwetter einfach mit Benzin übergießen, mehr als der Müllabfuhr zuschauen, wie sie herangefahren kommt, eine Schluck Therere, und schauen, wie sie vorbeifährt, kann man eben auch nicht, auch wenn das Benzin, welches man zum Abfackeln seines Mülls braucht den Müllabholservice bei weitem übersteigt, vor allem wenn deine Calcapp ausschließlich dazu verwendest, um die Fläche unter einer Kurve zu berechnen.

  2. Hauptursache der weltweiten Inflation ist die Papier-Geldvermehrung der Zentralbanken. Diese ist wieder bedingt durch staatliche Haushaltsdefizite die von den Zentralbanken durch Kauf von Staatsanleihen finanziert werden. Den unbedarften Mann auf der Straße wird dann erzählt dass die Lohnerhöhung schuld hat wie auch gern die Politiker erzählen eine Steuerhöhung sei notwendig um den armen Lehrern eine Gehalterhöhung zu geben. Wie sagt doch das Sprichwort:
    „ Haltet den Dieb schreit der Dieb“ und freut sich wenn ein Unschuldiger gejagt und der Verdacht von ihm abgelenkt wird.

  3. 2012: Diesel PYG 5600 (US$ 1,31) Mindestlohn 1.700.000 Rohöl ca 111 US$ / Barrel / Brent
    2014: 5158 (US$ 1,16) 1.824.000 Bus 2400 98
    2018: 5300 2.112.562 Bus 2400 72
    Frachtkostenanstieg durch Dieselpreis? Lohnerhöhung wegen gestiegenen Nahverkehrskosten? Gemessen an den Kosten für den Nahverkehr hat sich die Kaufkraft erhöht. Auch in hoch entwickelten Ländern waren wegen veränderter
    Realitäten Kaufkraftverluste hinzunehmen.
    Grundauslöser der Inflation ist und bleibt die Lohn- Preisspirale, Realität. Wer eine andere Wirklichkeit erkennt ist realitätsfremd. Der ehemalige Sozialstaat Argentinien leidet jetzt unter den Folgen.
    Der Verfall PYG zum US$ ist schon vor den moderaten Zinsanhebungen der FED eingetreten. Ursache ist der Verfall der Rohstoffpreise im Agrarsektor (fast ausschließliches Exportgut von Paraguay).
    Soziale Gerechtigkeit erzielt man mit einem progressiven Steuersystem und nicht durch eine Einheitssteuer für arm und reich. Wer die Verschlechterung wirtschaftlicher Faktoren immer wo anders sucht, kommt nie auf einen grünen Zweig.
    Quellen: https://de.theglobaleconomy.com/Paraguay/diesel_prices/
    https://www.oanda.com/lang/de/currency/converter/
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1123/umfrage/rohoelpreisentwicklung-uk-brent-seit-1976/
    https://wochenblatt.cc/tieferer-fahrpreis-mit-neuer-alternative/

    1. …“Grundauslöser der Inflation ist und bleibt die Lohn- Preisspirale, Realität. Wer eine andere Wirklichkeit erkennt ist realitätsfremd“…
      Bestes Beispiel gegen diese Theorie ist dass heute der Reallohn in Venezuela auf etwa US$ 2.- bis 3.- abgesunken ist und die Menschen ihre Katzen und Hunde verspeisen müssen weil der Staat jede Menge wertlose Banknoten druckt und trotz Lohnerhöhungen diese der Inflation meilenweit hinter herhinkt.

      1. Das ist die Folge des Zusammenbruchs des früher durch Erdölexporte finanzierten „Sozialstaates“.
        Das Desaster ist mit dem Einbruch des Rohölpreises und der in Folge ausbleibenden Subventionen eingetreten.
        Qellenbeispiel: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/oelpreisverfall-bringt-venezuela-dem-kollaps-nahe-13369679.html

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